Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.04.2013

19:59 Uhr

Amerika nach den Anschlägen

„Wir hatten die Gefahr schon verdrängt“

VonNils Rüdel

Am Tag nach den Anschlägen von Boston ist die alte Angst vor dem Terror zurück. Am Ort der Tragödie lernen die Menschen nun, wie das im Alltag aussieht. Die Stadt ist Tatort und Hochsicherheitszone zugleich.

Attentat in Boston

Amateuraufnahmen zeigen Explosion

Attentat in Boston: Amateuraufnahmen zeigen Explosion

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BostonEs ist kurz vor halb vier Uhr morgens, als es im Nachtzug von New York nach Boston plötzlich vorbei ist mit der Ruhe. „Wem gehört der schwarze Rucksack hier auf der Ablage?“, brüllt ein Bahn-Sicherheitsmann mit Overall und knackendem Funkgerät durch den abgedunkelten Wagen. Er reißt gut 50 Leute aus dem Tiefschlaf, aber das stört ihn nicht. Er brüllt so lange, bis sich der Sünder meldet. Ein junger Mann Anfang 20, der zwei Sitzreihen weitergezogen war.

Spätestens seit Montag sind öffentliche Verkehrsmittel in Boston Hochrisikozonen. Das legen zumindest die erhöhten Sicherheitsvorkehrungen nahe, die seit dem Bombenanschlag gelten. Am Rande des Marathonlaufs hatten bislang unbekannte Täter in der Menschenmenge zwei Sprengsätze gezündet. Drei Menschen starben, darunter ein Kind, mehr als 170 wurden verletzt.

Anschlag in Boston - Was Reisende jetzt wissen sollten

Hotline der Stadtverwaltung Boston für Angehörige

Die Rufnummer lautet: 001 617 635 4500

Botschaft Washington

Die amerikanischen Stellen in Boston bitten darum, öffentliche Plätze zu meiden und zu Hause zu bleiben, auf öffentliche Verlautbarungen zu achten und sich informiert zu halten. Die Botschaft Washington und das Generalkonsulat Boston stehen mit den US-Stellen in Kontakt.

Die Botschaft ist telefonisch erreichbar unter 001 202 2984000.

Internet-Homepage des Amerikanischen Roten Kreuzes

http://safeandwell.communityos.org/cms/index.php

Google Person Finder

http://google.org/personfinder/2013-boston-explosions

Einreise in die USA

Auch wenn das Auswärtige Amt derzeit von keinen verschärften Einreisebeschränkungen ausgeht, könnte mit längeren Wartezeiten bei der Einreise zu rechnen sein, da die US-Behörden seit den Anschlägen an zahlreichen großen Flughäfen in den USA verschärfte Gepäckkontrollen sowie Personenkontrollen durchführen.

Flüge nach Boston

Aktuell ist über der amerikanischen Stadt Boston eine 3,5 Meilen-Flugverbotszone eingerichtet.

Das bedeutet jedoch derzeit nicht, dass die Fluglinien die Reisenden nicht mehr nach Boston bringen. Der Flughafen Boston und mehrere Fluglinien bestätigten dies bereits. Nach wie vor fliege man Boston an und rechne hier auch aktuell mit keiner Änderung.

Quelle: fluege.de

Tipp 1 für Flugreisende

Reisende sollten nicht übereilt ein Flugticket stornieren, da die Stornokosten, die teils erheblich sein können, nicht erlassen werden, solange nicht eine Fluglinie von sich aus einen Flug storniert. Das gilt auch jetzt unter dem Eindruck der Terroranschläge von Boston.

Tipp 2 für Einreisende

USA-Reisende sollten grundsätzlich in den nächsten drei Tagen stets die Homepage des Abflughafens sowie des US-Ankunftsflughafens überprüfen, um zu kontrollieren, ob es Flugplanänderungen des geplanten US-Fluges gibt. Es ist nicht auszuschließen, dass die USA hier sehr zügig im Flugraum weitere Maßnahmen beschließen. Wer keinen Internetzugang hat, sollte direkt bei der Fluglinie anrufen, bei der das Ticket gebucht wurde. Idealerweise sollten Reisende die Fluglinien am jeweiligen Abflughafen kontaktieren.

Quelle: fluege.de

Und so ist am Dienstagmorgen an der Bostoner South Station auch nur scheinbar alles so wie an einem ganz normalen Werktag. Denn zwischen dem Meer an Pendlern stehen Polizisten in Kampfwesten und Soldaten mit Tarnanzügen und Sturmgewehren. Sie gucken streng, denn heute ist jeder ein Verdächtiger.

„Ist schon ein komisches Gefühl“, sagt ein Mittfünfziger im blauen Anzug, der es wie alle hier sehr eilig hat. „Wir hatten die Gefahr ja schon verdrängt“. Die Tragödie aber habe allen klar gemacht, dass ein Anschlag immer und überall passieren kann.

Die Angst ist zurück in Amerika. Auch wenn weiterhin nichts über die Hintergründe des Anschlags bekannt ist, so weckt er doch Erinnerungen an den 11. September 2001. Es war das letzte Mal, dass Terroristen auf amerikanischem Boden mit Bomben - in diesem Fall zu als solchen umfunktionierten Verkehrsflugzeugen - Menschen töteten.

Und so sprach auch US-Präsident Barack Obama am Dienstag erstmals von einem „terroristischen Akt“. Bei einer Ansprache im Weißen Haus nannte er die Anschläge „abscheulich und feige“ und versprach, die Täter ihrer „gerechten Strafe“ zuzuführen. Er vermied aber Kriegsrhetorik, wie sie Vorgänger George W. Bush nach dem 11. September verwendet hatte.

Unterschwellig war die Angst bei vielen ohnehin schon da. Laut einer Studie der Universität von Maryland, die vor der Katastrophe von Boston erhoben worden war und ausgerechnet am Montag veröffentlicht wurde, fürchteten mehr Menschen (15 Prozent) einen unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag als Opfer einer Gewalttat zu werden (10 Prozent).

Und 69 Prozent der Befragten stimmten der Einschätzung zu, dass „Terroristen immer einen Weg finden werden, einen größeren Anschlag auszuführen“ – egal, was die Regierung auch dagegen zu unternehmen versucht.

Boston – das Webthema: Im Netz – und mittendrin

Boston – das Webthema

Im Netz – und mittendrin

Nach den Explosionen in Boston verbreiten sich Informationen sekundenschnell im Netz.

Die amerikanischen Medien verstärken nun diese Befürchtungen. Seit Montagnachmittag laufen in den Nachrichtensendern die Bilder des Anschlags in Dauerschleife, Experten diskutieren über Details von Beinamputationen oder stellen Ferndiagnosen, ob die Machart der Bomben nun auf das Terrornetzwerk Al-Kaida oder eher auf den Typ heimischer Einzeltäter hindeuten. Nach Informationen des Nachrichtensenders CNN steckten die Bomben in Schnellkochtöpfen, die wiederum in schwarzen Rucksäcken verstaut gewesen sein sollen. Nägel und Kugeln sollen laut Ärzten in den Bomben gewesen sein.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Charly

16.04.2013, 20:19 Uhr

Die zivilen Opfer dieses Debakels sind zu bedauern.
Aber Amerika ist nicht unschuldig an dieser Entwicklung.
Ein Land das die Welt angezündet hat wundert sich jetzt, dass es bei seinen selbst herangezüchteten Feinden unbeliebt ist.
(...)
Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

stawrogin

16.04.2013, 21:48 Uhr

Respektlos. Niveaulos. Pietätlos. Wieder der bigotte dummdeutsche Antiamerikanismus. Während die Deutschen Schecks ausfüllen, um sich von jeder Verantwortung freizukaufen, machen die Amis sich die Hände schmutzig. Richtig. Zum Glück tun sie das. Manche verzeihen es den USA eben nie, dass sie Europa umd der Welt 2 x den Arsch gerettet haben. Die Deutschen saufen halt besser ihre Bionade und schimpfen über Israel, Amerika und die jüdische Weltverschwörung.

Account gelöscht!

16.04.2013, 22:20 Uhr

Quatsch. Natürlich danken wir den Amis für den Eintritt in den 2. WK. Und das meine ich ehrlich. Stellen wir uns nur mal vor Hitler hätte nachher noch den krieg gewonnen. In dieser Welt will ich nicht leben. Trotzdem: Die USA hat mehrfach Diktatoren in demokratische Länder eingesetzt. Dies hat hunderttausenden Menschen das Leben gekostet. Durch Verfolgung, Hinrichtung, Völkermord und Bürgerkrieg. Ich empfehle Ihnen den hervorragenden Kabarettisten Volker Pispers mit seiner Kritik: http://www.youtube.com/watch?v=BGlDP3XJa6E

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×