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18.01.2013

09:18 Uhr

Algerien

Geiseldrama offenbar noch nicht beendet

Die blutige Militäraktion gegen die Islamisten hat die Geiselnahme auf einem Gasfeld in Algerien nicht beendet. Das britische Außenministerium meldete am Freitag: „ Der terroristische Zwischenfall ist weiter im Gange.“

Widersprüchlich sind die Berichte über die Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln. dapd

Widersprüchlich sind die Berichte über die Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln.

LondonDie Geiselnahme auf einem algerischen BP-Gasfeld durch Islamisten ist noch nicht beendet. „Der terroristische Zwischenfall ist weiter im Gange“, erklärte am Freitag das britische Außenministerium in London. Premierminister David Cameron will sich heute daher erneut zu einer Krisensitzung mit den zuständigen Ministern und Vertretern der Sicherheitsbehörden treffen.

Die britische Regierung geht davon aus, dass eine größere Zahl von Landsleuten in der Krise ums Leben gekommen sein könnte. Cameron, der wegen der Geiselkrise eine lang angekündigte Grundsatzrede zur Europapolitik in Amsterdam absagte, sprach am Donnerstagabend von „sehr schlechten Nachrichten“, auf die sich das Land vorbereiten müsse.

Geiselnahme auf Erdgasfeld: Blutbad in Algerien

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Blutbad in Algerien

Doch über die Zahl der Opfer beim Befreiungsversuch der Geiseln herrscht Verwirrung.

Wohl verfrüht war in der Nacht zu Freitag verkündet worden, dass Geiseldrama in der Sahara habe ein blutiges Ende gefunden. Fakt ist, dass die algerische Armee am Donnerstag mit Boden- und Luftstreitkräften gegen die Geiselnehmer vorgegangen ist. Bei einer Militäraktion gegen die islamistischen Entführer konnten die Streitkräfte nach Regierungsangaben zahlreiche Geiseln befreien, viele Extremisten wurden getötet. Über die genaue Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln gab es zunächst allerdings widersprüchliche Angaben.

Das algerische Staatsfernsehen meldete, bei dem Befreiungsversuch seien zwei Briten und zwei Philippiner getötet worden. 13 weitere Menschen, darunter sieben Ausländer, seien bei dem Einsatz verletzt worden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf ein Krankenhaus weiter. Weitere Geiseln stammten aus den Frankreich, Norwegen, Rumänien, Malaysia, den USA und Algerien.

Der Konflikt in Algerien

Die radikale islamische Organisationen

In Algerien sind seit langem radikale islamische Organisationen aktiv. Anfang der 1990er Jahre entbrannte ein blutiger Konflikt zwischen Regierung und Fundamentalisten in dem nordafrikanischen Land.

Der Bürgerkrieg

Als sich während der Wahl im Dezember 1991 ein Sieg der Islamisten abzeichnete, brach die Armee die Wahl ab. In dem anschließenden Bürgerkrieg sollen bis zu 150 000 Menschen getötet worden sein.

Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC)

Der seit 1999 amtierende Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika leitete in Algerien eine Politik der nationalen Versöhnung mit einer Generalamnestie für umkehrwillige Terroristen ein. Die radikal-islamische Salafistische Gruppe für Predigt und Kampf (GSPC) setzte jedoch ihre Anschläge fort.

El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI)

Die Terrororganisation, die sich seit Anfang 2007 El Kaida im islamischen Maghreb (AQMI) nennt, sorgte mit schweren Anschlägen immer wieder für Schlagzeilen. Sie ist mittlerweile in der ganzen Region aktiv. Die algerische Sicherheitskräfte konnten zwar die terroristischen Aktivitäten eindämmen, aber die AQMI stellt weiter eine Bedrohung dar.

Der forsche Befreiungsversuch rief im Ausland große Bestürzung und scharfe Kritik hervor. Das japanische Außenministerium bestellte in der Angelegenheit den algerischen Botschafter in Tokio ein. Zuvor hatte Ministerpräsident Shinzo Abe den algerischen Regierungschef Abdelmalek Sellal angerufen, um gegen die Militäraktion zu protestieren und ihren sofortigen Stopp zu fordern. Die japanische Regierung gab an, drei von 17 japanischen Mitarbeitern seien in Sicherheit.

30 Geiseln in Algerien getötet

Video: 30 Geiseln in Algerien getötet

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Für die Geiselnahme sei eine „multinationale Terrorgruppe“ verantwortlich, die „Algerien destabilisieren, in den malischen Konflikt hineinziehen und die Infrastruktur für Erdgas zerstören“ wolle, sagte der algerische Kommunikationsminister Mohand Said Oubelaid am Donnerstagabend im Radio. „Zahlreiche Geiseln sind befreit und viele Terroristen getötet worden“, sagte er. „Wir bedauern, dass einige getötet und verletzt wurden.“

Die Entführer hatten über die mauretanische Nachrichtenagentur NIA zuvor erklärt, 35 Geiseln und 15 Entführer seien bei dem Hubschrauberangriff der algerischen Streitkräfte getötet worden.

Geiselnehmer schlagen algerische Armee zurück

Video: Geiselnehmer schlagen algerische Armee zurück

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Ein Islamisten-Kommando hatte das Gasfeld im Osten Algeriens etwa 1300 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Algier am Mittwoch unter ihre Kontrolle gebracht. Nach eigenen Angaben nahmen die Islamisten hunderte algerische Mitarbeiter und etwa 40 Ausländer, darunter Briten, Norweger, US-Bürger, Franzosen und Japaner, als Geiseln. Die Islamisten forderten ein Ende des französischen Militäreinsatzes im Nachbarland Mali.

Kommentare (3)

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Secure

18.01.2013, 12:29 Uhr

Habt ihr keine Hemmungen, diese "Terroristen" über die Maßnahmen zur Befreiung Unschuldiger zeitnah zu informieren?

Billyjo

18.01.2013, 14:28 Uhr

Es wird Zeit das diese Steinzeitwesen durch die Internationale Gemeinschaft in ihre Grenzen gewiesen werden. Selber meinen die sie könnten sich überall auf der Welt alles erlauben, aber wenn sie dann selber auf berechtigte Gegenwehr stoßen drohen sie mit noch mehr Gewalt und sind beleidigt das nicht alle nach ihren "Pfeifen tanzen"
Bedauerlich sind unschuldigen Opfer.

Account gelöscht!

18.01.2013, 18:06 Uhr

Sind nicht wir es?! die meinen sich überall auf der Welt alles erlauben zu dürfen? Haupsache es dient unseren Interessen? wird jetzt wieder Deutschland verteidigt?

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