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16.01.2009

17:05 Uhr

Amerikas neuer Kurs

Obamas Angriff auf die Lehrerlobby

VonMarkus Ziener

Barack Obama und sein künftiger Bildungsminister Arne Duncan teilen nicht nur die Leidenschaft für Basketball - sie sind beide auch überzeugt davon, das Bildung das Kernstück jeder langfristigen Politik ist. Der letzte Teil der Handelsblatt-Serie "Amerikas neuer Kurs" erklärt, wie der studierte Soziologe Duncan, der selbst nie Lehrer war, die US-Schulen auf Vordermann bringen will.

Der designierte US-Bildungsminister Arne Duncan hat 2001 erfolgreich einen Reformprozess an den Schulen Chicagos eingeleitet. Foto: ap ap

Der designierte US-Bildungsminister Arne Duncan hat 2001 erfolgreich einen Reformprozess an den Schulen Chicagos eingeleitet. Foto: ap

WASHINGTON. Von den einen wird Michelle Rhee verehrt, von den anderen leidenschaftlich zum Teufel gewünscht. Denn die 39-jährige Schuldezernentin aus Washington hat sich nichts weniger vorgenommen, als das marode Bildungssystem der US-Hauptstadt vom Kopf auf die Füße zu stellen. Dafür greift sie zu radikalen Maßnahmen. Sie entlässt Direktoren und Lehrer und schließt, wenn es sein muss, auch ganze Schulen. Sie hat gute Gründe für ihr Tun: Nur 36 Prozent der Oberschüler an einer öffentlichen Schule in Washington erreichen den Standard in Mathematik, nur 39 Prozent können fehlerfrei lesen und schreiben, zwei Drittel der Schüler verlassen ihre Schule vor der Reifeprüfung.

Die Situation in Washington ist ein Spiegelbild der Lage in den USA insgesamt. Im Vergleich zu vielen anderen Industrienationen liegen die Vereinigten Staaten im Bildungssektor deutlich zurück - bei negativer Tendenz. So ist es für die heutige amerikanische Schülergeneration weniger wahrscheinlich, dass sie einen Abschluss erreichen wird, als noch für deren Eltern. Gleichzeitig reduziert sich aber durch Automatisierung jedes Jahr die Zahl der Jobs, die auch von Schulabbrechern übernommen werden können. Wer sozial nicht abrutschen will, der braucht eine gute Ausbildung. Diese Regel gilt in den USA heute mehr denn je.

Arne Duncan, der designierte Bildungsminister im Kabinett von Barack Obama, soll diese Herausforderungen lösen. Er wird dabei nicht so radikal vorgehen wie Michelle Rhee in Washington. Aber der neue Präsident erwartet von dem bisherigen Chef der öffentlichen Schulen in Chicago schon, dass sich grundsätzlich etwas ändert im US-Bildungswesen.

Dazu müsste Duncan allerdings auch den Lehrergewerkschaften auf die Füße treten. Der größte Verband, die National Education Association (NEA), ist mit 3,2 Millionen Lehrern nicht nur machtvoll. Die NEA hatte Obama auch 50 Mio. Dollar für dessen Wahlkampagne gespendet. Es wird nun darauf ankommen, ob Duncan den Kampf mit den Gewerkschaften tatsächlich aufnimmt.

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