Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2013

08:38 Uhr

Alkoholregelungen

Die neue Prohibition

VonOliver Bilger, Maike Freund, Katharina Kort, Finn Mayer-Kuckuk, Nils Rüdel

Egal ob in den USA, China oder Russland: Geht es um Alkohol, gibt es die absurdesten Regelungen und die haarsträubendsten Handhabungen. Die einen fördern das Trinken, andere wollen es unterbinden.

Während der Prohibition protestierten die Menschen für Alkohol.

Während der Prohibition protestierten die Menschen für Alkohol.

Öffentliche Saufgelage will Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nicht mehr dulden. Deshalb hat er nun Vertreter von Kommunen, Landespolitik und Polizei für den 24. Januar zu einem Runden Tisch eingeladen. Der Grund: Die Kommunen hätten zu viel unter Alkoholexzessen in der Öffentlichkeit zu leiden.

Dass die Mehrheit der rot-grünen Regierung diesen Anti-Alk-Vorstoß ablehnt, beeindruckt Kretschmann wenig. Stattdessen heißt es in der Einladung: Es sei ihm „ein persönliches Anliegen“, die von regelmäßigen Saufgelagen betroffenen Kommunen mit ihren Problemen „nicht alleine zu lassen, sondern den Dialog zu suchen, um Lösungsmöglichkeiten auszuloten“.

Beliebteste Schnäpse der Deutschen

Wodka

63 Millionen Flaschen (2011)

56 Millionen Flaschen (2008)

Halbbitterliköre

56,5 Millionen Flaschen (2011)

55,3 Millionen Flaschen (2008)

Korn

30,5 Millionen Flaschen (2011)

31,8 Millionen Flaschen (2008)

Rum

31,2 Millionen Flaschen (2011)

24,9 Millionen Flaschen (2008)

Weinbrand

27,6 Millionen Flaschen (2011)

32,6 Millionen Flaschen (2008)

Softspirituosen (fruchtig)

26,6 Millionen Flaschen (2011)

28,3 Millionen Flaschen (2008)

Branntwein-Verschnitt

25,2 Millionen Flaschen (2011)

28 Millionen Flaschen (2008)

Obstbrand

16,5 Millionen Flaschen (2011)

15,3 Millionen Flaschen (2008)

Ouzo

14,7 Millionen Flaschen (2011)

13,6 Millionen Flaschen (2008)

Doppelkorn

14,2 Millionen Flaschen (2011)

16,5 Millionen Flaschen (2008)

Quelle

Daten aus der Alkoholwirtschaft 2012, SmyphonyIRI

Doch damit macht er sich in seiner Partei keine Freunde. Volker Beck beispielsweise versteht die Welt nicht mehr: „An diesem Rad sollten wir Grüne als Freiheitspartei nicht weiter drehen“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion und kritisiert: „Für viele Menschen kommt ein Alkoholverbot einem Platzverbot gleich, weil das gemeinschaftliche Trinken neben den Gesprächen eine wichtige soziale Aktivität an diesen Orten darstellt.“

Zudem löse ein Alkoholverbot keine sozialen Probleme, sondern schaffe Verlagerungen an andere Orte. Als Kölner könne er sich nicht vorstellen, wie man ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum zu Karneval oder beim Christopher Street Day durchsetzen wolle. „Das übersteigt meine Fantasie.“ Die Deutschen führen die europäische Alkoholkonsum-Statistik an. 12,9 Liter Alkohol konsumieren sie pro Jahr. Im Vergleich: Der europäische Schnitt liegt bei 12,5 Liter pro Jahr.

Soviel dazu. Doch im Vergleich sind die Probleme des baden-württembergischen Ministerpräsidenten gering.

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

gutmenschensucks

05.01.2013, 10:52 Uhr

Volker Beck beispielsweise versteht die Welt nicht mehr: „An diesem Rad sollten wir Grüne als Freiheitspartei nicht weiter drehen“, sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion und kritisiert: „Für viele Menschen kommt ein Alkoholverbot einem Platzverbot gleich, weil das gemeinschaftliche Trinken neben den Gesprächen eine wichtige soziale Aktivität an diesen Orten darstellt.“ Das gemeinschaftliche Saufen ist also eine wichtige soziale Aktivität. Erklären Sie das mal bitte den Anwohnern, wenn diese vom Asi-Gegröle nicht schlafen können. Dann wird mal wieder die Polizei gerufen und die "soziale Verantwortung" auf diese abgeladen. Und wehe sie schreitet ein, dann stehen die Grünen wieder auf der Matte und schmieden Lichterketten.Es geht hier nicht um Veranstaltungen oder Karneval, sondern um das regelmäßige Saufen von Gruppierungen in der Öffentlichkeit. Und da gebe ich Herrn Kretschmann Recht!

Robin_Hood

05.01.2013, 11:47 Uhr

Hitler, Stalin, Al Capone, Gandhi, all dass hatten wir schon, jeden Tag geht die Sonne auf und nach Sommer kommt wieder ein Winter.

Alles wiederholt sich, welche Rolle spielst "DU" in diesem Spiel? Opfer, Täter, Mitläufer?

RMartin

05.01.2013, 11:50 Uhr

Daß Volker Beck seine grüne Gegenalles-Partei zur Freiheitspartei hochstilisiert, finde ich wirklich drollig. Herrn Kretschmann muß ich zwar leider Recht geben, ich bezweifle jedoch, daß ein Verbot alleine ausreicht. Wichtiger wäre es, die Jugendlichen von der Straße zu holen und sinnvoll zu beschäftigen, denn gesoffen wird zumeist aus Langeweile und Frust. Und man sollte dieses Verbot auch flexibel handhaben, denn es ist schon ein Unterschied, ob sich zwei oder drei Leute ruhig unterhalten und dabei ein Bier trinken oder ob eine besoffene Horde grölend randaliert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf "Zum Home-Bildschirm"

Auf tippen, dann "Zum Startbildschirm hinzu".

×