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09.08.2015

17:01 Uhr

Allianz gegen den IS

USA stationieren Kampfjets in der Türkei

Die Türkei erlaubt den USA schon länger, ihr Territorium für Kampfeinsätze gegen den Islamischen Staat zu nutzen. Doch bisher hatten die Staaten das nicht genutzt. Jetzt scheinen sie in die Offensive zu gehen.

Bisher hatten die USA in Incirlik nur Versorgungs- und Logistikmaschinen, um eine Infrastruktur aufzubauen. Nun stocken die Staaten auf. ap

Jetzt kommen die Kampfjets

Bisher hatten die USA in Incirlik nur Versorgungs- und Logistikmaschinen, um eine Infrastruktur aufzubauen. Nun stocken die Staaten auf.

BrüsselErstmals seit dem Beginn des von den USA angeführten Lufteinsatzes gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) haben die USA Kampfflugzeuge auf den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik entsandt. Sechs F-16-Kampfjets seien auf dem Stützpunkt stationiert worden, teilte die US-Vertretung bei der Nato am Sonntag über den Kurzbotschaftendienst Twitter mit. Von türkischer Seite wurde die Stationierung bestätigt. Die Kampfjets seien von Aviano in Italien in die Türkei verlegt worden, hieß es. Die türkische Nachrichtenagentur Dogan meldete zudem, auch 300 US-Soldaten seien auf den Stützpunkt Incirlik verlegt worden.

Die USA und die Türkei hatten im Juli ein Abkommen über die Nutzung von Incirlik durch die US-Armee geschlossen. Die USA fliegen seit dem vergangenen Sommer gemeinsam mit Verbündeten Luftangriffe auf IS-Stellungen im Irak und in Syrien. Für den Kampf am Boden setzt Washington auf die irakischen Streitkräfte, kurdische Verbände sowie die moderate Opposition gegen den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Der seit vier Jahren andauernde syrische Bürgerkrieg hatte den Aufstieg der extremistischen IS-Miliz begünstigt, die mittlerweile große Gebiete in Syrien und im Irak kontrolliert.

Glossar – der politische Islam

Einen einheitlichen Islam...

… gibt es nicht. Die Religion hat etwa 1,6 Milliarden Anhänger weltweit. Doch die regional unterschiedlichen Spielarten des Glaubens variieren stark. Die meisten Muslime leben beispielsweise nicht etwa in einem Land auf der arabischen Halbinsel, sondern in Indonesien. Dort sind mit knapp 13 Prozent aller Muslime der Welt so viele Gläubige beheimatet wie in keinem anderen Staat.

Die Verwendung...

… von Begriffen wie Islamismus, politischem Islam, Fundamentalismus, radikalem Islam und Dschihadismus erfolgt in der Debatte oft nicht trennscharf. Seit den Anschlägen vom 11. September 2001 werden sie oftmals synonym und wenig trennscharf verwendet. Meist sollen mit „Islamismus“ solche fanatischen und gewalttätigen Gruppen mit terroristischer Ausrichtung erfasst werden, die sich auf den Islam beziehen.

Islamismus...

… bzw. Islamisten stehen für für alle politischen Auffassungen und Handlungen, die im Namen des Islams die Errichtung einer allein religiös legitimierten Gesellschafts- und Staatsordnung anstreben.

Problematisch ist,...

… dass gerade späteren Strömungen die Absicht eigen ist, den Islam nicht nur zur verbindlichen Leitlinie für das individuelle, sondern auch für das gesellschaftliche Leben zu machen. Oft geht das einher mit einer Ablehnung der Trennung von Religion, was ein Spannungsverhältnis schafft zu den Prinzipien von Individualität, Menschenrechten, Pluralismus, Säkularität und Volkssouveränität.

Friedliche Islamisten...

… sehen die Gewaltanwendung zur Durchsetzung ihres Ziels – der Errichtung eines islamischen Staats - nicht als ihr vorrangiges politisches Instrument.

Als Mittel des Widerstands...

… haben sich islamistische Strömungen allerdings in vielen Staaten entwickelt. Grobe Faustregel: Je stärker sie unterdrückt wurden, desto eher neigten sie zur Radikalisierung und einer Fokussierung auf den bewaffneten Kampf. So etwa in Syrien und in Ägypten.

Terrorismus...

… ist daher eines von mehreren Mitteln und Handlungsstilen, die Islamisten benutzen. Andere Beispiele sind Parteipolitik und Sozialarbeit.

Der Dschihad...

… bedeutet wörtlich „Anstrengung, Kampf, Bemühung, Einsatz“ für Gott, nicht Gotteskrieg. Man muss unterscheiden zwischen dem „großen Dschihad“ als Kampf gegen sich selbst, also umgangssprachlich gesagt Überwindung des eigenen „inneren Schweinehundes“ und dem „kleinen Dschihad“, dem Kampf im militärischen Sinne. Die Übersetzung von Dschihadisten als „Gotteskrieger“ verzerrt den Begriff daher, weil es einen einseitigen Fokus auf den bewaffneten Kampf legt.

Die USA hatten den NATO-Verbündeten Türkei seit langem gedrängt, sich am Kampf gegen den IS zu beteiligen, worauf Ankara bislang ausweichend reagierte. Diese Haltung änderte sich nach einem tödlichen Anschlag mit 32 Toten in der Türkei, für den die türkische Regierung den IS verantwortlich machte. Die Türkei flog daraufhin einige Luftangriffe gegen den IS in Syrien. Vor allem aber gab Ankara nach langem Zögern den türkischen Stützpunkt Incirlik für US-Militäreinsätze gegen den IS frei.

Von

afp

Kommentare (2)

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Enkidu Gilgamesh

10.08.2015, 13:57 Uhr

Die Türkei folgt bisher strikt den Anforderungen des Project for a Greater Middle East. Seit seiner Regierungsübernahme 2002 bis in die Anfangsphase des Angriffs gegen Syrien behauptete der Herr Erdogan, er sei Co-Chef diese Projekts und erfülle die erteilten Aufgaben. Wegen dieser Aussagen musste er sich eine Anzeige und gerichtliche Vorladung wegen Landesverrats gefallen lassen.

Auch wenn er und der Premierminister Davutoglu nun behaupten, das Projekt sei gestorben, liege in Scherben, aussteigen können sie nicht mehr.

Die Türkei befindet sich in einer unheimlichen Koalition der geeinten Feinde, wobei die Moslimbrüder Ägyptens einkassiert und der Finanzier Qatar inzwischen zurechtgestutz wurde.

Alle gieren nach zwei Elementen: Wasser und Kohlenstoff

Eine unheimliche Koalition! Die Einheit der Feinde!
http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/08/weird-coalition-unheimliche-koalition.html

Der Krieg um Wasser & Energie wird mit #SRM in der Troposphäre & mit Öl & Gaspreisen geführt.
http://geoarchitektur.blogspot.de/2015/07/war-on-water-krieg-um-wasser.html

Enkidu Gilgamesh

10.08.2015, 17:21 Uhr

Hallo Handelsblatt, ist mein Kommentar freigeschaltet?

Ich wundere mich über die geringe Ressonanz!
Habt Ihr so wenig interessenten für Euren Artikel, der an sich Brisanz genug trägt?

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