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03.02.2014

16:25 Uhr

Aktion im Schnee

„Blutige“ Proteste vor Deutscher Bank in Kiew

Ukrainische Demonstranten haben vor der Niederlassung der Deutschen Bank in Kiew protestiert – und legten Blutgeld im Schnee aus. Die Aktivisten werfen dem Geldhaus vor, mit dem Janukowitsch-Clan zu kooperieren.

Ukrainische Demonstranten legen Euro-Scheine als „Blutgeld“ vor der Deutschen Bank in Kiew aus. AFP

Ukrainische Demonstranten legen Euro-Scheine als „Blutgeld“ vor der Deutschen Bank in Kiew aus.

KiewUkrainische Regierungsgegner haben der Deutschen Bank in Kiew vorgeworfen, dubiose Finanzgeschäfte für den Clan von Präsident Viktor Janukowitsch abzuwickeln. Bei einer Protestaktion tauchten Demonstranten am Montag Geldscheine in eine mit roter Farbe gefüllte Badewanne und legten sie als „Blutgeld“ in der Form von Janukowitschs Namen im Schnee aus. Auf der Wanne vor den Büros des Kreditinstituts prangte der Schriftzug „Ukraine“.

Die ukrainische Opposition wirft der Deutschen Bank vor, Geschäfte mit einer Bank im Besitz des vermögenden Präsidentensohns Alexander Janukowitsch zu machen und damit Korruption in Regierungszirkeln zu fördern. Die Aktivisten verlangen von der EU und den USA, Auslandskonten ukrainischer Spitzenbeamter einzufrieren. „Sie stehlen Geld aus dem Staatshaushalt und legen es in Europa an“, sagte der Demonstrant Viktor Andrusiw. „Die Deutsche Bank scheint in diesem Fall ukrainisches Korruptionsgeld zu waschen.“

Die Strömungen der Opposition in der Ukraine

Parlamentarische Opposition

Die Opposition ist im Parlament mit drei Fraktionen und einigen fraktionslosen Abgeordneten vertreten. Julia Timoschenkos Vaterlandspartei (Batkiwschtschina), Vitali Klitschkos Udar (Schlag) und die rechtspopulistische Swoboda (Freiheit) haben 168 von 450 Abgeordneten. Diese Parteiorganisationen stellen den Großteil der Infrastruktur auf dem besetzten Unabhängigkeitsplatz (Maidan) in Kiew sicher.

Euromaidan

Das ist der Name für die gesamte Protestbewegung auf dem Maidan - dem zentralen Unabhängigkeitsplatz in Kiew. Hier treffen sich spontan vor allem über soziale Netzwerke verabredete Demonstranten. Viele sind in der Zeit der Unabhängigkeit nach 1991 aufgewachsenen und vergleichsweise gut ausgebildet. Sie stehen auch symbolhaft für die friedliche Natur des Protests. Sie eint auch das Ziel einer Annäherung an die EU.

Die gescheiterte Unterzeichnung eines weitreichenden Abkommens mit der EU Ende November war für diese Regierungsgegner eine große Enttäuschung. Viele verweigerten aber Parteinahme für die jeweiligen politischen Gruppierungen. Ihr Protestlager war am 30. November auf dem Maidan in Kiew von den Polizeisondereinheiten der Berkut (Steinadler) brutal geräumt worden. Viele harren aber weiter auf dem Platz aus.

Rechter Sektor

Der rechtsextreme Flügel der Protestbewegung beteiligte sich von Anfang an den Demonstrationen und suchte demonstrativ den Konflikt mit der Staatsmacht. Er bildet den harten, gewaltbereiten Kern der so bezeichneten Selbstverteidigungskräfte des Maidan.

Die etwa 500 Mitglieder der losen Gruppierung aus neofaschistischen Splittergruppen treten oft vermummt und in paramilitärischer Kleidung auf. Sie sind zumeist unter 30 Jahre alt und vertreten eine antirussische und nationalistische Ideologie. Solche Kräfte kämpften auch als Partisanen gegen die sowjetischen und die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg in den westukrainischen Gebieten.

Die Vorwürfe der Aktivisten sind von unabhängiger Seite nur schwer zu prüfen. Der stellvertretende Direktor der Deutschen Bank-Niederlassung in Kiew sprach am Montag mit den Demonstranten und sicherte ihnen zu, ihre Bedenken an die Konzernspitze in Frankfurt am Main zu übermitteln. Aus Finanzkreisen verlautete dazu, dass die Deutsche Bank keine Geschäftsbeziehungen in der Ukraine unterhalte.

Organisiert wurde die Protestaktion von der Udar-Partei des Oppositionspolitikers Vitali Klitschko. Diese hatte vergangene Woche bereits eine ähnliche Demonstration vor dem Sitz der Deutschen Bank an der New Yorker Wall Street initiiert. In London belagerten gleichgesinnte Aktivisten zudem das Haus des Geschäftsmagnaten Rinat Achmetow, der als reichster Oligarch der Ukraine und wichtigster Förderer von Janukowitschs Regierungspartei gilt. Kritiker werfen Janukowitsch und dessen Umfeld vor, sich während der bald vierjährigen Amtszeit des Präsidenten systematisch bereichert zu haben.

Von

afp

Kommentare (2)

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DB-Freund

03.02.2014, 16:52 Uhr

Oky, ich sehe schon, dass es den Banken mal wieder an den Kragen geht. Die D-Bank hat echt einen angeschlagenen Chart, der deutlich gen Süden zeigt.

Trotzdem freue ich mich darauf, denn bald schon hat die DB endlich das Kaufniveau erreicht. Man kann zu dieser Bank sagen was man will, aber eigentlich hat sie Substanz und was sie nicht umbringt, macht sie nur härter.

RBern

03.02.2014, 17:12 Uhr

Man sieht hier, welche Leute in das EU-Boot streben.

Diese Personen werden in Brüssel dringend gebraucht.

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