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26.01.2010

06:59 Uhr

Aktionärsmacht

Staatsfonds greifen wieder an

VonMichael Maisch

Staatsfonds haben in den vergangenen Jahren massiv an Macht gewonnen. Doch diese Macht haben die Fonds oft nur diskret im Hintergrund ausgeübt. Die Finanzkrise hat nach Meinung von Experten allerdings zu einem Paradigmenwechsel bei den staatlichen Großinvestoren geführt.

Scheich Ahmed bin Zayed Al-Nahyan managt den Staatsfonds Abu Dhabis, den größten seiner Art. Experten erwarten für 2010 eine Offensive der Fonds. Quelle: Pressebild

Scheich Ahmed bin Zayed Al-Nahyan managt den Staatsfonds Abu Dhabis, den größten seiner Art. Experten erwarten für 2010 eine Offensive der Fonds.

LONDON. „Sovereign Wealth Funds werden in Zukunft ihren Einfluss als Aktionäre deutlich offensiver nutzen“, sagt John Nugée von der Fondsgesellschaft State Street. State Street ist der weltweit größte Vermögensverwalter für institutionelle Anleger und hat gerade eine der wenigen systematischen Studien über die noch immer sehr diskreten Staatsfonds veröffentlicht.

Nach Berechnungen von State Street verwalten die 37 größten Sovereign Wealth Funds derzeit ein Vermögen von drei Billionen Dollar. Rund 70 Prozent der Mittel stammen aus Erdöl- und Erdgaseinnahmen.

Nach Einschätzung von State Street werden die Staatsfonds nach der Finanzkrise ihre Investmentportfolios gründlich überprüfen, und größeren Wert auf Liquiditätsreserven legen. Das könnte die bislang als langfristige Investoren bekannten Fonds zwingen, in Zukunft kurzfristiger zu agieren. Außerdem sei durch die Verluste während der Finanzkrise der Rechtfertigungsdruck für die Staatsfonds gewachsen. Deshalb gehen die Experten davon aus, dass die bislang zurückhaltenden Fonds in Zukunft versuchen werden, deutlich mehr Einfluss auf Strategie und Unternehmenspolitik ihrer Beteiligungen zu nehmen.

„Ich glaube, dass die Nutzung von Aktionärsrechten 2010 eines der beherrschenden Themen sein wird“, sagt Nugée. Der gänzlich passive Ansatz nach dem Motto, „wir machen von unserem Stimmrecht nicht Gebrauch und nutzen unseren Anspruch auf einen Sitz im Aufsichtsrat nicht“ – lässt sich nicht mehr durchhalten“. Die Krise habe gezeigt, dass die Aktionäre in vielen Fällen ihre Funktion als Kontrolleure der Unternehmen vernachlässigt hätten. „Dieses Manko haben auch die Staatsfonds erkannt“, betont Nugée.

In der Vergangenheit haben Sovereign Wealth Funds ihre Rolle als Aktionäre überwiegend im Hintergrund ausgeübt, so wie die Qatar Investment Authority, die unter anderem Beteiligungen an den Banken Credit Suisse und Barclays und an der britischen Supermarktkette Sainsbury hält.

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