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24.01.2005

17:27 Uhr

Al-Sarkaui-Organisation verübt fast täglich Anschläge

Gewalt im Irak nimmt wie befürchtet zu

Irakische Sicherheitskräften haben den mutmaßliche Chef-Bombenbauer und ein weiteres führendes Mitglied der Extremistengruppe um den Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi gefasst.

HB BAGDAD. Der vor Kurzem festgenommene Sprengstoffspezialist, Sami Mohammed Said al- Dschaf, habe seine Mittäterschaft an mindestens 32 schweren Anschlägen gestanden, gab ein Sprecher der Übergangsregierung am Montag - sechs Tage vor der geplanten Wahl - in Bagdad bekannt.

Unterdessen verletzte eine Autobombe in der Nähe des Sitzes der Partei von Übergangsministerpräsident Ijad Allawi in Bagdad mindestens zehn Menschen. Dies bestätigte das Gesundheitsministerium. Nach dem Anschlag tauchte ein Bekennerschreiben der Sarkawi-Gruppe im Internet auf. Darin hieß es, ein Selbstmordattentäter habe die „Partei der Heuchelei“ erfolgreich angegriffen. Laut Augenzeugen explodierte die Bombe an einem Kontrollpunkt am Ende der Straße, die zum Hauptquartier der Partei Irakischer Nationaler Konsens (INA) führt.

Der Abu Omar al-Kurdi genannte Bombenbauer al-Dschaf soll in Polizeigewahrsam zugegeben haben, jenen Lastwagen mit Sprengladungen präpariert zu haben, der im August 2003 das UN-Hauptquartier in Bagdad zerstörte. Damals starben 22 Menschen, darunter der UN-Sondergesandte Sergio Vieira de Mello. Weitere Gewalttaten, bei denen Selbstmordattentäter angeblich von Al-Kurdi gebaute Autobomben steuerten, waren der Anschlag im August 2003, bei dem in Nadschaf 80 Menschen, darunter der Vorsitzende der Schiiten-Partei SCIRI, Mohammed Bakir al-Hakim, getötet wurden sowie der Anschlag auf das italienische Militärpolizei-Hauptquartier im südirakischen Nassirija. Nach Angaben des Regierungssprechers nahm die Polizei außerdem den Chef einer Sarkawi-Ablegerorganisation im nordirakischen Mossul fest.

In der zwischen den Volksgruppen umstritten Provinz Tamim mit Hauptstadt Kirkuk sind für die Wahlen nachträglich 50 000 Kurden registriert worden, die unter dem früheren Machthaber Saddam Hussein von dort vertrieben worden waren. Dies bestätigte der Vorsitzende der regionalen Wahlkommission, Nehad Seinal. Die Kurden-Parteien hatten mit einem Boykott der Provinzwahlen gedroht, falls nicht alle vertriebenen Kurden das Stimmrecht erhalten sollten. Im ölreichen Kirkuk leben Araber, Kurden und Turkmenen.

Am kommenden Sonntag sollen im Irak erstmals eine Nationalversammlung sowie 18 Provinzparlamente gewählt werden. Derweil ging die Wahl-Registrierung unter den rund 1,2 Millionen Auslandsirakern weiter. In Deutschland meldeten sich bis Montag, einen Tag vor Ablauf der Registrierungsfrist, weit weniger als die Hälfte der in der Bundesrepublik lebenden rund 80 000 Wahlberechtigten an.

Aufständische verübten in der Nacht zum Montag Anschläge auf mindestens drei Wahllokale in der nördlichen Provinz Salaheddin. Menschen kamen dabei nicht zu Schaden. In Bedschi quittierten 25 Polizisten den Dienst, als ihnen mitgeteilt wurde, dass sie bei Wahllokale bewachen sollen. Der irakische Generalstabschef Babekr al- Sebari erklärte in einem Interview mit dem ARD-Nachrichtenportal tagesschau.de, die Wahlen sollten um mindestens drei Monate verschoben werden. Diese Zeit solle genutzt werden, um die Sicherheitskräfte besser auszubilden und Terroristen aufzuspüren.

Ein Sprengsatz beschädigte am Montag eine Öl-Pipeline zwischen Bedschi und Tikrit. Nach Polizeiangaben lief eine große Menge Öl aus. Die gleiche Pipeline war bereits drei Tage zuvor von Aufständischen in Brand gesetzt worden.

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