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25.07.2014

20:35 Uhr

Als der Krieg stoppte

Das legendärste Fußballmatch aller Zeiten

Noch nie hatten sich Soldaten so erbittert bekämpft und gehasst wie im Ersten Weltkrieg. Das Morden hielt nur einmal inne – an Weihnachten 1914. Die unglaubliche Geschichte einen besonderen Fußballspiels.

Fußball statt Kanonen, Stahlhelme als Torpfosten: Das bemerkenswerteste Fußballspiel aller Zeiten.

Fußball statt Kanonen, Stahlhelme als Torpfosten: Das bemerkenswerteste Fußballspiel aller Zeiten.

Berlin"Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen", wird im Lukas-Evangelium das Wunder der Geburt Jesu Christi bezeugt. Den Ruf der himmlischen Heerscharen konnten die Menschen am 24. Dezember 1914 im belgisch-französischen Grenzgebiet nicht hören. Es war das erste Weihnachtsfest im Ersten Weltkrieg.

"Alles was ich (...) gehört hatte in den Schützengräben, war das Rauschen, Krachen und Jaulen der Kugeln, Maschinengewehrfeuer und entfernte deutsche Rufe", erinnerte sich der britische Kriegsveteran Alfred Anderson, 2005 im Alter von 109 Jahren gestorben. Er hatte das "Weihnachtswunder" an der Westfront miterlebt.

Anderson war 18 Jahre alt, als am Morgen des 25. Dezember 1914 plötzlich die Waffen schwiegen. Schilder wurden hochgehalten mit den Aufschriften wie "Frohe Weihnachten" oder "Merry Christmas". Die Feinde in Uniform - vor allem Deutsche, Österreicher und Briten - kletterten aus den Schützengräben, schüttelten sich die Hände, sangen Weihnachtslieder und tauschten deutsches Bier gegen englischen Pudding. Als legendär gelten Fußballspiele auf dem Schlachtfeld - mit Helmen als Torpfosten.

Chronologie: Von Sarajevo bis zum Kriegsausbruch

In 37 Tagen bis zum Krieg

Ein regionaler Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien führte zu einem Weltkrieg, der alle Kontinente erfasste. Eine Chronologie vom Attentat in Sarajevo bis zum Kriegsbeginn ...

28. Juni 1914

Der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau werden in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo vom Gymnasiasten Gavrilo Princip im Auftrag der serbischen Geheimorganisation «Schwarze Hand» erschossen.

5. Juli

Alexander Graf Hoyos, Mitarbeiter im Außenministerium der Donaumonarchie, reist mit einem Memorandum zur Balkanpolitik und einem Schreiben von Kaiser Franz Joseph nach Berlin. Der Monarch bittet Kaiser Wilhelm II. um Unterstützung im Kriegsfall mit Serbien.

6. Juli

Wilhelm II. versichert Österreich-Ungarn offiziell mit einer «Blankovollmacht» seiner unbedingten Bündnistreue.

20. - 23. Juli

Beim Besuch des französischen Präsidenten Raymond Poincaré in Russland sichern sich beide Staaten Unterstützung im Bündnisfall zu.

23. Juli

Wien stellt ein 48-Stunden-Ultimatum an Serbien. Die gegen Österreich-Ungarn gerichteten Umtriebe sollen unter österreichischer Beteiligung bekämpft und die Schuldigen bestraft werden.

25. Juli

Serbien akzeptiert alle Forderungen, soweit sie nicht seine Souveränität einschränken. Wien hält die Antwort für unbefriedigend, bricht die diplomatischen Beziehungen ab und ordnet Teilmobilmachung an. Da Russland Hilfe zusichert, macht auch Serbien teilmobil.

28. Juli

Englische und deutsche Vermittlungsversuche scheitern. Vorgeschlagen war, eine Botschafterkonferenz einzuberufen und direkte Verhandlungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn aufzunehmen. Doch Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg.

30. Juli

Zar Nikolaus II. ordnet die Generalmobilmachung an.

1. August

Da Russland das deutsche Ultimatum, die Mobilmachung rückgängig zu machen, verstreichen lässt, erklärt Berlin Russland den Krieg. Zwei Tage später folgt die Kriegserklärung an Frankreich.

4. August

Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in Luxemburg und Belgien erklärt Großbritannien dem Reich den Krieg.

Die Waffenruhe verbreitete sich - mehr oder weniger stark - an der gut 700 Kilometer langen Frontlinie. Vorgesetzte versuchten, die Verbrüderungen zu unterbinden. In der Kriegspropaganda hatte die "Weihnachtswunder" oder "Operation Plum Pudding" genannte Aktion keinen Platz und wurde offiziell totgeschwiegen.

Aber viele Soldaten berichteten davon. Einer schrieb an die Familie: "Auf beiden Seiten herrschte eine Stimmung, dass endlich Schluss sein möge. Wir litten doch alle gleichermaßen unter Läusen, Schlamm, Kälte, Ratten und Todesangst". Als das Fest vorbei war, feuerten die Soldaten zunächst noch bewusst über die Köpfe der jeweiligen Gegner hinweg, dann ging das große Schlachten weiter - noch drei Weihnachten lang.

Festgehalten wurde das Ereignis unter anderem in dem 2003 erschienenen Buch "Der kleine Frieden im Großen Krieg" von Michael Jürgs. Das Werk "Batailles de Flandres et d'Artois 1914-1918" (Schlachten in Flandern und Artois) von Yves Buffetaut gilt als Vorlage für den Kinofilm "Merry Christmas", der 2005 in die Kinos kam. Seit 2008 erinnert in dem französischen Dorf Frelinghien ein Denkmal an das kurze «Weihnachtswunder».

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