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13.06.2016

16:50 Uhr

Amoklauf in Orlando

Omar Mateen, Massenmörder

Psychisch krank oder IS-Sympathisant? Der Amokläufer von Orlando hat lange Zeit ein unauffälliges Leben geführt. Der 29-Jährige war zweimal verheiratet, hatte einen und arbeitete als Wachmann.

Der Todesschütze soll einen großen Hass auf Homosexuelle gehabt haben. Das Foto stammt aus einem Account Mateens in Sozialen Netzwerken. AP

Omar Mateen

Der Todesschütze soll einen großen Hass auf Homosexuelle gehabt haben. Das Foto stammt aus einem Account Mateens in Sozialen Netzwerken.

OrlandoHatte Omar Mateen Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS)? Wenn ja, wie tief? War er ein Sympathisant, ein Verwirrter, psychisch krank? War sein Hass auf Homosexuelle auch politisch oder religiös motiviert, als er 49 Menschen das Leben nahm? War er gar ein „einsamer Wolf“, der sich über Internetpropaganda radikalisiert und zur Tat schreitet, ohne direkte Unterstützung einer Organisation zu haben.

Am Tag nach dem schlimmsten Terrorangriff eines Einzeltäters in den USA seit 9/11 sind all diese Fragen unbeantwortet. Fest steht nur, dass aus einem weithin unauffälligen US-Bürger ein Massenmörder wurde.

Wer war dieser Mann?

Was über das schlimmste US-Massaker bekannt ist

Opfer

Mindestens 50 Menschen sind tot. 53 wurden verletzt, die meisten von ihnen befanden sich am Sonntag noch in kritischem Zustand. Die Opferzahl dürfte laut den behandelnden Ärzten noch steigen.

Der Schütze

Der 29-jährige Omar M. ist US-Bürger, wurde in New York geboren und hat afghanische Wurzeln. Er lebte in Fort Pierce fast 200 Kilometer südlich von Orlando und arbeitete seit 2007 für den privaten Sicherheitsdienst G4S. Deshalb hatte er auch eine Schusswaffenlizenz. Zweimal, 2013 und 2014, nahm das FBI Ermittlungen gegen ihn auf, stellte sie aber wieder ein. Im ersten Fall ging es um aufhetzerische Aussagen gegenüber Arbeitskollegen, im zweiten um seine möglichen Verbindungen zu einem amerikanischen Selbstmordattentäter.

Motiv

Ermittlern zufolge rief er vor der Tat beim Polizei-Notruf an und bekannte sich zur Terrormiliz Islamischer Staat. Der Vater des Angreifers schloss einen religiösen Hintergrund aus, deutete aber an, dass sein Sohn von Schwulenhass getrieben gewesen sein könnte. M. sei vor zwei Monaten wütend geworden, als er gesehen habe, dass sich zwei Männer küssten, sagte der Vater dem Sender MSNBC.

Was ist passiert

Der Angreifer Omar M. kam am Sonntag gegen zwei Uhr früh mit einem Sturmgewehr und einer Pistole bewaffnet in den gut besuchten Schwulenclub Pulse in Orlando und eröffnete das Feuer. Wenig später lieferte er sich laut der Polizei ein Feuergefecht mit einem Sicherheitsbeamten des Clubs. Daraufhin sei der Schütze in das Gebäude zurückgegangen und habe Geiseln genommen. Eine Spezialeinheit der Polizei stürmte Stunden später den Club und tötete Omar M.

1986 wird Omar Mateen im Bundesstaat New York geboren, seine Eltern stammen aus Afghanistan. Die Familie zieht nach Florida, da ist Mateen noch ein Kind.

2006 macht Mateen einen College-Abschluss in Kriminaltechnologie. Ein Jahr später beginnt er bei G4S zu arbeiten, einem der größten Sicherheitsunternehmen. Bei G4S hießt es, man habe Mateen gründlich überprüft und durchleuchtet, keine Auffälligkeiten. Fotos bei Myspace zeigen Mateen mit einem Shirt des NYPD, des New York Police Department, die man in New York an jeder Ecke kaufen kann.

2009 heiratet Mateen, kauft eine Wohnung. Bis hierhin sieht alles stabil aus, soweit sich das von außen sagen lässt.

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Der Attentäter von Orlando hat sich allem Anschein nach selber radikalisiert. Anzeichen für ein internationales Netzwerk gibt es nicht. Trotzdem ist das Massaker Öl in das Feuer des US-Wahlkampfs.

Nur zwei Jahre später wird Mateen von seiner Frau Sitora Yusufiy geschieden. Im Fernsehen beschreibt sie den Ex-Mann als psychisch labil und krank und sehr gewalttätig. Regelmäßig habe er sie geschlagen, weil sie die Wäsche nicht gemacht habe oder warum auch immer, und sie wie eine Geisel gehalten. Seit der Scheidung habe sie keinen Kontakt mehr gehabt.

2013 wird das FBI auf den Mann aufmerksam. Mitarbeiter Mateens berichten den Ermittlern laut „New York Times“, er habe mit terroristischen Verbindungen geprahlt. Mateen wird überwacht, zwei Mal vernommen, durchgecheckt, ohne Ergebnis. Die Ermittlungen werden eingestellt.

2014 entdeckt das FBI eine dünne Verbindung zwischen Mateen und Moner Mohammad Abusalha, dem ersten amerikanischen Selbstmordattentäter in Syrien, Kämpfer der Al-Nusra-Front. Wieder enden die Ermittlungen ohne Ergebnis.

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