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30.06.2013

11:18 Uhr

Allein in Deutschland

NSA schnüffelt in 60 Millionen Daten täglich

Wanzen in EU-Büros, die Erfassung von bis zu 60 Millionen Telefondaten täglich allein in Deutschland: Der US-Geheimdienst NSA spioniert viel umfangreicher als bislang angenommen. Deutschland sieht er als „Angriffsziel“.

Fort Meade, Maryland, USA: Die Zentrale der National Security Agency. dpa

Fort Meade, Maryland, USA: Die Zentrale der National Security Agency.

BerlinDie Überwachung Deutschlands durch den US-amerikanischen Geheimdienst NSA ist offenbar viel umfangreicher als bislang angenommen. Geheime Dokumente der NSA, die „Der Spiegel“ einsehen konnte, offenbaren nach Angaben des Nachrichtenmagazins, dass die NSA systematisch einen Großteil der Telefon- und Internetverbindungsdaten kontrolliert und speichert. Laut einer internen Statistik des Geheimdienstes würden in der Bundesrepublik monatlich rund eine halbe Milliarde Kommunikationsverbindungen überwacht. Darunter versteht die NSA sowohl Telefonate als auch Mails, SMS oder Chat-Beiträge. Die NSA sei in Deutschland damit so aktiv wie in keinem anderen Land der Europäischen Union.

Gespeichert würden in Fort Meade, dem Hauptquartier der Organisation, die Metadaten, also wann welcher Anschluss mit welchem Anschluss verbunden war. Die Statistik, die der „Spiegel“ eingesehen hat, weist für normale Tage bis zu 20 Millionen Telefonverbindungen und um die zehn Millionen Internetdatensätze aus. An Heiligabend 2012 hätten die Amerikaner rund 13 Millionen Telefonverbindungen und halb so viele Daten von Internetverbindungen überprüft und gespeichert. An Spitzentagen wie dem 7. Januar 2013 habe der Geheimdienst bei rund 60 Millionen Telefonverbindungen spioniert. Zum Vergleich: Für Frankreich hätten die Amerikaner im selben Zeitraum täglich im Durchschnitt gut zwei Millionen Verbindungsdaten verzeichnet.

Aus einer vertraulichen Klassifizierung gehe hervor, dass die NSA die Bundesrepublik zwar als Partner, zugleich aber auch als Angriffsziel betrachte. Demnach gehöre Deutschland zu den sogenannten Partnern dritter Klasse. Ausdrücklich ausgenommen von Spionageattacken seien nur Kanada, Australien, Großbritannien und Neuseeland, die als zweite Kategorie geführt würden. „Wir können die Signale der meisten ausländischen Partner dritter Klasse angreifen - und tun dies auch“, brüste sich die NSA in einer Präsentation, die der „Spiegel“ eingesehen hat.

Nach den geheimen NSA-Unterlagen nehme Frankfurt im weltumspannenden Netz eine wichtige Rolle ein: Die Stadt sei als Basis in Deutschland aufgeführt.

Erst am Samstag war bekannt geworden, dass die NSA offenbar gezielt die Europäische Union ausspioniert. Dies gehe aus geheimen Dokumenten hervor, die der Informant Edward Snowden mitgenommen habe und die der „Spiegel“ teilweise einsehen konnte, hatte das Magazin berichtet. Ein Papier der NSA vom September 2010 beschreibe dies genau.

Demnach habe der Geheimdienst die diplomatische Vertretung der EU in Washington sowie bei den Vereinten Nationen in New York mit Wanzen versehen und das interne Computernetzwerk infiltriert. Somit hätten die Amerikaner Besprechungen abhören und Dokumente sowie Mails auf den Computern lesen können. In dem NSA-Dokument würden die Europäer ausdrücklich als „Angriffsziel“ benannt.

Kommentare (40)

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Account gelöscht!

30.06.2013, 11:44 Uhr

Ich habe Verständnis dafür, dass die USA bei einem so unsicheren Kandidaten wie der EU wissen wollen, was da abgeht.
Es gibt keinen vernünftigen Ansprechpartner, es gibt Widersprüche ohne Ende und und ein sehr großes selbstzerstörerisches Potential.

Machen wir uns nichts vor. Im Moment wird die EUdSSR installiert. Wir errichten grade eine Wirtschaftsdiktatur mit den mafiösen Strukturen ESM/EZB als Zentralkommitee
Und die wird ihre eigenen Bürger genauso überwachen wie die UdSSR.

Die USA sind nicht besser. Aber seit wann benimmt sich die eine Verbecherbande der anderen gegenüber anständig?


Der_ewige_Spekulant

30.06.2013, 11:44 Uhr

"Wie soll man noch verhandeln, wenn man Angst haben muss, dass die eigene Verhandlungsposition vorab abgehört wird?"

Hahaha. Die Marionetten in Brüssel können doch tatsächlich die Konsequenzen der Bespitzelung abschätzen!

Das habe ich denen nicht zugetraut.

Die Bespitzelung vernichtet nicht nur die Freiheit. Es schränkt offensichtlich zudem die Wirtschaftskraft ein bzw. kann ganze Wirtschaftszweige vernichten.

Die Amis haben die DDR mit allen Mitteln bekämpft, weil dort die Freiheit nicht vorhanden gewesen sei.
Und nun schaue sich jeder die USA an.

Kinder bekommen mit 3 Jahren eine eigene Waffe.
Überall Krieg, wo es Rohstoffe gibt - auch in Deutschland, denn unser wichtiger Rohstoff sind unsere Ideen.
Erstickung jeglicher Ausprägungen von Freiheit - siehe Obama Rede in Deutschland vor 6000 handverlesenen Gästen.
Aber! Obamas Besuch in Deutschland wurde von ALLEN deutschen Steuerzahlern finanziert. Obama hat sich in der DDR-Atmosphäre pudelwohl gefühlt.

test

30.06.2013, 11:53 Uhr

"Meine Feinde kenne ich - aber wer schützt mich vor meinen Freunden?"
Da erscheint doch auch die "ojektive" Arbeit der Rating-Agenturen in einem völlig (?) neuen Licht!
Wenn es um die Vorteile Amerikas geht kennen diese weder Freunde noch Verträge.

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