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14.01.2017

13:24 Uhr

Amtseinführung des US-Präsidenten

Trump knackt Rekord, hat aber ein Promi-Problem

Dass der Amtseid eines US-Präsidenten mit viel Tamtam gefeiert wird, ist seit Jahrzehnten Tradition. Donald Trump hat für seine eigene Vereidigung eine neue Rekordsumme eingesammelt. Dafür hat er aber ein ganz anderes Problem.

Donald Trump

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WashingtonEigentlich müssen bloß 35 Wörter aufgesagt werden. Dass der Amtseid eines US-Präsidenten mit viel Tamtam gefeiert wird, ist jedoch seit Jahrzehnten Tradition. Die Paraden, Empfänge und Konzerte locken oft hunderttausende Menschen nach Washington. Die Kosten gehen in die Millionen. Trotzdem dürfte das Begleichen der Rechnungen für Donald Trump kaum zum Problem werden. Denn das für seine Vereidigung zuständige Komitee hat von privaten Spendern die Rekordsumme von insgesamt mehr als 90 Millionen Dollar (85 Millionen Euro) eingesammelt.

Zum Vergleich: Barack Obama konnte 2009 mit einem Budget von 55 Millionen Dollar kalkulieren. Vier Jahre später standen ihm 43 Millionen Dollar zur Verfügung. So viel wie Trump hat in der Geschichte der USA noch nie ein designierter Präsident für seine Amtseinführung erhalten. Die Frage ist allerdings, was er daraus macht. Große Stars wurden bislang nicht angekündigt. Auch die Zahl der offiziellen Bälle wird voraussichtlich eher gering sein.

Chefplaner Tom Barrack begründete die vermeintliche Zurückhaltung in dieser Woche damit, dass Trump und sein Team eine „zirkus-ähnliche Atmosphäre“ vermeiden wollten. Stattdessen solle die Art der Ausrichtung eine „Zurück an die Arbeit“-Haltung widerspiegeln. Genauere Angaben dazu, für was das viele Geld denn ausgegeben werden könnte, wollte das Planungskomitee nicht machen.

Welche Musiker bei Trumps Amtseinführung auftreten (und welche nicht)

Abgesagt

Moby, The Chainsmokers, Andrea Bocelli, Elton John – sie alle kommen nicht. Donald Trump holte sich bei seinen Wunschmusikern für seine Amtseinführung am 20. Januar reihenweise Körbe ab. Ein paar Künstler erbarmten sich allerdings doch. Eine Übersicht.

Jackie Evancho

Die Sängerin der Wahl für die Nationalhymne: Jackie Evancho. Wer? Die heute 16-Jährige belegte 2010 den zweiten Platz in „America's Got Talent“, dem Vorbild der deutschen Castingshow „Das Supertalent“. Ursprünglich wurde sie als großes Nachwuchstalent für die Opernbühne gehandelt, dann wandte sie sich allerdings der Popmusik zu. Außerdem spielte sie in „The Company You Keep - Die Akte Grant“ (orig.: The Company You Keep ) an der Seite Robert Redfords.

The B-Street Band (Bruce Springsteen Cover Band)

Als engstirnigen Idioten und Rassisten bezeichnete Bruce Springsteen während des Wahlkampfs Donald Trump. Ob dieser den „Boss“ danach überhaupt nach einem möglichen Auftritt gefragt hat, ist unbekannt – kommen wird Springsteen, anders als zur Amtseinführung Barack Obamas, jedenfalls nicht. Für Trump tritt stattdessen eine Springsteen-Coverband auf.

The Radio City Rockettes

Die Radio City Rockettes, die Tanzgruppe der Radio City Music Hall, besteht aus 36 Tänzerinnen und gilt als eine der besten Showtanzgruppen der Welt. Eine durchaus prominente Truppe also. Dumm nur: Als feste Angestellte müssen die Tänzerinnen des Ensembles zwar auftreten, weil gebucht und vertraglich gebunden. Einige Mitglieder scheinen aber wenig begeistert von einem Auftritt für Trump zu sein. Sie sei „enttäuscht und beschämt“ erklärte beispielsweise eine Tänzerin über das soziale Netzwerk Instagram.

The Mormon Tabernacle Choir

Masse und Klasse – mit dem Mormon Tabernacle Choir bietet Donald Trump ein Schwergewicht der konservativen Sangeskunst auf. Der gemischte Chor der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage besteht aus 360 Freiwilligen, spielte mit den bedeutendsten Orchestern der Welt und hatte große Erfolge in den US-Charts. Unumstritten ist die Truppe freilich nicht, so dürfen beispielsweise offen Homosexuelle nicht Mitglied werden.

Big & Rich

Na klar: Country-Musik darf bei der Amtseinführung des vermeintlichen Präsidenten der Abgehängten nicht fehlen. Donald Trumps Wahl fiel auf das Duo Big & Rich, das in der Vergangenheit einige bescheidene Erfolge in den Country-Charts feierte. Das erfolgreichste Album der Band trägt den Titel „Hillbilly Jedi“.

Cowboy Troy

Noch einmal Country – allerdings Country-Rap. Der selbsterklärte „schwarze Konservative“ Cowboy Troy unterstütze 2008 schon Präsidentschaftskandidat John McCain (den Trump während des Wahlkampfs wie so ziemlich jede republikanische Parteigröße mehrfach beleidigte). Nun darf er bei der Amtseinführung eines republikanischen Präsidenten auftreten.

Twitter

Selbstverständlich watschte Trump alle Künstler die ihm absagten auch bereits in einem Rundumschlag auf Twitter ab – und erklärte, sie alle eigentlich sowieso nicht bei seiner Amtseinführung haben zu wollen. In der Nacht zum Donnerstag verkündete er über den Kurznachrichtendienst: „The so-called 'A' list celebrities are all wanting tixs to the inauguration, but look what they did for Hillary, NOTHING. I want the PEOPLE!“

Steve Kerrigan, der 2013 die Feiern zur zweiten Vereidigung von Obama organisierte, bezeichnete die Fundraising-Aktion des aktuellen Teams als übertrieben. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, was sie mit einer solchen Summe anstellen wollen - und warum sie überhaupt noch weiter gesammelt haben“, sagte er. „Wir haben die beiden bisher größten Vereidigungsfeiern in der Geschichte unseres Landes geplant, und wir haben nicht einmal annähernd so viel ausgegeben.“

Trump selbst stellte einen „sehr, sehr geschmackvollen Tag“ mit „gewaltigen Menschenmassen“ in Aussicht. Gemessen an seinem Vorgänger wird er es persönlich aber wohl etwas ruhiger angehen lassen. Obama zeigte sich bei seiner ersten Amtseinführung 2009 auf zehn Bällen. Trump dagegen hat nur drei Besuche geplant. Der Republikaner will auch die Dauer der Parade durch die Stadt auf 90 Minuten beschränken - die längste Parade, die zur Vereidigung von Dwight Eisenhower im Jahr 1953, dauerte mehr als viereinhalb Stunden.

Die beiden Feiern von Obama waren zudem von Auftritten zahlreicher Stars geprägt. Bei der Vereidigung von Trump werden die angesagten Promis aus Hollywood und aus dem Musik-Business dagegen wohl eher durch Abwesenheit glänzen. Als „Headliner“ für den kommenden Freitag (20. Januar) wurden der „Mormon Tabernacle“-Chor, die Tanztruppe „Radio City Rockettes“ und die 16-jährige Nachwuchssängerin Jackie Evancho angekündigt.

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