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21.01.2011

22:05 Uhr

Afrika

Teilung Sudans scheint beschlossene Sache

Der Südsudan, ein Staat im Wartestand: Fast 99 Prozent der Wähler haben in der historischen Volksabstimmung für die Unabhängigkeit gestimmt. Auch wenn das Endergebnis erst im Februar veröffentlicht wird, gilt die Teilung des Sudans schon jetzt als unausweichlich.

dpa NAIROBI/JUBA. Wählerzustimmung von 99 Prozent lässt eigentlich sämtliche Alarmglocken schrillen. Zu sehr klingt so ein Votum nach den Wahlergebnissen einstiger sowjetischer Zentralkomitees oder der Bestätigung von Diktatoren, die der Form halber eine Wahl organisieren lassen. Kann so viel geballte Zustimmung überhaupt möglich sein?

Bei der Volksabstimmung im Südsudan, die nach Aussage aller Wahlbeobachter friedlich, transparent und ordnungsgemäß ablief, offenbar schon. Nach der Auszählung von knapp 84 Prozent der fast vier Millionen Wählerstimmen meldete die Referendumskommission am Freitag ein rekordverdächtiges Ja von bislang 98,6 Prozent für die Teilung des Sudans und einen unabhängigen Südsudan. Die Wahlbeteiligung lag nach inoffiziellen Angaben bei über 85 Prozent, in einigen Bundesstaaten sogar bei bis zu 95 Prozent.

Überraschend kommt das klare Votum nicht, auch wenn in jüngsten Umfragen vor der Volksabstimmung "nur" 97 Prozent für einen eigenen Staat stimmen wollten. In Juba, der Hauptstadt des Südens, sind die Weichen schon lange auf Unabhängigkeit gestellt. Der Norden, so geben auch gemäßigte Stimmen in Khartum zu, hat dem überwiegend schwarzafrikanischen Süden die Einheit nie wirklich attraktiv erscheinen lassen.

Der 21 Jahre lange blutige Bürgerkrieg mit seinen zwei Millionen Toten und mehr als vier Millionen Flüchtlingen hat vor allem im Süden schwere Zerstörungen angerichtet. Noch heute hat die teilautonome Region ein asfaltiertes Straßennetz von weniger als 100 Kilometern Gesamtlänge.

Eine ganze Generation hatte kaum eine Chance auf Schulbesuch und Ausbildung, tausende kämpften jahrelang, auch als Kindersoldaten. Nur wer in einem Flüchtlingslager in Kenia oder Uganda landete, oft nach monatelangem Fußmarsch, hatte Glück: Dort konnten Flüchtlingskinder nicht nur zur Schule gehen, sie lernten auch Englisch, das im Süden das Arabische ersetzen soll.

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