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17.12.2012

12:43 Uhr

Amoklauf in Newtown

„Diese Tragödien müssen enden“

Auf der Trauerfeier in Newtown findet Präsident Barack Obama tröstende Worte. Er kündigt zwar keine direkten Schritte zur Verschärfung von Waffengesetzen an, doch die Diskussion ist wieder neu entfacht.

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Wir müssen unsere Kinder besser schützen

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NewtownDie Stille in der Highschool-Aula in Newtown wird immer wieder von Schluchzen durchbrochen, als US-Präsident Barack Obama am Ende seiner Rede die Namen aller Opfer des Amoklaufs vor. "Tun wir genug, um unsere Kinder zu schützen? Ich habe darüber in den vergangenen Tagen nachgedacht und wenn wir ehrlich sind mit uns selbst, ist die Antwort: nein", sagte der Präsident. Er forderte ein Ende "dieser Tragödien".

"Wir können das nicht mehr hinnehmen. Diese Tragödien müssen enden, und um sie zu beenden, müssen wir uns ändern", sagte Obama vor Angehörigen von Opfern und Einsatzkräften, denen er sein Mitgefühl aussprach und die "Liebe und Gebete" des ganzen Landes überbrachte. Er werde alles in seiner Macht stehende tun, damit sich solche Taten künftig nicht mehr wiederholen könnten. Die demokratische Senatorin Dianne Feinstein aus Kalifornien kündigte an, noch am ersten Tag der neuen Legislaturperiode ein neues Waffengesetz in den Kongress einzubringen.

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Der Präsident kündigte zwar nicht direkt Schritte zu einer Verschärfung von Waffengesetzen an. Aber er versprach: „In den kommenden Wochen werde ich meine Macht im Amt...zu Bemühungen nutzen, die darauf abzielen, weitere Tragödien wie diese zu verhindern.“

Obama räumte ein, dass „kein einziges Gesetz oder Bündel von Gesetzen Böses ausrotten kann“. Aber das sei keine Entschuldigung für Untätigkeit. „Ganz sicher können wir es besser machen als bisher.“ Es gebe keine andere Wahl.

Mehrere demokratische Politiker hatten am Wochenende schärfere Gesetze vor allem gegen Sturmgewehre gefordert. So kündigte Senatorin Dianne Feinstein an, in dieser Woche einen Gesetzentwurf einzubringen. Jeder Vorstoß, den Besitz von Waffen zu begrenzen, dürfte aber auf erbitterten Widerstand der Republikaner stoßen. Sie verweisen auf die US-Verfassung, die Bürgern den Besitz von Waffen erlaubt. Das Thema hat für die meisten Politiker keinen Vorrang, weil Waffen in den USA weit verbreitet sind und die Lobbyisten über eine große Macht verfügen. Die Bürger sind selbst nach Gewalttaten wie in Newtown in der Frage gespalten.

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US-Massaker: Tathergang klar, Motiv unklar

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Das Schulmassaker in den USA ist nach Auffassung des Bundesvorsitzenden der Grünen, Cem Özdemir, auch als Warnung für Deutschland zu verstehen. Auch hierzulande müssten Schusswaffen in Privathaushalten verboten werden, sagte Özdemir der "Berliner Zeitung" (Montagsausgabe). "Das schreckliche Massaker an kleinen Kindern in Connecticut ist trauriger Beweis dafür, wie einfach Gewalttätern das Töten gemacht wird, wenn Schusswaffen zuhause aufbewahrt werden", sagte Özdemir der Zeitung. "Auch wenn die deutsche Waffenlobby etwas anderes behauptet: Schusswaffen sind zum Töten gemacht, sie sind keine harmlosen Sportgeräte oder Spielzeuge", sagte der Grünen-Chef. "Sie haben in unseren Häusern und Wohnungen nichts zu suchen."

Nach jüngsten Ermittlungsergebnissen verübte Attentäter Lanza seine Taten hauptsächlich mit einem Sturmgewehr vom Typ Bushmaster 223. Er habe "viele, viel Schüsse, hunderte" abgefeuert, sagte Polizeisprecher Paul Vance. Dabei ging er äußerst brutal vor: Ersten Erkenntnissen der Gerichtsmediziner zufolge feuerte Lanza bis zu elf Schüsse auf einzelne Opfer ab. Allein auf die sieben Todesopfer, die er selbst untersucht habe, sei "drei bis elf Mal" geschossen worden, sagte der Gerichtsmediziner Wayne Carver sichtlich erschüttert auf einer Pressekonferenz. In 30 Jahren Berufserfahrungen habe er noch nie so etwas Schreckliches erlebt.

Umgebracht habe er sich mit einer der beiden Handfeuerwaffen, die er ebenfalls dabei gehabt habe, sagte Polizeisprecher Vance. Auch mehrere volle Magazine für alle Waffen habe Lanza mitgenommen. Im Kofferraum seines Autos sei eine vierte Waffe, ein Gewehr, gefunden worden. Das Motiv für die Tat lag weiter im Dunkeln.

An vielen Plätzen in Newtown legten die Menschen Blumen und Kuscheltiere nieder und zündeten Kerzen an. Mehrere Gedenkfeiern wurden abgehalten, unter anderem für die junge Lehrerin Victoria Soto. Laut Medienberichten versteckte die 27-Jährige ihre Schüler noch in Schränken, bevor der Täter ins Klassenzimmer kam. Er erschoss die Lehrerin, aber die Kinder entdeckte er nicht.

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Andere Lehrerinnen schilderten, wie sie die 20 schrecklichen Minuten des Amoklaufs erlebten. "Ich dachte die ganze Zeit nur: 'Wir sind die nächsten'", sagte Kaitlin Roig dem Sender ABC. Sie hatte sich mit ihren 15 Schützlingen in den Toilettenräumen der Schule versteckt, das Licht gelöscht und die Schüler angewiesen, mucksmäuschenstill zu sein.

Alle getöteten Kinder waren laut Polizei sechs oder sieben Jahre alt. Ersten Erkenntnissen vom Tatort zufolge erzwang der Täter den Zugang zur Schule. Vance sagte, Lanza sei "nicht freiwillig in die Schule hereingelassen worden".

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

17.12.2012, 07:28 Uhr

In USA werden zumeist solche Einrichtungen mit mauern und zäunen , durch Einlasskontrollen und Drehkreuzen gesichert , was will er noch machen ?
Einen Sicherheitsdienst vor jeden Raum stellen , der vielleicht auch bewaffnet ist ?
Hätte der es verhindern können , das ein Sohn seine Mutter besucht und in diesem Zusammenhang seine üble tat vollendet ?
Sicher nicht .
Das ist Populismus , nichts weiter .

Allerdings sollte man sich gerade in Deutschland die frage stellen , ob hier genug für die Sicherheit der Kinder getan wird , hier sind die Schulen teilweise frei zugänglich , auch in der Unterrichtsfreien zeit .
Eine primitive bombe mit einem alten Wecker als Zeitzünder zu verstecken , stellt keine Hürde da .
Aber in Deutschland hat man die Bedrohung noch nicht erkannt , es ist halt noch nicht viel passiert .....
Und die Deutsche Polizei geht ihrer Lieblingsbeschäftigung nach , Radler zu belehren ....

POK

17.12.2012, 08:38 Uhr

Täter begeht Straftat um sich Waffen anzueignen!
Täter ist illegal im Besitz der Waffen!
Täter begeht weitere illegale Taten!

Und nun sag mir mal einer wie das durch weitere oder "schärfere" Gesetze hätte verhindert werden können?!

Crocofrog

17.12.2012, 08:51 Uhr

In letzter Konsequenz ist das nicht zu verhindern, aber hier geht es doch um was anderes:
Täter kauft Waffen frei verkäuflich im Supermarkt!
Täter ist legal im Besitz der Waffen!
Täter begeht weitere illegale Taten!
Sehen Sie hier einen Unterschied oder keinen? Das kann man durch "schärfere" Gesetze verhindern.

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