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28.01.2011

09:24 Uhr

Alaa Al-Aswani

„Die Menschen haben keine Angst mehr“

Ägyptens Jugend geht auf die Straße und demonstriert gegen das Regime Mubarak. Steht das Land vor einer Zeitwende? Im Interview erklärt Alaa Al-Aswani, bekannter Kritiker des Regimes, den fundamentalen Wandel im Land und die wichtigsten Forderungen der Demonstranten.

Alaa Al-Aswani ist Arzt, Schriftsteller und prominenter Kritiker des ägyptischen Regimes. dpa

Alaa Al-Aswani ist Arzt, Schriftsteller und prominenter Kritiker des ägyptischen Regimes.

Steht Ägypten vor einer Zeitenwende? Darüber sprach Nahost-Korrespondent Martin Gehlen mit Alaa Al-Aswani. Der 53-Jährige ist Zahnarzt, Schriftsteller und einer der bekanntesten Kritiker des Regimes. Bekannt wurde er 2002 durch den Roman "Der Jakubijan-Bau". Das Werk zeichnet einen Mikrokosmos der ägyptischen Gesellschaft, die von Unterdrückung, Korruption und Machtmissbrauch zerfressen ist. Das Buch wurde in der arabischen Welt zum Bestseller und auch ins Deutsche übersetzt.

Handelsblatt: Sie beteiligen sich an den Protesten und waren am Dienstag auf dem Tahrir-Platz in Kairo, am ersten "Tag des Zorns". Was geht vor in Ägypten?

Alaa Al-Aswani: Das sind historische Tage für unser Land. Die Menschen haben ihre Angst verloren. Vor allem die jungen Leute wollen demokratische Reformen. Viele haben studiert, sind arbeitslos oder in miserablen Jobs beschäftigt. Sie sehen für sich keine Zukunft. Und sie verstehen, dass ihre schlechte Lage kein Schicksal ist, sondern Ergebnis von Korruption und Diktatur.

Wird das Regime von Präsident Hosni Mubarak stürzen?

In einer so aufgeheizten Lage kann niemand sagen, was noch passieren wird. Klar ist nur, es sind ganz einzigartige Zeiten. Die jungen Organisatoren haben über Facebook Hunderttausende für diese Proteste mobilisiert. Das zeigt, es hat sich etwas fundamental geändert im Land.

Kommt die Botschaft der Menschen bei Mubarak an?

Vielleicht hat er noch eine letzte Chance zu reagieren und auf die Forderungen seines Volkes einzugehen. Tut er das nicht, wird sein Regime stürzen.

Was sind die wichtigsten Forderungen der Demonstranten?

Sie wollen tiefgreifende Reformen für mehr Demokratie. Sie wollen, dass die gefälschten Parlamentswahlen des vergangenen Jahres annulliert werden. Sie wollen, dass der seit 30 Jahren herrschende Ausnahmezustand beendet wird. Sie wollen, dass Mubarak in den Ruhestand geht. Sie wollen einen neuen, frei gewählten Präsidenten.

Kommentare (1)

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Sybrand

28.01.2011, 17:33 Uhr

Und am Ende des Weges steht ganz bestimmt nicht die Demokratie als Staatsform, dort steht der islam.

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