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18.08.2016

22:42 Uhr

Aleppo

Moskau kündigt wöchentliche Feuerpause an

Bis zu zwei Millionen Menschen leben noch in der umkämpften Metropole Aleppo in Syrien. Nun dürfen sie auf eine Feuerpause hoffen. Doch die Einzelheiten der Waffenruhe müssen noch ausgehandelt werden.

Bei Bombenangriffen wurde ein Großteil der Infrastruktur der Stadt zerstört. Vielen Bewohnern fehlt ein Zugang zu sauberem Wasser. AFP; Files; Francois Guillot

Rauch über Aleppo

Bei Bombenangriffen wurde ein Großteil der Infrastruktur der Stadt zerstört. Vielen Bewohnern fehlt ein Zugang zu sauberem Wasser.

Moskau/Genf/BeirutMoskau hat angesichts der humanitären Krise in Aleppo seine Bereitschaft erklärt, jede Woche eine 48-stündige Feuerpause in der nordsyrischen Großstadt einzuhalten. Die Feuerpause solle erstmals kommende Woche Hilfslieferungen für die belagerte Bevölkerung ermöglichen, teilte das russische Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und der UN-Sonderbeauftragte Staffan de Mistura begrüßten die Ankündigung.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau sagte, es handele sich um ein "Pilotprojekt". Das Datum und die exakte Uhrzeit würden mitgeteilt, sobald seitens der Uno die Informationen bezüglich der Hilfskonvois sowie Garantien für deren Sicherheit seitens "unserer US-Partner" vorlägen.

Beim Auswärtigen Amt hieß es, die Ankündigung sei ein "entscheidender Schritt, um die Menschen vor Ort mit den dringend benötigten Nahrungsmitteln, medizinischer Hilfe und sauberem Wasser versorgen zu können". Steinmeier sei nach seinem Besuch im russischen Jekaterinburg am Montag in engem Kontakt mit der Uno und de Mistura, gewesen, um die Voraussetzungen für eine längere Waffenpause zu klären. Zuvor hatte die Bundesregierung das russische Verhalten im Syrien-Krieg als zynisch kritisiert.

Auch der UN-Sonderbeauftragte für Syrien begrüßte am Abend die Ankündigung. Er hatte zuvor kritisiert, dass seit einem Monat keine Hilfslieferungen mehr in belagerte Städte gelangt seien. Daher habe er in einem "symbolischen" Schritt die Sitzung des UN-Ausschusses für humanitäre Hilfe nach acht Minuten abgebrochen, sagte de Mistura in Genf. Am Freitag ist der Welttag der humanitären Hilfe.

Russland geht mit der Ankündigung der zeitweisen Waffenruhe auf eine entsprechende Forderung der Uno ein. De Mistura dringt seit längerem auf "wöchentliche 48-stündige humanitäre Pausen", um die hilfsbedürftigen Menschen in Aleppo mit Nahrungsmitteln und Medikamenten versorgen zu können.

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In Aleppo leben trotz der Kämpfe bis zu zwei Millionen Menschen. Sie haben unter anderem keinen Zugang zu sauberem Wasser, weil die Infrastruktur in der Stadt bei Bombenangriffen zerstört wurde. Der von islamistischen Rebellen kontrollierte Osten Aleppos ist zudem von syrischen Regierungstruppen und ihren Verbündeten eingekesselt. Dort sollen etwa 250.000 Zivilisten eingeschlossen sein. Syriens Verbündeter Russland hat tägliche dreistündige Feuerpausen zur Versorgung der Menschen angeboten. Die Rebellen sind darauf nicht eingegangen.

Nach Angaben der Vereinten Nationen sind im ganzen Land etwa 590.000 Menschen durch Belagerungen eingeschlossen. Seit Anfang August hätten keine Hilfskonvois mehr diese Orte erreicht, erklärte de Mistura in Genf. Er habe daher die Arbeit der Sondergruppe für humanitäre Hilfe bis kommende Woche ausgesetzt, um ein Zeichen zu setzen.

In dem fünfjährigen Konflikt kämpfen verschiedene Gruppen gegeneinander. Im Nordosten bombardierte nach kurdischen Angaben die syrische Luftwaffe erstmals von den Kurden kontrollierte Gebiete. Entsprechende Viertel der Stadt Hasaka seien getroffen worden, sagte ein Sprecher der Kurden-Miliz YPG. Zudem seien diese Stadtteile unter Artilleriebeschuss genommen worden. Es gebe Tote und Verletzte.

Auch die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete über die Bombenangriffe. Die syrische Armee war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Die YPG kontrollierte große Gebiete im Nordosten Syriens, in denen kurdische Gruppen seit Beginn des Bürgerkrieges eine autonome Verwaltung errichtet haben.

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