Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.07.2016

18:49 Uhr

Afrikanische Flüchtlinge in Libyen

Gewalt und Folter vor den Toren Europas

Für viele Afrikaner ist Libyen das Tor nach Europa. In dem nordafrikanischen Land kämpfen rivalisierende Gruppen um die Macht. Flüchtlinge sind Milizen hilflos ausgeliefert – und damit Gewalt, Folter und Missbrauch.

In dem Land gibt es keine funktionierende Regierung. Mehrere rivalisierende Gruppen kämpfen um die Macht. AFP; Files; Francois Guillot

Kämpfe in Liyben

In dem Land gibt es keine funktionierende Regierung. Mehrere rivalisierende Gruppen kämpfen um die Macht.

An Bord der „Aquarius“ im MittelmeerDie Leidensgeschichte von Laye Donzo ist nur eine von vielen. Hunderte aus dem Mittelmeer gerettete Flüchtlinge drängen sich am Abend des 23. Juni an Bord des Schiffes „Aquarius“, auf dem unter anderem die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen aktiv ist. Die Helfer bringen die erschöpften Menschen, die von Libyen aus übers Meer nach Europa wollten, an die sizilianische Küste. Jeder hat eine Geschichte zu erzählen, und meistens handelt sie von Gewalt und Missbrauch.

Donzo stammt aus Liberia. Vor dem Krieg flüchtete er mit seiner Familie nach Sierra Leone. Dort starben mehrere Familienmitglieder an Ebola, und Donzo entschied sich, nach Libyen zu gehen und dort zu arbeiten. Anfang des Jahres wurde er dort festgenommen und, zusammen mit Hunderten anderen Afrikanern, in einem Gebäude eingesperrt. Nur alle drei Tage gab es etwas zu essen, regelmäßig wurden die Häftlinge geschlagen, erzählt Donzo und zeigt seine vernarbten Wunden an Armen und Beinen.

Laye Donzo floh vor dem Krieg aus Liberia. In Libyen wurde er eingesperrt und geschlagen. AP

Laye Donzo, Flüchtling aus Liberia

Laye Donzo floh vor dem Krieg aus Liberia. In Libyen wurde er eingesperrt und geschlagen.

Wer ihn festgenommen hat und warum, weiß er nicht. In Libyen gibt es keine funktionierende Staatsgewalt. Mehrere politische Gruppen kämpfen um die Macht, viele stützen sich dabei auf Milizen, die eng mit kriminellen Organisationen verwoben sind. Sie halten häufig Flüchtlinge, vor allem aus Afrika, grundlos fest, zwingen sie zur Arbeit oder erpressen Geld von deren Familien.

Einige dieser Gruppen haben den Menschenschmuggel als Geldquelle entdeckt, was wiederum viele potenzielle Flüchtlinge anlockt, deren Ziel Europa ist. Sie sind den Milizen meist hilflos ausgeliefert. Baba Ali aus Mali erzählt, wie er von Kämpfern in der Stadt Bani Walid östlich von Tripolis festgehalten wurde. In einem fabrikähnlichen Gebäude sei er mit 1500 anderen Afrikanern eingepfercht worden. Der Platz habe nicht ausgereicht, sich zum Schlafen hinzulegen, berichtet er. Man habe sie zur Arbeit gezwungen und regelmäßig geschlagen. Während des Ramadans konnte er fliehen.

Sichere Herkunftsländer: De Maiziere warnt vor Scheitern von Gesetz

Sichere Herkunftsländer

De Maiziere warnt vor Scheitern von Gesetz

Weil die Differenzen unter den Parteien zu groß sind, wurde die Abstimmung über die Einstufung der Maghreb-Staaten als sichere Herkunftsstaaten verschoben. Innenminister de Maiziere hofft auf eine Einigung im Herbst.

Mostafa Dumbia wiederum, der von Polizisten in Uniform festgenommen wurde, kam erst wieder frei, nachdem seine Familie 1000 Dollar Lösegeld bezahlt hatte. Danach brachten die Kidnapper den Ivorer auf das Boot, das ihn nach Italien bringen sollte. Die Berichte der Flüchtlinge, die über Libyen gekommen seien, ähnelten sich, sagt Erna Rijnierse von Ärzte ohne Grenzen. Die Narben, die sie vorzeigten, deuteten auf eine zum Teil lange Folter hin. „Ich habe viele Knochenbrüche gesehen an Stellen, an denen man sich selbst keinen Bruch zufügen kann“, betont sie.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×