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22.09.2014

18:21 Uhr

Al-Qaida, IS, Khorasan

Die neue Terrorgefahr

VonDésirée Linde

Im Windschatten der Erfolge des Islamischen Staats erstarkt die neue Terrorgruppe Khorasan. Die Islamisten verschiedener Gruppen bekämpfen sich teils zwar gegenseitig. Für den Westen erhöht das aber nur die Gefahr.

Die neue Bedrohung durch Khorosan: Die Extremisten nehmen nach Angaben der USA westliche Einrichtungen gezielt ins Visier. Getty Images

Die neue Bedrohung durch Khorosan: Die Extremisten nehmen nach Angaben der USA westliche Einrichtungen gezielt ins Visier.

DüsseldorfDie US-Geheimdienste warnen nach dem Vormarsch des Islamischen Staats (IS) vor dem Erstarken der noch nahezu unbekannten Extremistengruppe Khorasan. Die Terrorgruppe könnte stärker als andere Islamistenorganisationen die Vereinigten Staaten und US-Einrichtungen im Ausland mit Terroranschlagen ins Visier nehmen, berichtet die New York Times.

Wie bei anderen islamistischen Gruppen ist das destabilisierte Syrien ihr Nährboden. Mit der IS konkurriert Khorasan um Kämpfer. Die Chance, dass sich die Gruppen dabei gegenseitig schwächen ist aber gering. Vielmehr droht ein Wettbewerb um die grausamsten Bilder.

 

Welche Gefahr geht von der Gruppe Khorasan aus?
Nach Einschätzung der US-Behörden ist die Gruppe sogar noch gefährlicher als der IS. Khorasan wolle nämlich gezielt Terroranschläge in westlichen Staaten verüben. Bislang gibt es kaum Informationen über die Gruppe. Die spärlichen Erkenntnisse stammen aus Quellen verschiedener Geheimdienste sowie von US-Strafverfolgungsbehörden und Militärs.

Wie wahrscheinlich sind Anschläge von Islamistengruppen in den USA und ein Europa?
Westliche Regierungen passen ihre Terrorwarnstufen regelmäßig an die Bedrohungslage an: Seit dem Siegeszug der IS sehen die westliche Regierungen eine erhöhte Terrorgefahr. So hat etwa Großbritannien vor zwei Wochen seine Terrorwarnstufe auf das zweithöchste Level („ernst“) angehoben. Demnach gibt es offenbar zwar keine Hinweise auf einen unmittelbar bevorstehenden Anschlag. Ein Terrorangriff sei aber sehr wahrscheinlich. Bei einer Anhebung der Alarmstufe werden vor allem die Vorsichtsmaßnahmen in Krankenhäusern, auf Flughäfen und in anderen öffentlichen Einrichtungen erhöht. Meist geschieht dies aber hinter den Kulissen, die Bürger bekommen davon wenig mit. Die USA dagegen bleibt bislang bei den bestehenden Vorkehrungen. Die Gefahr durch Khorasan scheint gerade in Europa zu steigen, weil vergleichsweise viele europäische Staatsbürger ins syrische Kriegsgebiet reisen.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Wie ist Khorasan entstanden?
Khorasan ist ein Ableger von al-Qaida, entstanden zeitlich vermutlich im vergangenen Jahr, aber in jedem Fall nach der syrischen Al-Nusra-Front, die sich Ende 2011/Anfang 2012 gebildet hatte. Die Gruppe setzt sich nach Geheimdienstangaben aus Al-Qaida-Mitgliedern aus dem Nahen Osten, Nordafrika und Südasien zusammen.  An ihrer Spitze soll Muhsin al-Fadhli, einer der engsten Vertrauten des vormaligen Al-Qaida-Chefs Osama Bin Laden, stehen. Der 33-jährige Kuwaiter gehörte laut  US-Außenministeriums zu den wenigen Eingeweihten, die im Vorfeld von den Anschlägen des 11. Septembers 2001 wussten.

Warum nennt der US-Geheimdienst jetzt erst den Namen der Gruppe, den sie bislang bewusst verschwiegen hatte?
Dass Khorasan existiert, ist den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt. Doch erst am vergangenen Donnerstag nannte CIA-Direktor James Clapper die Gruppe beim Namen. Hintergrund könnte eine Warnung an die Terrorgruppe selbst ein: „Wir kennen euch. Wir wissen was ihr vorhabt.“ Ebenso könnte es auf lange Sicht eine Annäherung an Syriens Machthaber Bashar al-Assad als Verbündeten gegen die Islamisten sein. Bislang schließen die USA eine Zusammenarbeit mit Assad aus.

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