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24.08.2014

21:19 Uhr

Al-Tabka

Terrorgruppe IS erobert syrischen Flughafen

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat offenbar einen wichtigen Militärflughafen in Syrien erobert. Sollte sie ihn unter ihrer Kontrolle behalten, könnte sie die Region unbehelligt beherrschen.

In den Straßen von Tabka: Die IS-Terrorgruppe feiert die Eroberung des Militärflughafens Tabka in Syrien. Reuters

In den Straßen von Tabka: Die IS-Terrorgruppe feiert die Eroberung des Militärflughafens Tabka in Syrien.

Trotz inzwischen rund 100 Luftangriffen der US-Armee setzt die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihren Angriffskrieg im Irak und in Syrien unbeirrt fort. Nach heftigen Gefechten eroberten die Extremisten am Sonntag im Osten Syriens den strategisch wichtigen Militärflughafen Al-Tabka, die letzte Bastion der Truppen von Präsident Baschar al-Assad in der Provinz Al-Rakka, wie die Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete. Im Irak versuchten die Dschihadisten, die Erdölraffinerie Baidschi nördlich von Bagdad einzunehmen. Die Regierungsarmee konnte den Großangriff nach eigenen Angaben aber abwehren.

Nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter starben bei den Gefechten um den Flughafen in Syrien mindestens 100 IS-Kämpfer, mehr als 300 wurden verletzt. Zudem seien Dutzende syrische Soldaten getötet worden. Sollte die IS-Miliz den Militärflughafen unter ihrer Kontrolle behalten, könnte sie die Region unbehelligt beherrschen - ein herber Rückschlag für die Regierung in Damaskus. Die Extremisten dominieren ohnehin im Osten und Norden Syriens bereits ein Drittel des Landes, und ebenso große Teile im Norden und Westen des Iraks.

Seit Wochen versuchen die Dschihadisten - deren Stärke Beobachter inzwischen auf mehrere zehntausend Kämpfer schätzen - die Raffinerie Baidschi einzunehmen. Bei heftigen Kämpfen um die Anlage seien 30 Extremisten umgekommen, berichteten Sicherheitskräfte am Sonntag. Die Extremisten hätten die Anlage aus allen Richtungen attackiert, meldete die Nachrichtenseite Al-Mada. Sieben Selbstmordattentäter hätten sich dabei in die Luft gesprengt. Die irakische Armee erhielt demnach Unterstützung von Kampfflugzeugen.

Gewaltsame Befreiung von Geiseln

Algerien, Januar 2013

Mit der Erstürmung des Gasfelds In Amenas beendet die algerische Armee eine Terroraktion islamistischer Terroristen. Mindestens 80 Menschen sterben während der Geiselnahme und der Befreiung. Rund 700 algerische Beschäftigte und mehr als 100 ausländische Mitarbeiter können sich während des mehrtägigen Dramas selbst retten oder werden befreit.

Somalia, Januar 2013

Bei der versuchten Befreiung eines seit 2009 von der Islamistenmiliz Al-Shabaab festgehaltenen französischen Geheimagenten sterben die Geisel und mindestens ein französischer Soldat. Bei dem Militäreinsatz nahe Mogadischu werden nach Angaben von Anwohnern auch fünf Zivilisten und mehrere Islamisten getötet.

Nigeria, März 2012

Bei einer missglückten Befreiungsaktion kommen eine britische und eine italienische Geisel ums Leben. Die Männer hatten für eine italienische Baufirma gearbeitet und waren seit zehn Monaten in der Gewalt nigerianischer Terroristen.

Irak, März 2011:

Extremisten überfallen das Provinzparlament in der Stadt Tikrit und nehmen dort tagende Abgeordnete als Geiseln. Irakische Sicherheitskräfte stürmen wenige Stunden später das Gebäude, um sie zu befreien. Insgesamt sterben 65 Menschen.

IRAK, Oktober 2010

Mitglieder des irakischen Al-Kaida-Ablegers besetzen eine katholische Kirche und verschanzen sich dort mit zahlreichen Geiseln. Als die irakische Polizei die Kirche stürmt, kommen mindestens 50 Geiseln und fünf Geiselnehmer ums Leben.

Kolumbien, Juli 2008

Die frühere kolumbianische Präsidentschaftskandidatin Ingrid Betancourt, drei US-Amerikaner und weitere Geiseln werden aus der Gewalt von Farc-Rebellen befreit. Soldaten hatten sich als Vertreter einer regierungsunabhängigen Organisation ausgegeben und waren in einem Hubschrauber zu einem vermeintlichen Treffen mit einer internationalen Kommission geflogen. In der Luft wurden mitfliegende Rebellen überwältigt und die Geiseln waren frei.

Afghanistan, August 2007

Eine in Kabul entführte deutsche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ora international wird von afghanischen Sicherheitskräften befreit.

Russland, September 2008

Mehr als 30 Bewaffnete überfallen eine Schule in Beslan in der russischen Kaukasusregion Nordossetien und nehmen über 1100 Kinder, Eltern und Lehrer 52 Stunden lang als Geiseln. Bei Erstürmung der durch russische Sicherheitskräfte werden 331 Menschen getötet. Unter den 318 getöteten Geiseln sind 186 Kinder.

Russland, Oktober 2002:

41 tschetschenische Terroristen überfallen ein Moskauer Musicaltheater und nehmen mehr als 800 Geiseln. Nach drei Tagen stürmt die Polizei das Gebäude. 129 Geiseln und alle Terroristen sterben, die meisten durch von Sicherheitskräften eingesetztes Gas.

Eine gute Neuigkeit ist die Freilassung des entführten US-Reporters Peter Theo Curtis. US-Außenminister John Kerry äußerte sich „dankbar“ und erleichtert. In einer Mitteilung am Sonntag bestätigte er zugleich, dass sich Curtis in den Händen der Al-Nusra-Front in Syrien befand.

„Besonders nach einer Woche mit einer unsäglichen Tragödie sind wir alle dankbar und erleichtert zu wissen, dass Theo Curtis nach Hause zurückkehrt“, erklärte Kerry. Er bezog sich damit auf den Tod des ebenfalls entführten US-Journalisten James Foley, der vor wenigen Tagen von Terroristen der Miliz Islamischer Staat (IS) enthauptet worden war.

Kerry wies darauf hin, dass sich die USA in den vergangenen zwei Jahren an mehr als zwei Dutzend Staaten gewandt hätten, um mit ihrer Hilfe die Freilassung von US-Geiseln zu erreichen. Das ist ein möglicher Hinweis darauf, dass Curtis' Freilassung durch ein anderes Land eingefädelt wurde.

Die UN bestätigten unterdessen, dass Curtis im Dorf Al Rafid auf den Golan-Höhen an UN-Blauhelmsoldaten übergeben worden sei. Nach einer ersten medizinischen Untersuchung hätten ihn dann Vertreter der US-Regierung in Empfang genommen.
Indes stehen britische Geheimdienstmitarbeiter offenbar kurz vor der Identifizierung des Mörders von James Foley. „Ich kann nichts Genaues sagen, aber ich weiß von meinen Kollegen, dass wir kurz davor stehen“, sagte der britische Botschafter in den USA, Peter Westmacott, am Sonntag dem US-Fernsehsender CNN. Die britische Zeitung „Sunday Times“ hatte zuvor unter Berufung auf nicht näher genannte Regierungsquellen berichtet, britische Geheimdienste hätten den mutmaßlichen Täter bereits identifiziert.

Zwar hätten die Quellen keine Details zu dem Mann genannt, hieß es in dem Bericht, ein Hauptverdächtiger sei aber der 23-jährige Abdel-Majed Abdel Bary. Der Mann habe vor kurzem über Twitter ein Bild von sich verbreitet, auf dem er einen abgetrennten Kopf hochhält, heißt es in dem Bericht. Er habe seine Familie in Nord-London im vergangenen Jahr verlassen, um für die Terrorgruppe zu kämpfen.

Der US-Journalist Foley war im November 2012 in Syrien verschwunden. Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) enthauptete ihn als Rache für US-Luftangriffe im Nordirak und veröffentlichte dazu am vergangenen Dienstag ein Propagandavideo. Auf dem Video war ein maskierter Mann mit britischem Akzent zu sehen, der auf den Spitznamen „Dschihadi John“ hören soll.

Großbritanniens Außenminister Philip Hammond drückte am Sonntag seinen Abscheu darüber aus, dass der Mörder Foleys Brite sein soll. „Dies ist ein Betrug an unserem Land, unseren Werten und allem, wofür wir stehen“, schrieb er in der „Sunday Times“.

Kommentare (7)

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Herr Teito Klein

25.08.2014, 07:24 Uhr

Mutmaßlicher Killer von James Foley identifiziert
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Zwar hätten die Quellen keine Details zu dem Mann genannt, hieß es in dem Bericht, ein Hauptverdächtiger sei aber der 23-jährige Abdel-Majed Abdel Bary. Der Mann habe vor kurzem über Twitter ein Bild von sich verbreitet, auf dem er einen abgetrennten Kopf hochhält, heißt es in dem Bericht.

Aber in Großbritannien gibt es viele Anhänger der Terrormiliz IS. Viele reisen freiwillig in den Irak oder nach Syrien, um sich von ihnen für den Dschihad ausbilden zu lassen.
Und Großbritannien ist eine Insel der Seeligen für Hassprediger.

Herr Peter Hubich

25.08.2014, 08:01 Uhr

Irak, Libyien, Syrien - alles Länder denen die USA "Heil & Segen" der westlichen Werte mit militärischen Mitteln brachte.

Herr BGH Urteil

25.08.2014, 08:05 Uhr

IS? Sind das nicht die, die wir letztes Jahr noch mit Waffen ausgerüstet haben um gegen Assad zu kämpfen!?

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