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22.01.2016

12:31 Uhr

„Alle für Marcelo“

Politik paradox vor Präsidentenwahl in Portugal

Der in Portugal mächtige Präsident wird neu gewählt – doch der Sieger scheint schon vorher festzustehen: Rebelo de Sousa wird von fast allen geliebt. Dabei gehört er den erst im Oktober abgestraften Sozialdemokraten an.

Marcelo Rebelo de Sousa probiert Schokoladenmilch – und die Menge jubelt. dpa

Rebelo de Sousa im Wahlkampf

Marcelo Rebelo de Sousa probiert Schokoladenmilch – und die Menge jubelt.

LissabonMarcelo Rebelo de Sousa kann dieser Tage nichts falsch machen. Der 67-Jährige zieht ein Brot aus dem Backofen und die Menge bricht in Jubel aus. Er probiert ein Stückchen Käse und bekommt Applaus. Dabei ist der hagere, stets freundlich lächelnde Mann kein Starbäcker und auch kein TV-Koch, sondern Politiker. Und als solcher geht er am Sonntag in Portugal als aussichtsreichster Kandidat in die Wahl des neuen Staatsoberhaupts. Nach allen Umfragen wird Rebelo klar gewinnen und möglicherweise schon in der ersten Runde die nötige absolute Mehrheit erhalten.

Portugal erlebt derzeit Politik paradox: Die Sozialdemokratische Partei (PSD), der Rebelo de Sousa schon seit der Gründung 1974 angehört und die er 1996 bis 1999 sogar anführte, hatte bei der Parlamentswahl im Oktober erst große Verluste erlitten. Rebelo de Sousas Parteikollege Pedro Passos Coelho musste daraufhin als Ministerpräsident seinen Hut nehmen und dem Sozialisten António Costa weichen. Rebelo de Sousa aber wird nun den meisten Umfragen zufolge zwischen 54 und 62 Prozent aller Stimmen bekommen.

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Wie ist das möglich? Und besteht bei einem Sieg des PSD-Bewerbers nicht die Gefahr, dass die Regierung – eine exotische und instabile Allianz der Sozialisten mit Kommunisten, Marxisten und Grünen – durch den Präsidenten torpediert wird? Das Staatsoberhaupt hat in Portugal viel Macht, kann Vetos gegen Regierungsbeschlüsse einlegen und auch das Parlament auflösen. Das frühere Krisenland hat keine leichten Zeiten vor sich. Es hat noch keinen Etat für 2016, und Costa will einige Sparmaßnahmen gegen den Willen Brüssels abschaffen.

Die Antworten auf die vielen Fragen bekommt man von Analysten, aber auch auf den Straßen. „Ich habe immer links gewählt, aber Marcelo ist bei weitem der beste Kandidat, er ist integer, hat immer das Wohlergehen aller im Sinn“, sagt Student Nuno (24) in einem Café in Lissabon der Deutschen Presse-Agentur. Die Umstehenden nicken und rufen, nur leicht übertreibend: „Alle sind für Marcelo.“

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