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16.09.2012

17:47 Uhr

Afghanistan

Zivilisten sterben bei Nato-Angriff

Die Gewalt in Afghanistan hält an: Die Nato bestätigt, dass bei einem ihrer Luftangriff sind acht Frauen und Mädchen getötet worden sind. Im Süden des Landes haben afghanische Polizisten vier US-Soldaten erschossen.

Nachdem Zivilisten bei einem NATO-Angriff in Afghanistan gestorben sind, kam es zu Protesten in Laghman. AFP

Nachdem Zivilisten bei einem NATO-Angriff in Afghanistan gestorben sind, kam es zu Protesten in Laghman.

KabulDie Nato hat afghanische Regierungsangaben über zivile Opfer bei einem Luftangriff des Bündnisses am Sonntag bestätigt. „Eine Anzahl afghanischer Zivilisten wurde unbeabsichtigt getötet oder verwundet“, teilte die Nato-geführte Schutztruppe Isaf zu dem Bombardement in der Provinz Laghman mit. „Die Isaf übernimmt die volle Verantwortung für diese Tragödie.“

Das Büro von Präsident Hamid Karsai teilte mit, bei dem Luftschlag seien acht Frauen getötet und sieben verwundet worden. Sie hätten Feuerholz gesucht. Nach Nato-Angaben galt der Angriff Aufständischen. Ein Isaf-Sprecher sagte, auch 45 Taliban-Kämpfer seien getötet worden.

Der Leiter des Gesundheitsamtes der Provinz, Latif Kajumi, sprach von zehn Verletzten, einige seien gerade einmal zehn Jahre alt. Nato-Sprecher Jamie Graybeal erklärte, der Vorfall werde untersucht. Ersten Berichten zufolge waren bei dem Angriff keine Zivilisten, sondern nur Aufständische getötet worden.

Nach der Tat am frühen Sonntagmorgen, der der am vier US-Soldaten ums Leben kamen, konnten die Täter fliehen. Angriffe von Attentätern aus den afghanischen Sicherheitskräften nehmen zu. Bei einem Anschlag im Süden Afghanistans sind am Sonntag nach offiziellen Angaben vier US-Soldaten getötet worden. Bei den Tätern handele es sich vermutlich um afghanische Polizisten, wie die Nato mitteilte. Während die Allianz keine Angaben zur Nationalität der Opfer machte, erklärten afghanische Behörden, alle Getöteten seien US-Militärangehörige. Der Anschlag ereignete sich in der Provinz Sabol, in der US-Soldaten stationiert sind.

Angriffe von Attentätern aus den afghanischen Sicherheitskräften hatten zuletzt deutlich zugenommen. Erst am Samstag wurden im südlichen Helmand zwei britische Soldaten von einem afghanischen Polizisten erschossen. In diesem Jahr kamen bei derartigen Übergriffen mehr als 50 ausländische Militärangehörige um.

Chronologie: Tödliche Zwischenfälle in Afghanistan

Unbeliebte Besatzer

Bereits vor dem Massaker eines US-Soldaten an 16 afghanischen Zivilisten hat es in dem Land am Hindukusch mehrere Übergriffe von Angehörigen der amerikanischen Truppen gegeben. Auch Aktionen wie Koranverbrennungen lösten gewalttätige Proteste aus.

20. Februar 2012

Soldaten in der US-Basis Bagram bringen Ausgaben des Korans versehentlich zur Entsorgung zu einer Verbrennungsanlage. Muslimen gilt jede Schändung des Korans als Todsünde. Trotz einer Entschuldigung von Präsident Barack Obama führt die Koranverbrennung zu schweren Ausschreitungen mit zahlreichen Toten.

11. Januar 2012

Im Internet taucht ein Video auf, das angeblich US-Soldaten zeigt, die auf getötete Taliban urinieren. Der Vorfall sorgt international für Empörung und belastet die amerikanisch- afghanischen Beziehungen. US-Verteidigungsminister Leon Panetta verurteilt die Leichenschändung und ordnet eine Untersuchung an.

23. März 2011

Ein US-Soldat wird von einem amerikanischen Militärrichter zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Stabsgefreite hatte zugegeben, zusammen mit mehreren Kameraden gezielt drei unbewaffnete Zivilisten in Afghanistan umgebracht zu haben. Dem fünfköpfigen „Killkommando“ wird nicht nur angelastet, aus purer Mordlust getötet zu haben: Sie sollen auch Körperteile ihrer Opfer wie Finger als Trophäen mitgenommen haben.

20. März 2011

In der Gemeinde des umstrittenen Pastors Terry Jones in Gainesville (US-Staat Florida) findet eine Koranverbrennung statt. Wenige Tage später stürmen aufgebrachte Menschen im afghanischen Masar-i-Scharif ein Büro der Vereinten Nationen und töten sieben Ausländer. Bei Ausschreitungen kommen in den folgenden Tagen in Afghanistan mindestens 23 Menschen ums Leben.

4. Mai 2009

Bei einem US-Luftangriff in der südwestafghanischen Provinz Farah kommen auch zahlreiche Zivilisten ums Leben. Das US-Militär hatte den Taliban vorgeworfen, diese als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Nach einer Untersuchung der afghanischen Regierung wurden 140 Zivilisten getötet.

Bis 2014 soll die Verantwortung für die Sicherheit in Afghanistan von den Nato-Kampftruppen an die Afghanen übergeben werden. Danach sollen die meisten ausländischen Soldaten aus dem Land abziehen.

Bei einem Anschlag im benachbarten Pakistan wurden am Sonntag 14 Menschen getötet, darunter drei Kinder und drei Frauen. Die Menschen seien in einem Lastwagen auf dem Weg zu einem Markt an der Grenze zu Afghanistan gewesen, als ein am Straßenrand deponierter Sprengsatz in die Luft gegangen sei, teilte die Polizei mit. Im Grenzgebiet kommt es immer wieder zu Anschlägen, hinter denen die radikal-islamischen Taliban vermutet werden.

Angriffe von Attentätern aus den afghanischen Sicherheitskräften haben zuletzt deutlich zugenommen. dpa

Angriffe von Attentätern aus den afghanischen Sicherheitskräften haben zuletzt deutlich zugenommen.

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