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17.03.2012

02:18 Uhr

Amoklauf in Afghanistan

Anwalt weist US-Regierung die Schuld zu

Alkohol, Eheprobleme, Stress? Kaum werden Details über den Täter bekannt, der vor wenigen Tagen 16 Zivilisten in Afghanistan tötete, beginnt die Suche nach den Ursachen. Auch die Kriegspolitik ist dabei ein Thema.

US-Amokläufer war betrunken

Video: US-Amokläufer war betrunken

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Washington/KabulNach dem folgenschweren Amoklauf eines US-Soldaten in Afghanistan kommen immer mehr Details über den mutmaßlichen Täter ans Tageslicht. US-Medien identifizierten den Unteroffizier unter Berufung auf Militärangehörige als 38 Jahre alten Robert Bales.

Er habe sich am Freitag auf den Rückweg in die USA befunden, wo er in einem hochgesicherten Militärgefängnis in Fort Leavenworth (Bundesstaat Kansas) untergebracht werden solle. Der zweifache Familienvater sei im vergangenen Dezember nach Afghanistan geschickt worden. Einem Bericht der „New York Times“ zufolge könnten Stress, Eheprobleme und Alkohol den Amoklauf ausgelöst haben, bei dem 16 Zivilisten ums Leben kamen.

Der Unteroffizier habe in der Nacht vor dem Massaker getrunken. Zwischen dem Soldaten und seiner Frau habe es Spannungen gegeben. Zudem habe er unter Stress wegen seines inzwischen vierten Kriegseinsatzes gelitten. „Am Ende wird es eine Kombination aus Stress, Alkohol und häuslichen Problemen sein - er ist einfach ausgerastet“, wird ein Regierungsbeamter von der „New York Times“ zitiert.

Der Anwalt des Unteroffiziers, John Henry Browne, bezeichnete die Berichte über Eheprobleme seines Mandaten als „Unsinn“. Da dies bereits nicht stimme, hege er auch Zweifel, dass bei dem Amoklauf Alkohol und Stress im Spiel gewesen seien, sagte Browne der Zeitung. Allerdings sei auch klar, dass praktisch jeder auf einer abgelegenen Basis in Afghanistan unter Stress stehe.

Der Anwalt sieht die Schuld vielmehr auf Seiten der Regierung. Der Soldat sei zweimal im Irak verwundet worden, „und er war sich nicht sicher, ob er gesund genug war, um wieder eingesetzt zu werden“. Die Regierung werde den Amoklauf „einem Individuum anlasten wollen, statt vielmehr die Schuld beim Krieg selbst zu sehen“, sagte Browne.

Der zweifache Vater, der zuvor bereits drei Einsätze im Irak absolviert hatte, war Medienberichten zufolge bereits von Afghanistan aus auf eine US-Militärbasis in Kuwait gebracht worden. Die Verlegung des Soldaten in die USA sei das Ergebnis von Verhandlungen mit der kuwaitischen Seite, die den mutmaßlichen Amokschützen nicht länger im Land behalten wolle, hieß es. Das Parlament in Kabul hatte ein öffentliches Verfahren gegen den Mann in Afghanistan gefordert.

Von

dpa

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