Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2017

20:10 Uhr

Aggressive Propaganda

EU-Experten sehen Merkel als Zielscheibe

Donald Trump sät Zweifel an Berichten etablierter Medien. Die russische Regierung lanciert nach Brüsseler Angaben gezielt Falschmeldungen. Eine Gruppe von EU-Experten sieht in Europa vor allem Merkel im Visier.

Desinformationskampagnen: EU-Experten stufen die Kanzlerin als besonders gefährdet ein. dpa

Angela Merkel

Desinformationskampagnen: EU-Experten stufen die Kanzlerin als besonders gefährdet ein.

BrüsselBundeskanzlerin Angela Merkel steht nach Ansicht von EU-Experten im Visier gezielter Desinformationskampagnen. Sie sei vermutlich stärker im Fokus als jede andere öffentliche Person in Europa, hieß es am Montag in Brüssel aus dem Umfeld einer Arbeitsgruppe, die versucht, vor allem russische Fehlinformationen aufzudecken. So wurde Merkel den Angaben zufolge fälschlicherweise unterstellt, mit den islamistischen Attentätern von Brüssel und Paris unter einer Decke zu stecken.

Ein Fokus der seit September 2015 aktiven EU-Arbeitsgruppe sind unter anderem russischsprachige Medien. Die Moskauer Regierung nutze Falschmeldungen bewusst als Machtinstrument, hieß es. Bisher haben die elf Mitarbeiter demnach insgesamt 2500 Meldungen widerlegt. Dies stelle aber nur einen Bruchteil kursierender Fehlinformationen dar, es handle sich eher um „Anekdoten“, die aber ein zusammenhängendes Bild ergäben.

Wie erkennt man Fake News?

Tipp 1: Absender checken

Der erste Blick sollte immer dem Absender einer Nachricht gelten: Wer steckt hinter einem Posting? Handelt es sich um einen anonymen Autor oder eine seriöse (Nachrichten-) Seite? Was wird sonst auf der Seite gepostet: Wird regelmäßig gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen oder Religionen gehetzt? Hilfreich ist oft auch, das Impressum einer Fanpage anzuklicken. Wenn es keines gibt oder nur die Adresse eines Postfaches angegeben wurde, ist dem meistens nicht zu trauen, schreibt der Verein Mimikama.

Tipp 2: Inhaltlicher Check

Auch der inhaltliche Gegencheck bringt oft interessante Ergebnisse: Bei Google News kann schnell geprüft werden, ob ein Sachverhalt von mehreren Seiten aufgegriffen oder lediglich von einer Stelle vermeldet wurde.

Tipp 3: Bilder-Check

Ebenfalls bei Google können Nutzer checken, ob ein Bild wirklich zu einer bestimmten Geschichte gehört oder aus dem Kontext gerissen wurde: Mit Googles Bilder-Rückwärtssuche kann jeder leicht herausfinden, ob ein Foto eine reale Situation zeigt.

Tipp 4: mimikama-Suchmaschine nutzen

Der österreichische Vereine mimikama checkt seit Jahren Falschmeldungen, die sich im Netz verbreiten - und hat inzwischen eine eigene Suchmaschine. Unter http://hoaxsearch.com/ kann man mit normalen Suchbegriffen nach Falschmeldungen fahnden - natürlich unter der Voraussetzung, dass ein bestimmtes Thema bereits bei mimikama behandelt wurde.

Neben Verschwörungstheorien stoßen die Experten auch auf Versuche, Geschichte umzuschreiben sowie fingierte Terrordrohungen. Den Informationen zufolge geht es in diesen Berichten oft um die Abwertung des Westens, dem moralischer Verfall unterstellt werde, um Unterstützung russischer Politik etwa im Ukraine-Krieg oder generell um die Lage in der Ukraine, von wo es Berichte über vermeintlichen Völkermord an der russischsprachigen Bevölkerung gebe.

Ziel der angeblich von Russland unterstützten Kampagnen sei es gar nicht in erster Linie Zuhörer, Zuschauer oder Leser von teils unglaubwürdigen Darstellungen zu überzeugen. Es gehe vielmehr darum, Zweifel zu säen und gesellschaftliche Gräben zu vertiefen - etwa in der Flüchtlingskrise. Die Brüsseler Arbeitsgruppe soll in den kommenden Wochen auch um arabischsprachige Mitarbeiter erweitert werden, die Propaganda der Terrormiliz Islamischer Staat entgegenwirken sollen.

Facebook gegen Fake-News: Zensur!

Facebook gegen Fake-News

Zensur!

Facebook nimmt sich endlich auch in Deutschland der Fake News an und will zusammen mit Journalisten Inhalte überprüfen. Die Maßnahme kommt spät – und wird das Problem nicht lösen können. Ein Kommentar.

Die aktuelle Gruppe verfügt über kein eigenes Budget. Sieben Mitglieder werden von EU-Staaten bezahlt, der Rest sind EU-Mitarbeiter. Mehr als 400 Freiwillige in dreißig Ländern arbeiten den Experten zu, zum Beispiel mit Hinweisen auf fragwürdige Nachrichten. Neben Gegendarstellungen zu Falschnachrichten geht es auch darum, auf Russisch im Internet oder in sozialen Medien über europäische Politik zu informieren oder an der Ausbildung russischsprachiger Journalisten mitzuarbeiten.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×