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21.09.2014

11:56 Uhr

Alan Henning

Ehefrau von IS-Geisel appelliert an Entführer

Die Terrormiliz IS hat mit der Ermordung eines in Syrien verschleppten Briten gedroht. Nun wendet sich die Ehefrau öffentlich an die Entführer. Derweil hat in Syrien eine Massenflucht über die türkische Grenze eingesetzt.

Undatiertes Foto von Alan Henning: „Ein friedlicher, selbstloser Mensch.“ ap

Undatiertes Foto von Alan Henning: „Ein friedlicher, selbstloser Mensch.“

LondonDie Ehefrau einer britischen Geisel der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Entführer eindringlich um die Freilassung ihres Mannes gebeten. Er sei ein „friedlicher, selbstloser“ Mensch, der in Syrien gewesen sei, um bedürftigen Menschen zu helfen, hieß es in der am frühen Sonntagmorgen vom britischen Außenministerium veröffentlichten Bitte der Ehefrau.

Auf frühere, „wirklich wichtige“ Appelle an die Entführer ihres Mannes Alan Henning habe sie keine Antwort erhalten. „Ich bete, dass die Menschen, die Alan festhalten, auf meine Botschaften antworten und mit mir in Kontakt treten, bevor es zu spät ist.“

Die Terrormiliz hatte im Video von der Ermordung der britischen Geisel David Haines mit der Tötung des 47 Jahre alten Ehemannes der Frau gedroht. Der Taxifahrer war im Dezember 2013 gekidnappt worden. Die Dschihadisten haben auch zwei US-Journalisten enthauptet. Für die Freilassung des 47-Jährigen hatten sich unlängst auch zwei Imame in Großbritannien eingesetzt.

Rätsel um türkische IS-Geiseln

Vor der Uno-Generalversammlung werden die USA in der kommenden Woche weiter für ein globales Bündnis im Kampf gegen IS werben. „Das hier ist nicht Amerika gegen den Islamischen Staat“, sagte US-Präsident Barack Obama am Samstag in einer Rundfunkansprache in Washington. „Das ist die Welt gegen den Islamischen Staat.“ Mehr als 40 Länder unterstützten mittlerweile die Koalition gegen den IS.

Nach mehr als drei Monaten in der Gewalt der IS-Terroristen sind 46 türkische und 3 irakische Geiseln wieder frei. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan teilte mit, der Geheimdienst MIT habe die Geiseln während einer nächtlichen „Rettungsoperation“ befreit. Die Terrormiliz hatte die Türken in ihre Gewalt gebracht, als sie am 11. Juni das Konsulat im nordirakischen Mossul stürmte.

Mitstreiter und Gegner der USA im Kampf gegen den Terror

Iran

Iran: Teheran ist sowohl Gegner als auch Mitstreiter der USA. Einerseits kann der Iran eine Militäroperation des Erzfeindes in der eigenen Nachbarschaft nicht einfach absegnen. Andererseits handelt es sich beim IS um einen gemeinsamen Feind.

Ägypten

Auch Ägypten nahm an der Anti-Terror-Konferenz in Dschidda teil. Der Kampf gegen den IS könnte Kairos Beziehungen zum Westen verbessern, die unter dem Sturz von Präsident Mohammed Mursi durch das Militär vor mehr als einem Jahr gelitten haben.

Katar

Katar könnte eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Finanzquellen der Extremisten auszutrocknen. Kritiker werfen dem Land vor, Radikale dürften dort unbehelligt Geld für Dschihadisten sammeln. Die Regierung weist das zurück.

Jordanien

Auch Jordanien hat den IS vor der Haustür. Anhänger der Miliz kontrollieren Teile Iraks und Syriens, die unmittelbar an das Königreich grenzen. Auch der einzige Grenzübergang zwischen Irak und Jordanien ist in IS-Händen. Jordanien hat daher eine Taskforce gegen IS-Angriffe gegründet. In der von Amerika geführten Anti-IS-Koalition könnte das Land zum Operationszentrum werden.

Saudi-Arabien

Das Königreich ist einer der wichtigsten US-Partner. Am Donnerstag trafen sich mehrere Länder in der Hafenstadt Dschidda, um über den Kampf gegen den Terrorismus zu beraten. Weil der IS auch an der Grenze zwischen dem Irak und Saudi-Arabien steht, fühlt sich Riad massiv bedroht.

Irak

Kerry reiste zum Auftakt seiner Tour nach Bagdad. Der Irak wird die Hauptlast im Kampf gegen den IS tragen müssen, weil vor allem die Soldaten der Regierung und kurdische Einheiten am Boden gegen die Extremisten kämpfen müssen. Zugleich muss es der neuen Regierung von Ministerpräsident Haidar al-Abadi gelingen, die Sunniten im Land auf ihre Seite zu ziehen - nur so würde der IS seine starke Unterstützung in den sunnitischen Teilen des Landes verlieren.

Türkei

Westliche Länder haben der Türkei vorgeworfen, Extremisten dürften die Grenze zu Syrien ungehindert passieren. Zuletzt attestierte das Pentagon der Regierung jedoch, sie gehe stärker gegen Dschihadisten vor. Dennoch unterstützt Ankara die USA nicht mit voller Kraft. Den Luftwaffenstützpunkt Incirlik will sie nur für humanitäre Hilfsflüge freigeben. Ankara ist in einer schwierigen Lage, weil der IS im Nordirak 49 türkische Diplomaten festhält.

Nato

Zehn Staaten zählen bislang zum Anti-Terrorbündnis der USA, darunter die Nato-Länder Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Polen, Dänemark, Kanada und die Türkei. Auch Australien hat sich der Koalition angeschlossen. Deutschland will Waffen an die Kurden im Nordirak liefern, London hat das bereits getan. Frankreich hat mittlerweile Bombardements gestartet.

Die befreiten türkischen Geiseln trafen am Samstag in ihrer Heimat ein. Die Zeitung „Hürriyet Daily News“ zitierte eine Geheimdienstquelle, wonach kein Lösegeld geflossen und auch kein Gefangenenaustausch vereinbart worden sei. Wie die Türkei die Extremisten zur Übergabe der Geiseln brachte, blieb unklar.

Im benachbarten Syrien führte der jüngste IS-Vormarsch zu einer neuen Flüchtlingswelle. 45.000 Kurden seien vor den Extremisten in die Türkei geflohen, sagte der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus. Am Freitag hatte die Türkei ihre Grenze geöffnet, nachdem sich aus Angst vor IS-Massakern Tausende Menschen davor versammelt hatten. Laut neuesten Uno-Zahlen vom Sonntag waren es bereits 70.000 innerhalb der vergangenen 24 Stunden.

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