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11.11.2014

11:23 Uhr

„Als Denkanstoß gedacht“

IWF relativiert Lagardes Schulden-Vorstoß

Mit ihrer Forderung, die zulässige Schuldengrenze für EU-Staaten anzuheben, hat IWF-Chefin Lagarde eine Welle der Empörung ausgelöst. Jetzt rudert der Währungsfonds zurück und spricht lediglich von einem Denkanstoß.

IWF-Chefin Christine Lagarde: „In der EU sollte die 60-Prozent-Grenze angepasst werden mit Blick auf die Schuldenstände, die heute tatsächlich erreicht sind.“ Reuters

IWF-Chefin Christine Lagarde: „In der EU sollte die 60-Prozent-Grenze angepasst werden mit Blick auf die Schuldenstände, die heute tatsächlich erreicht sind.“

BerlinNach heftiger Kritik hat der Internationale Währungsfonds (IWF) die Äußerungen seiner Direktorin Christine Lagarde zu den geltenden EU-Schuldenregeln relativiert. „Es war als Denkanstoß gedacht, nicht als offizieller Vorstoß des IWF, zitiert die „Frankfurter Allgemeines Zeitung“ einen IWF-Sprecher.

In einer Pressemitteilung wird der Währungsfonds noch deutlicher:  „Der IWF hat nicht empfohlen, die Maastricht-Kriterien zu ändern.“ Besonders zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei es wichtig, die Glaubwürdigkeit des bestehenden finanzpolitischen Rahmens „nicht zu untergraben“, wie auch die Direktorin schon betont hatte.

Lagarde hatte am vergangenen Freitag auf einer Konferenz von Zentralbankern in Paris während einer Diskussionsrunde gesagt, dass die Europäische Union die 60-Prozent-Grenze des Maastricht-Vertrags über die maximale Staatsverschuldung „anpassen“ solle, denn die Schuldenstände lägen deutlich darüber.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

„Diese Schwellen ... für die Schulden müssen wir revidieren“, sagte die frühere französische Finanzministerin in einer Debatte, an der auch die Fed-Chefin Janet Yellen und EZB-Direktoriumsmitglied Benoît Coeuré teilnahmen. „In der EU sollte die 60-Prozent-Grenze angepasst werden mit Blick auf die Schuldenstände, die heute tatsächlich erreicht sind“, so Lagarde. Mitte 2014 lag die Schuldenquote im Euroraum bei 92,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP).

Kommentare (8)

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Frau Ute Umlauf

11.11.2014, 12:01 Uhr

Cameron schreit ... schon muss er 1 Milliarde weniger zahlen!
Lagarde sagt "Schulden machen" ... war aber so nicht gemeint!
Die ganze EU ist nur noch eine reine Lachnummer. Sie wird fallen.

G. Nampf

11.11.2014, 12:05 Uhr

Es ist immer die gleich Vorgehensweise:

- Einer heckt einen Plan zum massiven Nachteil der Bürger aus

- Einer äußert den Plan

- es wird gewartet, ob die Bürger sich empören

- falls nein: Der Plan wird duchgeführt und zwar mit mehr Scaden für den Bürger, als ursprünglich geplant, schließlich kam ja kein Protest

- falls ja: Es wird abgewiegelt, relativiert, beschwichtigt, dementiert.
Nach einiger Zeit ( wenn sich die Empörung gelegt hat ) wird der Plan ausgeführt, diesmal mit noch mehr Schaden für die Bürger

Herr der Ringe

11.11.2014, 12:11 Uhr

>> „Es war als Denkanstoß gedacht, nicht als offizieller Vorstoß des IWF >>

So kann man "alle offiziellen Äußerungen" zu Denkanstößen deklarieren.

Wofür werden die "Offiziellen" dann bezahlt.....fürs Denken oder Handeln....?

Unfassbar, wie erfinderisch die Politganoven sind.

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