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27.01.2014

17:01 Uhr

Al-Sisi

Ägyptens Militärchef auf dem Weg zum Präsidenten

Als „Retter“ des Landes betrachten viele Ägypter Al-Sisi, seitdem dieser 2013 Mursi entmachtet hat. Bisher hat der Militärchef im Hintergrund die Strippen gezogen. Als Präsidentschaftskandidat rückt er ins Rampenlicht.

Anhänger von Al-Sisi: Bedächtig setzte der Militärchef vor einem Jahr Mursi schachmatt. Reuters

Anhänger von Al-Sisi: Bedächtig setzte der Militärchef vor einem Jahr Mursi schachmatt.

KairoDer Weg des ägyptischen Militärchefs Abdel Fattah al-Sisi ins höchste Staatsamt war eigentlich schon vorgezeichnet, als er am 3. Juli des Vorjahrs den islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi entmachtete. Dieser war zwar erst ein Jahr zuvor demokratisch gewählt worden, doch stieß seine Herrschaft die Mehrheit der Ägypter so vor den Kopf, dass eindrucksvolle Massenproteste dem Militärcoup vorausgingen.

Doch schon in den ersten Stunden dieses neuerlichen Umsturzes - im Februar 2011 hatte eine Revolution den Langzeitherrscher Husni Mubarak aus dem Amt gefegt - tauchten überall Al-Sisi-Bilder auf. Die Medien entfachten einen richtiggehenden Personenkult um den starken Mann des Militärs - und der Nation. Al-Sisi wurde als „Retter“ des Landes, ja nahezu als Messias verehrt. Der Ruf nach seiner Präsidentschaftskandidatur wurde unüberhörbar.

Al-Sisi selbst hatte sich nach dem Juli-Umsturz wieder in den Hintergrund gespielt. Die Macht legte er formell in die Hände einer Übergangsregierung. An die Schalthebel der Macht kehrten Leute aus dem Mubarak-Regime zurück, denen die Militärführung vertraute. Nicht Al-Sisi entschied, was die neue Führung tat. Sie tat aber wohl auch nichts, was seinem Willen zuwidergelaufen wäre.

Der Aufstieg und Fall von Mohammed Mursi

4. November

In Kairo beginnt der Strafprozess gegen Mursi. Anhänger haben im Vorfeld zu Protesten aufgerufen.

28. und 29. Oktober

Mursi lehnt eine Woche vor Beginn des Prozesses gegen ihn die Rechtmäßigkeit des Gerichts ab. Einen Tag später platzt ein Prozess gegen die Führungsriege der Muslimbrüder wegen Anstiftung zum Mord. Die Richter erklären sich für befangen.

4. Oktober

Muslimbrüder beginnen dreitägige Proteste gegen Mursis Entmachtung, in Ägypten werden dabei mehr als 50 Menschen getötet.

23. September

Ein Gericht in Kairo erklärt die Muslimbruderschaft und alle Ableger der Organisation für illegal.

19. August

Die Staatsanwaltschaft leitet gegen Mursi Ermittlungen wegen Verantwortung für die Tötung von Demonstranten im Dezember 2012 ein. Später folgt eine Anklage wegen Beleidigung der Justiz.

14. August

Bei der Räumung von Protestlagern mit Tausenden Mursi- Anhängern gibt es nach Regierungsangeben mehr als 600 Tote. Eine Verhaftungswelle hochrangiger Muslimbrüder setzt ein.

8. August

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan fordern Zehntausende Islamisten die Wiedereinsetzung Mursis.

3. August

Die Muslimbrüder bestehen darauf, dass Mursi wieder als Präsident eingesetzt wird.

26. und 27. Juli

Mursi wird des Landesverrats beschuldigt und kommt in Untersuchungshaft.

3. und 4. Juli

Nach den Massenprotesten setzt das Militär Mursi ab und stellt ihn unter Arrest. Der oberste Verfassungsrichter Adli Mansur wird Übergangspräsident. Mursi-Anhänger beginnen einen Dauerprotest.

30. Juni

Eine Unterschriftenkampagne der Initiative „Tamarud“ (Rebellion), mit der Mursi zum Rücktritt gezwungen werden soll, gipfelt in Massenprotesten Hunderttausender.

2. Juni

Das oberste Verfassungsgericht verkündet, dass die von Mursi durchgeboxte Verfassung unter nicht gesetzeskonformen Umständen zustande gekommen ist.

29. November 2012

Im Eilverfahren peitscht das von Islamisten dominierte Verfassungskomitee Mursis Entwurf einer neuen Verfassung durch. In Massenprotesten demonstriert die Opposition gegen eine schleichende Islamisierung.

24. Juni 2012

Die Wahlkommission erklärt den Kandidaten der Muslimbruderschaft, Mohammed Mursi, zum Sieger der Präsidentenwahl. Quelle: dpa

Der 59-Jährige gehört einer Generation von Stabsoffizieren an, die anders als der ehemalige Luftwaffenpilot Mubarak an keinem der Kriege aktiv teilnahmen, in die Ägypten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstrickt war. Er besuchte die Militärakademie und reihte sich dann in die Infanterie ein. Noch unter Mubarak wurde er Kommandeur des Armeebereichs Nord mit Sitz in Alexandria.

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