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12.03.2012

05:55 Uhr

Amoklauf eines US-Soldaten

Amerikas Angst vor der Rache der Afghanen

VonNils Rüdel

Der Amoklauf eines Soldaten in Afghanistan erschüttert die USA. Präsident Barack Obama, Politiker und Militärs beeilen sich mit dem Versprechen, die Tat aufzuklären. Sie fürchten eine neue Welle der Gewalt.

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WashingtonNach dem Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan herrscht in den USA Entsetzen über die Tat. Präsident Barack Obama nannte den Vorfall am Sonntag „tragisch und schockierend“ und versprach seinem afghanischen Amtskollegen Hamid Karsai am Telefon, jeden Beteiligten „vollständig zur Verantwortung zu ziehen“, wie das Weiße Haus mitteilte. Auch Verteidigungsminister Leon Panetta und der Kommandeur der US und Nato-Truppen in Afghanistan, John Allen, sicherten Karsai Aufklärung zu. Der afghanische Präsident hatte die Tat zuvor als „absichtlich und unmenschlich“ bezeichnet.

Ein US-Feldwebel soll am frühen Sonntagmorgen in der südafghanischen Provinz Panjwayi 16 Zivilisten in ihren Häusern erschossen haben, darunter neun Kinder. Mindestens fünf weitere wurden zum Teil schwer verletzt. Einige der Leichen soll der Amokläufer angezündet haben, bevor er sich in seinem Stützpunkt der Militärpolizei stellte. Dem Täter droht nun ein Strafverfahren der US-Justiz.

Die Bluttat war am Sonntag das bestimmende Thema in den US-Medien. „Das ist sehr, sehr traurig“, sagte der demokratische Fraktionschef im Senat, Harry Reid. Der republikanische Senator John McCain bezeichnete den Vorfall als „eines der Dinge, die man nicht erklären kann, außer man zeigt den Opfern sein tiefstes Mitgefühl und sieht zu, dass Gerechtigkeit geschieht“.

Politiker und Militärs zeigten sich besorgt, dass der Amoklauf nun Racheakte und Protestaktionen nach sich zieht. In der US-Botschaft in Kabul wurde die Sicherheit erhöht, US-Bürger wurden zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen. „Das ist das Schlimmste, das passieren konnte“, sagte ein hoher Regierungsbeamter der „Washington Post“. „Es stützt die größten Ängste und Vorurteile, die die Afghanen über uns haben“. Nachrichten verbreiten sich in Afghanistan langsam und oft nur mündlich und damit oft verzerrt. 

Ein Offizier aus dem nahe des Tatorts gelegenen Kandahar fürchtet deshalb, dass bislang unbeteiligte Zivilisten nun zu den Waffen greifen könnten, „zumindest vorübergehend, in einer emotionalen Reaktion“. Bereits am Sonntag sollen mehr als 300 aufgebrachte Menschen vor dem US-Stützpunkt Camp Belambay demonstriert haben. Dabei zeigten sie nach Medienberichten einige der verbrannten Decken, die der Attentäter über seine Opfer gelegt haben soll.

Kommentare (8)

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leser

12.03.2012, 08:08 Uhr

Amerika-Bashing bringts auch nicht.
Kein Amerikaner kann an einer Eskalation der Lage dort interessiert sein.
Bei der Frage nach dem cui bono, wird wohl erst die Zukunst erweisen können wems genützt hat.
Bei den Profiteuren so einer Tat wird man wohl auch vielleicht auch etwas über den Täter erfahren, sollte da mehr im Hintergrund sein als ein Lagerkoller oder vollkommene Überforderung wegen beständigen Streß' aller Beteiligten.

Account gelöscht!

12.03.2012, 08:30 Uhr

Ein wahres Wort

pardon

12.03.2012, 08:39 Uhr

Was soll das?
Ist schon schlimm genug da.
In diese Feuer auch noch Öl zu giessen: das grenzt gerade an Brandstiftung.

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