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10.12.2014

14:37 Uhr

Agrarsektor schwächelt

Wirtschaftswachstum in der Türkei bricht ein

Die Wirtschaftszahlen aus Ankara für das dritte Quartal bleiben weit unter den Erwartungen. Grund soll die schwächelnde Landwirtschaft sein. Einen Boom erwartet die Türkei künftig durch den „Gas-Pakt“ mit Russland.

Wollen enger zusammen arbeiten –  und die türkische Wirtschaft ankurbeln: Die Präsidenten von Russland und der Türkei, Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdogan. dpa

Wollen enger zusammen arbeiten – und die türkische Wirtschaft ankurbeln: Die Präsidenten von Russland und der Türkei, Wladimir Putin (links) und Recep Tayyip Erdogan.

IstanbulDas Wirtschaftswachstum in der Türkei hat sich im dritten Quartal auf 1,7 Prozent abgeschwächt. Damit blieb das Wachstum weit unter den Erwartungen, die bei knapp drei Prozent gelegen hatten, wie die Nachrichtenagentur Anadolu am Mittwoch meldete. Der türkische Nachrichtensender NTV berichtete, das Wachstum sei auf den niedrigsten Wert seit zwei Jahren zurückgegangen.

Im ersten Quartal war die türkische Wirtschaft noch um 4,8 Prozent gewachsen, im zweiten Quartal wurden 2,2 Prozent erreicht. Insgesamt lag das Wachstum in den ersten neun Monaten damit bei 2,8 Prozent; für das Gesamtjahr erwarteten Experten laut Anadolu bisher ein Wachstum von 3,2 Prozent nach 4,0 Prozent im vergangenen Jahr.

Zentralbankchef Erdem Basci führte Medienberichten zufolge einen Einbruch in der Landwirtschaft als wichtigen Grund für das schwache Wachstum des dritten Quartals an. Der Agrarsektor sei in diesem Jahr bereits um fünf Prozent geschrumpft. „Angesichts dieser Umstände ist das Wachstum derzeit ganz gut“, sagte Basci. „Aber das ist nicht das Wachstum, das wir wollen. Als Zentralbank wollen wir ein höheres Tempo.“

Entspannung könnte aus dem Energiesektor kommen. Denn Russland erwägt nach seinem „Nein“ zur Pipeline South Stream eine Versorgung Südosteuropas über eine Leitung durch die Türkei – die damit als Profituer aus dem Gasstreit Russlands mit der EU hervorgehen könnte.

Der neue russische Botschafter in Ungarn, Wladimir Sergejew, hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Interview der Zeitung „Magyar Hirlap“ von der Möglichkeit gesprochen, die Erdgasversorgung „der Region und Ungarns“ über eine Anbindung an die zukünftige türkische Leitung sicherzustellen.

Die 63 Milliarden Kubikmeter Gas, die pro Jahr für die Pipeline South Stream vorgesehen waren, sollen über die Türkei auf die Märkte verteilt werden. Damit würde das Land am Bosporus zu einem wichtigen Umschlagplatz für russisches Erdgas werden.

Ein entsprechendes Memorandum haben Russland und die Türkei unterzeichnet. Außerdem hatte der russische Präsident Putin Anfang des Monats der Türkei bei seinem Besuch in Ankara einen Rabatt von sechs Prozent für russische Gaslieferungen ab dem 1. Januar 2015 versprochen.

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