Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.04.2015

02:01 Uhr

Amnesty-Report zu Hinrichtungen

Mit der Todesstrafe gegen den Terror

VonKevin Knitterscheidt

Comeback der Todesstrafe: Gerichte sprechen weltweit deutlich häufiger Todesurteile. Staaten wie Pakistan, die diese Bestrafung abgeschafft hatten, führen sie wieder ein. Schuld daran ist auch die Angst vor dem Terror.

Staaten reagieren damit auf die Bedrohung durch islamistischen Terror – und von Oppositionsbewegungen. Getty Images

Zahl der Todesurteile steigt

Staaten reagieren damit auf die Bedrohung durch islamistischen Terror – und von Oppositionsbewegungen.

DüsseldorfZuerst die „gute“ Nachricht: Die Zahl der von Amnesty International registrierten Hinrichtungen hat im vergangenen Jahr um rund 22 Prozent abgenommen. Laut dem Bericht zur Todesstrafe, den die Menschenrechtsorganisation jährlich herausgibt, wurden 2014 in 22 Staaten der Welt 607 Menschen mit dem Tod bestraft – insgesamt 171 weniger als im Vorjahr.

Die schlechte Nachricht aber lautet: Das ist vermutlich nur die winzige Spitze des Eisbergs. Denn die Menschenrechtler räumen in ihrem Bericht eine hohe Dunkelziffer ein. So fehlen beispielsweise Daten zu China, wo Angaben zu Hinrichtungen als Staatsgeheimnis behandelt werden. Im Bericht heißt es dazu nur: „China hat wieder mehr Hinrichtungen ausführen lassen als der Rest der Welt zusammen.“ Damit kommt das Land der Mitte auf den absoluten Extremwert.

Die amerikanische Dui-Hua-Stiftung schätzt sogar, dass 2013 rund 2400 Menschen in China hingerichtet wurden. Für 2014 gibt es noch keine neuen Daten. Der Vorsitzende der Stiftung, John Kamm, sagte der Deutschen Presse-Agentur jedoch: „Nach meinem Eindruck dürfte sich die Zahl auf dem Niveau von 2400 stabilisiert haben.“

Auch im Fall des Zweitplatzierten in dem wenig rühmlichen Ranking, dem Iran, hat Amnesty Hinweise darauf, dass deutlich mehr Menschen hingerichtet wurden als in der Statistik angegeben. So verzeichnet der Bericht für den Schiitenstaat zwar 289 Exekutionen, weist aber auch daraufhin, dass mindestens 454 weitere Personen hingerichtet wurden als von den Behörden offiziell bestätigt.

Fakten zu Todesurteilen und Hinrichtungen

Positiver Trend

Die Welt wendet sich weiterhin von der Todesstrafe ab: 2014 richteten 22 Staaten Menschen hin., 1995, vor zwei Jahrzehnten, waren es noch 41.

Madagaskar schafft Todesstrafe ab

Madagaskar verabschiedete 2014 einen Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe. 2014 wurde sie nicht angewendet.

22 Staaten

22 Staaten richteten 2014 insgesamt (China und Nordkorea ausgenommen) mindestens 607 Menschen hin.

Fünf Länder an der Spitze

Die fünf Top-Henkerstaaten sind China, der Irak, der Iran, Saudi-Arabien und die USA.

Wiederaufnahme der Todesstrafe

Sieben Staaten nahmen Hinrichtungen wieder auf: Ägypten, Äquatorialguinea, Belarus, Jordanien, Pakistan, Singapur und die Vereinigten Arabischen Emirate.

55 Länder fällen Todesurteile

55 Länder (ohne China) verhängten 2014 mindestens 2446 Todesurteile, 28 Prozent mehr als im Vorjahr.

Massentodesurteile

Ägypten und Nigeria verurteilten hunderte von Menschen zum Tode. Einige Gerichte verhängten Massentodesurteile.

Minderjährige Opfer

Der Iran richtet mindestens 14 zur Tatzeit minderjährige Straftäter hin. Ägypten, Iran und Sri Lanka verurteilten unter 18-Jährige zum Tode.

Motiv Terrorismus

Eine alarmierende Zahl von Staaten reagierte 2014 auf tatsächliche oder wahrgenommene Bedrohungen der staatlichen und öffentlichen Sicherheit mit der Todesstrafe. China, Irak, Iran und Pakistan richteten Personen wegen „Terrorismus“ hin.

Methoden der Hinrichtungen

In Saudi-Arabien wurde enthauptet; in Afghanistan, Ägypten, Bangladesch, im Irak, im Iran, in Japan, Jordanien, Malaysia, Pakistan, Palästina, Singapur und im Iran wurde gehängt; in China, den USA und in Vietnam wurde Gift injiziert; und in Äquatorialguinea, Belarus, China, im Jemen, in Nordkorea, Palästina, Saudi-Arabien, Somalia, Taiwan und in den Vereinigten Arabischen Emiraten wird außerdem erschossen.

Ähnlich sieht es bei vielen anderen Staaten aus. Denn für 13 der 22 Länder, in denen Todesstrafen ausgeführt wurden, gibt der Bericht lediglich Mindestzahlen an, für die handfeste Beweise vorliegen. Acht dieser Länder stehen dennoch in der Top Ten, wo verlässliche Zahlen lediglich für die USA auf Platz fünf und Jordanien auf Platz zehn vorliegen - mit 35 beziehungsweise elf Hingerichteten. Dabei sind die USA das einzige Land auf dem amerikanischen Kontinent, in dem 2014 überhaupt noch Todesurteile vollstreckt wurden.

Die nächste schlechte Nachricht: 2014 wurden deutlich mehr Menschen zum Tode verurteilt als im Vorjahr. Wurden 2013 noch 1925 Menschen mit der Todesstrafe belegt, waren es im vergangenen Jahr 2466 – ein Anstieg um mehr als 28 Prozent. Maßgeblich dazu beigetragen haben Staaten wie Ägypten und Nigeria, wo 2014 vier- bis fünfmal so häufig Todesurteile ausgesprochen wurden wie noch 2013.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Edmund Stoiber

01.04.2015, 08:15 Uhr

Typisch für alle Pseudo-Gutmenschen; zuerst werden Bedingungen geschaffen, die nur für ein bestimmtes Klientel und ihre Bediensteten (Sklaven) förderlich sind und dann, bei unliebsamen Widerspruch, werden die Gegner füsiliert.

Wer träumte, dass die Feudalkaste Geschichte sei soll weiterträumen. Die immerwährende Realität des "Fressen und gefressen werdens" hatte gestern, heute und wird auch morgen Bestand haben.

Es wäre aber schön, wenn die Rechtssprecher ihre Todesurteile selbst vollstrecken müssten; das wäre dann tatsächlich ein Schritt nach vorne!

Herr Horst Meiller

01.04.2015, 08:33 Uhr

Die virtuelle Todesstrafe für Klimawandelleugner, Zuwanderungsablehner und Pädophilenverachter gibts ja schon! s.pi.news

Herr Volker Spuhn

01.04.2015, 09:14 Uhr

Auch wir in Deutschland werden das Problem mit bewaffneten Drohnen lösen. Wozu Gesetze?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×