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07.02.2017

03:42 Uhr

Amnesty-Vorwürfe gegen Assad

Bis zu 13.000 Hinrichtungen in syrischem Gefängnis

Massenhinrichtungen mit Billigung der Assad-Regierung: Amnesty International wirft der syrischen Regierung Kriegsverbrechen vor. In einem Gefängnis nördlich von Damaskus sollen Tausende gehenkt worden sein.

Unter Inhaftierten soll das Gefängnis der Assad-Regierung auch als „Schlachthaus“ bekannt sein. dpa

Militärgefängnis Saidnaja auf einer undatierten Illustration

Unter Inhaftierten soll das Gefängnis der Assad-Regierung auch als „Schlachthaus“ bekannt sein.

BeirutDas Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad hat nach Angaben von Menschenrechtlern in einem Militärgefängnis bei Damaskus tausende Menschen bei Massenhinrichtungen getötet und systematisch Folter ausgeübt.

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International erklärte am Dienstag, im Saidnaja-Gefängnis nördlich der Hauptstadt seien in den Jahren 2011 bis 2015 bis zu 13.000 Menschen gehenkt worden. Die im Bericht verwendeten Daten sind zum Teil älter als zwei Jahre. Doch laut Amnesty-Mitarbeiterin Lynn Maaluf gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Praktiken in syrischen Gefängnissen seitdem geändert wurden. Tausende weitere Menschen seien vermutlich getötet worden.

Zwischen 2011 und 2015 seien dabei jeweils ein bis zweimal pro Woche Gruppen von 20 bis 50 Menschen in der Haftanstalt Saidnaja durch den Strang ums Leben gekommen, berichtete die Menschenrechtsorganisation. Die Tötungen seien durch hochrangige Regierungsvertreter, darunter auch Stellvertreter des Präsidenten Baschar al-Assad, gebilligt worden.

Das Ausmaß der Gewalttaten erfülle den Tatbestand des Kriegsverbrechens, erklärte Amnesty. Die Organisation forderte eine Untersuchung durch die Vereinten Nationen. Insbesondere Russland als Verbündeter des Regimes müsse seinen Einfluss im Uno-Sicherheitsrat geltend machen, um die extralegalen Hinrichtungen zu beenden, forderte Amnesty.

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„Die Opfer waren zum allergrößten Teil Zivilisten, von denen angenommen wurde, dass sie in Opposition zur Regierung standen“, erklärte die Menschenrechtsorganisation. Viele Menschen in dem Gefängnis seien gestorben, nachdem sie systematischer Folter oder Hunger ausgesetzt worden seien.

Dem Bericht zufolge fanden die Hinrichtungen heimlich statt. Die Opfer seien außerhalb von Damaskus beerdigt worden, ohne dass ihre Familien über das Schicksal ihrer Angehörigen informiert worden seien.

Grundlage des Berichts sind nach Angaben der Organisation Interviews mit früheren Insassen und mehr als 50 Behördenvertretern. Maaluf sagte der Nachrichtenagentur AP, den Betroffenen würde lediglich kurz vor der Hinrichtung Bescheid gegeben. Vorher gebe es lediglich jeweils ein bis zwei Minuten dauernde Scheinprozesse. Unter Inhaftierten sei das Gefängnis auch als „Schlachthaus“ bekannt.

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