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18.03.2013

17:50 Uhr

Afrikareise

Gauck fordert in Äthiopien Weg zur Demokratie

Seit genau einem Jahr ist Joachim Gauck im Amt. Aber in Äthiopien ist er zum Feiern viel zu beschäftigt. Er trifft Spitzenpolitiker, ehrt einen Märtyrer und spricht vor der Afrikanischen Union.

Bundespräsident Joachim Gauck (Mitte) im neuen Konferenzgebäude der Afrikanischen Union in Addis Abeba in Äthiopien zusammen mit Vertretern der Union. Das deutsche Staatsoberhaupt hält sich zu einem viertägigen Besuch in Afrika auf. dpa

Bundespräsident Joachim Gauck (Mitte) im neuen Konferenzgebäude der Afrikanischen Union in Addis Abeba in Äthiopien zusammen mit Vertretern der Union. Das deutsche Staatsoberhaupt hält sich zu einem viertägigen Besuch in Afrika auf.

Addis AbebaSeit genau einem Jahr ist Joachim Gauck im Amt. Aber in Äthiopien ist er zum Feiern viel zu beschäftigt. Er trifft Spitzenpolitiker, ehrt einen Märtyrer und spricht vor der Afrikanischen Union. Dabei verteilt er Lob und Kritik.

Addis Abeba (dpa) - Bundespräsident Joachim Gauck hat bei seinem Besuch in Äthiopien an die afrikanischen Staaten appelliert, ein neues Kapitel von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit aufzuschlagen. Vor der ständigen Versammlung der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba sagte Gauck am Montag: „Afrika muss besondere Herausforderungen überwinden und den afrikanischen Weg zur Demokratie finden.“ In allen Ländern des Kontinents sollten sich demokratisch gewählte Regierungen der Kontrolle durch starke Parlamente stellen.

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Der Termin galt als einer der Höhepunkte des viertägigen Besuchs am Horn von Afrika. Die Rede fiel auf den ersten Jahrestag des Amtsantritts von Gauck. Am Rande des Besuchs sagte er dazu, er wolle vor überzogenen Erwartungen an seine Präsidentschaft warnen. „Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass der Bundespräsident eine Art übergeordnete Politikinstanz wäre, die genau wüsste, was der richtige Weg ist“, meinte Gauck.

Am Dienstag fliegt der 73-Jährige ins äthiopische Hochland nach Lalibela. Der Wallfahrtsort im Norden des Landes wird auch als „neues Jerusalem“ bezeichnet. Die knapp ein Dutzend Felsenkirchen aus dem 12. Jahrhundert gehören zum Unesco-Weltkulturerbe. Ziel des Abstechers ist vor allem die berühmte kreuzförmige St-Georgs-Kirche.

Vor der Afrikanischen Union forderte Gauck auch einen entschlossenen Kampf gegen die Korruption und für die Durchsetzung der Menschenrechte. Besonders erwähnte er in diesem Zusammenhang die noch vielerorts praktizierte weibliche Genitalverstümmelung und die Diskriminierung und Verfolgung Homosexueller. „Menschenrechtsverletzungen sind für mich nicht mit dem Verweis auf kulturelle Traditionen zu rechtfertigen“, sagte der Bundespräsident.

Gauck begrüßte es, dass die Presse- und Versammlungsfreiheit auf dem Kontinent zunimmt. „Kritik kann so schwerer mundtot gemacht werden“, sagte er und fügte hinzu, wahre Partner Afrikas unterstützten diese Veränderungen. Der Schlüssel für echte Fortschritte sei eine gute Ausbildung der jungen Generation. Damit würde auch Gewalt und Terror der Nährboden entzogen. Dabei seien vor allem die Chancen von Mädchen und Frauen zu verbessern.

Besonders würdigte Gauck den Einsatz der Afrikanischen Union für Frieden und Versöhnung auf dem Kontinent, etwa bei der Krise in Mali. „Wenn Terror global gesteuert wird, reicht eine regionale Antwort nicht aus“, sagte er. Deutschland werde der AU auch hier als Partner zur Seite stehen. Gauck hielt seine Rede im neuen Gebäude der AU, das rund 200 Millionen Dollar (153 Millionen Euro) gekostet hat und komplett von China finanziert wurde.

Nach einem Treffen mit dem äthiopischen Präsidenten Girma Woldegiorgis am Morgen besuchte der Bundespräsident in Addis Abeba das Grab des äthiopischen Kirchenführers Gudina Tumsa und legte dort ein Blumengebinde nieder. Tumsa war der langjährige Generalsekretär der evangelischen Kirche Mekane Yesus in Äthiopien und stand der sozialistischen Militärdiktatur der Derg in den 1970er Jahren kritisch gegenüber. Im Jahr 1979 wurde er nach einem Abendgottesdienst von Derg-Soldaten entführt und ermordet.

„Wir ehren einen Märtyrer“, sagte Gauck bei der kurzen Zeremonie. Tumsa habe im Geiste von Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King für die Menschenrechte gekämpft. Seine Witwe, die selbst jahrelang in Haft saß, kam zusammen mit einer der Töchter ebenfalls zu der Ehrung. Den vier Kindern war es damals zum Teil mit Hilfe der Kirche in Deutschland gelungen, Äthiopien zu verlassen.

Von

dpa

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