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13.05.2014

01:02 Uhr

Amnesty International-Bericht

Foltern für die nationale Sicherheit

Laut Amnesty International foltern mehr als die Hälfte aller Nationen – obwohl viele die Anti-Folter-Konvention der Uno unterzeichnet haben. Besonders eine Rechtfertigung findet dabei immer mehr Anhänger.

Selmin Caliskan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, hält am 12.05.2014 in Berlin das Plakat zur globalen Kampagne gegen Folter. dpa

Selmin Caliskan, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, hält am 12.05.2014 in Berlin das Plakat zur globalen Kampagne gegen Folter.

BerlinDie „Taube“, wie freundlich nach Frieden und Freiheit das klingt. Doch der Name täuscht. Die „Taube“ ist eine besonders schlimme Foltermethode aus den Gefängnissen von Nordkorea: Die Hände werden dem Opfer auf den Rücken gebunden, mit Handschellen und den Handflächen nach außen. Dann wird es so an die Wand gekettet, dass es weder sitzen noch stehen kann, sondern in die Knie muss. Die Schmerzen sind schon nach kurzer Zeit kaum noch auszuhalten.

Eines der vielen Beispiele, wie auch im Jahr 2014 auf der Welt immer noch von Staats wegen misshandelt wird. Dem jüngsten Folterbericht von Amnesty International zufolge wird in mehr als der Hälfte der Nationen immer noch gefoltert – aktuell gibt es aus 141 Ländern „glaubwürdige Informationen“. Und, als ob die Sache an sich nicht schon schlimm genug wäre, lassen sich überall die Schergen der Macht für ihre Praktiken auch noch besonders harmlose Namen einfallen.

Wie die „Fledermaus“, die man aus China kennt: Das Opfer wird, wie einer der kleinen Säuger, kopfüber in die Höhe gehängt. Lange hält das niemand aus. Beim „Käfig“ wiederum ist die Zelle so eng, dass der Blutstrom in Arme und Beine abgequetscht wird und die Haut sich braun verfärbt. Fließt das Blut zurück, verursacht das höllische Schmerzen.

Bei der Polizei auf den Philippinen war sogar eine Art „Glücksrad“ in Betrieb, auf das verschiedene Folterpraktiken geschrieben waren. Mit einem Dreh entschieden dann die Folterknechte darüber, auf welche Art und Weise sie ihre Opfer quälten.

Aus all diesen Anlässen startet Amnesty an diesem Dienstag eine neue Kampagne zur Ächtung der Folter weltweit: „Stop Torture!“ („Stoppt Folter!“). Drei Jahrzehnte nach Verabschiedung der Anti-Folter-Konvention durch die Vereinten Nationen ist die Lage nicht so, dass man zufrieden sein kann. Zwar haben – wie Deutschland seit langem – inzwischen 155 Länder die Vereinbarung ratifiziert. Aber Amnesty zufolge wird auch in „mindestens 79“ dieser Staaten noch gefoltert.

Die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Salmin Çaliskan, meint: „Ein Schutz vor Folter besteht in vielen Ländern nur auf dem Papier. Viele Länder verwenden mehr Energie darauf, Folter zu vertuschen statt sie zu bekämpfen.“ In Staaten wie Nordkorea, Syrien, Mexiko oder Nigeria gehörten Misshandlungen von Häftlingen oder auch nur Verdächtigen zum System.

Zunehmend Sorge bereitet den Menschenrechtlern, dass immer mehr Regierungen versuchen, Folter mit der nationalen Sicherheit zu rechtfertigen – und in der Bevölkerung dafür auch unterstützt werden. Aus einer Umfrage, die Amnesty in 21 Ländern in Auftrag gab, geht hervor, dass zum Beispiel in China drei Viertel der Leute Folter notfalls für gerechtfertigt halten, um an „Informationen zum Schutz der Öffentlichkeit“ zu kommen.

Aber auch in einigen großen Demokratien wird diese Meinung von vielen geteilt. In den USA zum Beispiel fanden 45 Prozent der Befragten, dass Folter unter gewissen Umständen in Ordnung sei. In Deutschland waren es immerhin noch 19 Prozent. In der Bundesrepublik, so viel zum Schluss, wurde in den vergangenen Jahren übrigens kein einziger Fall von Folter bekannt.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.05.2014, 08:38 Uhr

Diese Folter wird nicht aufhören, solange die Masse der Menschen sich verhält wie Schafe...
Tagtäglich werden wir alle von der Politik gefoltert, welche uns ausnutzt und in unserer Freiheit beschneidet - immer mehr.
Aber die naiven Schäflein schlafen weiter....

Account gelöscht!

13.05.2014, 11:18 Uhr

also hatten die im 3 Reich nur wie falsche begründung..^^

ich frage mich desöfteren worin "WIR" uns noch davon unterscheiden.....

nur das wir es besser Kaschieren ---

das "WIR" steht für den angeblich aufgeklärten Westen..

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