Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.11.2013

00:58 Uhr

Aktueller Bericht

Schweiz ist weiter „Vorreiter der Steuerparadiese“

Die Schweiz führt nach wie vor die Liste der Steueroasen an. Ein aktueller Bericht des Tax Justice Network (TJN) bescheinigt dem Land trotz Zugeständnissen beim Bankgeheimnis wenig Besserung.

Die Schweiz führt trotz Zugeständnissen beim Bankgeheimnis weiter die Liste der Steueroasen an. dpa

Die Schweiz führt trotz Zugeständnissen beim Bankgeheimnis weiter die Liste der Steueroasen an.

WashingtonTrotz Zugeständnissen beim Bankgeheimnis führt die Schweiz laut einer Nicht-Regierungsorganisation weiter die Liste der Steueroasen an. "In den letzten Jahren hat die Schweiz nicht zu vernachlässigende Zugeständnisse beim Bankgeheimnis gemacht, indem sie in begrenztem Maße den Austausch von Information mit manchen Gerichtsbarkeiten akzeptiert hat", schreibt das Tax Justice Network (TJN) in seinem aktuellen Bericht, der am Freitag der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

In dem Bericht werden die Staaten nach ihrer finanziellen Bedeutung und ihrer Transparenz aufgelistet.

Wie Steuersünder ihr Geld in Steueroasen verstecken

Was ist eine Steueroase?

Als Steueroasen werden Länder bezeichnet, die keine oder nur sehr niedrige Steuern auf Einkommen oder Vermögen erheben - und Anlegern Anonymität und Diskretion versprechen. Besonders für Anleger, die in ihrem Heimatland höhere Steuersätze zahlen müssten, sind Steueroasen attraktiv. Die Staaten sind oft klein und wohlhabend, werden meist von stabilen Regierungen geführt und bemühen sich häufig um Investitionen aus dem Ausland. Außerdem garantieren sie Rechtssicherheit und wahren das Bankengeheimnis.

Um welche Länder geht es konkret?

Vielfach geht es um autonome Inselstaaten, weshalb häufig von „Offshore-Leaks“ die Rede ist. In Berichten werden etwa die Britischen Jungferninseln und Kaimaninseln in der Karibik, im Südpazifik die Cookinseln und Samoa, die im Indischen Ozean gelegenen Seychellen und das zu Malaysia gehörende Eiland Labuan sowie Hongkong, Singapur und Panama genannt. Aber auch auf dem Festland, etwa in Luxemburg, soll schon Geld versteckt worden sein.

Wie funktionieren die Steuersparmodelle?

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für diese Geschäfte ist Verschwiegenheit. Viele Steueroasen werben im Internet mit dieser Diskretion und locken so Anleger an, die ihr Kapital vor dem heimischen Fiskus verstecken wollen. Sie gründen oder kaufen für ihre Auslandsgeschäfte beispielsweise Tochterunternehmen, deren Gewinne im Niedrigsteuerland gehalten und wieder investiert werden. Oft erschweren komplexe Unternehmensgliederungen den Behörden die Ermittlungen.

Wie groß ist der Schaden?

Nach Schätzungen der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG) umfasst das weltweite Hinterziehungsvolumen allein für deutsche Steuerhinterzieher mehrere hundert Milliarden Euro. Hiervon dürfte laut DStG ein nicht beträchtlicher Teil auf die Schweiz entfallen. Nach einer im Jahr 2012 veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar (17 Billionen Euro) in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen.

Sind die Aktionen legal oder illegal?

Nicht alle Methoden, die deutschen Steuerbehörden zu umgehen, sind illegal. Wer etwa seinen Wohnsitz ins Ausland verlegt, kann privates Einkommen in ein ausländisches Niedrigsteuerland verlagern, ohne sich strafbar zu machen. Strafbar macht sich aber, wer dem Finanzamt seine Geldanlagen in Überseegebieten verschweigt, seinen Wohnsitz aber in Deutschland hat und dort auch sein Einkommen versteuern müsste. International tätige Konzerne können ihre Gewinne durchaus legal auf die Tochterunternehmen verteilen, so dass ein möglichst geringes Steueraufkommen anfällt.

Die Organisation TJN kritisiert in dem alle zwei Jahre erscheinenden Bericht insbesondere, dass die Schweiz, die als "Vorreiter der Steuerparadiese" bezeichnet wird, weiterhin jede Kooperation mit den politisch "schwächeren" und "verletzbareren" Ländern im Süden verweigere. Nach der Schweiz folgen auf der Liste Luxemburg und Hongkong. Die USA kommen auf Platz sechs, wobei TJN einige US-Gesetze kritisiert, die ausländischen Investoren in gewissen Fragen Vertraulichkeit zusichern, womit ihnen ermöglicht werde, in ihrem Heimatland der Besteuerung zu entgehen.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×