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20.01.2017

13:49 Uhr

Amtseinführung Donald Trump

Was wir nicht brauchen

VonFrank Wiebe

Amerikaner lieben es, den Europäern gute politische Ratschläge zu geben. Sie sollten es lieber lassen. Bei ihnen zu Hause gibt es genug Probleme, die gelöst werden müssen. Ein Kommentar.

„Keine Frage, es gibt einen Haufen Probleme in Europa. Aber US-Experten oder -Politiker, die ab und zu für ein paar Stunden einfliegen und Schnelldiagnosen abgeben, sind bei der Lösung dieser Probleme nicht gerade hilfreich.“ Corbis Historical/Getty Images

Ratschläge von Uncle Sam

„Keine Frage, es gibt einen Haufen Probleme in Europa. Aber US-Experten oder -Politiker, die ab und zu für ein paar Stunden einfliegen und Schnelldiagnosen abgeben, sind bei der Lösung dieser Probleme nicht gerade hilfreich.“

New York CityNun auch noch Jamie Dimon. Der Chef der US-Großbank JP Morgan vertieft sich in europäische Probleme, analysiert, gibt Ratschläge. Die Europäer hätten die Ursachen für den Brexit, den Beschluss der Briten zum Ausstieg aus der Europäischen Union, nicht genug im Blick, findet er, und nennt dabei Stichworte wie „Zuwanderung“ und „Brüssel“. Er warnt von den verschneiten Davoser Höhen herab, der Populismus werde noch zunehmen, wenn die Europäer sich diesen Problemen nicht zuwenden.

Dimons Äußerungen kommen kurz nachdem der künftige US-Präsident die Europäische Union insgesamt für eine Fehlkonstruktion erklärt hat, die angeblich nur deutschen Interessen dient. Und sie schließen sich an eine lange Tradition amerikanischer Ökonomen an. Leute wie der Nobelpreisträger Joseph Stiglitz erklären ständig, dass die Euro-Zone nicht funktionieren kann. Angelsächsisch geprägte Kommentatoren haben schon so oft den baldigen Exitus der Euro-Zone vorhergesagt, dass man es gar nicht mehr zählen kann. Den Brexit sowie die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten haben sie dagegen meist nicht vorhergesehen.

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Keine Frage, es gibt einen Haufen Probleme in Europa. Aber US-Experten oder -Politiker, die ab und zu für ein paar Stunden einfliegen und Schnelldiagnosen abgeben, sind bei der Lösung dieser Probleme nicht gerade hilfreich. Sie gießen eher noch Öl ins Feuer der politischen Diskussionen. Ihre Lösungsvorschläge, so sie überhaupt welche haben, funktionieren meist nur in der Theorie und haben mit der Praxis wenig zu tun. Wenn ihnen gar nichts mehr einfällt, machen sie Deutschland für die Probleme verantwortlich. Amerikaner neigen dazu, europäische „Wohlfahrts-Staaten“ wie Deutschland als zu dirigistisch und zu wenig kapitalistisch anzusehen, um dann der deutschen Regierung die Schuld dafür zu geben, dass ihre Bürger und Unternehmen lieber exportieren als konsumieren.

Natürlich ist manche Kritik aus den USA an Europa und insbesondere an Deutschland auch berechtigt. Aber in der Regel kann davon ausgehen, dass die Europäer selber die betreffenden Probleme auch schon erkannt haben und längst darüber diskutieren. 

Das Trump-Kabinett – Militärs, Manager und Millionäre

Außenminister: Rex Tillerson (64)

Der gelernte Bauingenieur verbrachte sein gesamtes Berufsleben beim Öl-Multi ExxonMobil. 1975 trat er beim weltgrößten Energiekonzern ein und arbeitete sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hoch. Auslandserfahrungen sammelte er bei Einsätzen im Jemen, Thailand und Russland. Auch als Konzernchef pflegte der Texaner seine engen Kontakte zu Russland, dessen Präsident Wladimir Putin ihm dafür den „Orden der Freundschaft“ verlieh. Tillerson setzt sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland ein und ist ein Gegner der von den USA bisher mitgetragenen Sanktionen des Westens wegen des Ukrainekonflikts.

Finanzminister: Steven Mnuchin (53)

Steven Mnuchin ist der erste Leiter des Ressorts mit umfangreicher Wall-Street-Erfahrung seit seinem früheren Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson unter George W. Bush. Mnuchin gründete die Filmproduktionsfirma Dune Capital, die unter anderem „Avatar“ und „Gravity“ mitfinanziert hat. Mit Trump ist er privat seit über 15 Jahren verbunden.

Verteidigungsminister: James Mattis (66)

Der frühere General der Marines leitete das Central Command, das die US-Einsätze im Nahen Osten und Südasien steuert.

Justizminister: Jeff Sessions (69)

Der Senator aus Alabama gehörte zu den ersten Unterstützern Trumps. Der ehemalige Bundesstaatsanwalt vertritt bei der Einwanderung einen harten Kurs.

Heimatschutzminister: John Kelly (66)

Kelly ist der bislang dritte Ex-General in Trumps Kabinett. Wie Mattis diente er bei den Marines. Er hat sich wie Trump für ein schärferes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Mexiko starkgemacht.

Innenminister: Ryan Zinke (55)

Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Handelsminister: Wilbur Ross (78)

Der Milliardär diente Trump als Wirtschaftsberater. Entschiedener Gegner des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta.

Verkehrsministerin: Elaine Chao (63)

Diente George W. Bush acht Jahre lang als Arbeitsministerin. Sie ist die Ehefrau des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Leiter der Umweltschutzbehörde EPA: Scott Pruitt (48)

Früher ranghöchster Staatsanwalt im Bundesstaat Oklahoma, Gegner der Klimaschutzpolitik von Präsident Barack Obama.

Chef des nationalen Wirtschaftsrates: Gary Cohn (56)

Der Investmentbanker ist Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Großbank Goldman Sachs.

Energieministerium: Rick Perry (66)

Der ehemalige Gouverneur von Texas und kurzzeitige republikanische Präsidentschaftsbewerber soll das wichtige Ressort leiten. Pikant: Während seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur 2012 hatte Perry die Auflösung des Ministeriums vorgeschlagen.

Sollten die Europäer zurückschlagen und bei Tagungen in den USA  gute Ratschläge geben, wie sich das marode Polizei- und Justizwesen der USA am besten reformieren lässt? Oder wie man mit erheblich weniger Geld als bisher eine Gesundheitsversorgung für alle Bürger auf die Beine stellen kann? Vielleicht noch garniert mit ätzender Kritik an der Obdachlosigkeit in einer Stadt wie New York, in der Dutzende von Milliardären wohnen?

Lieber nicht. Die Europäer können zur Lösung amerikanischer Probleme nicht viel beitragen.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

20.01.2017, 14:02 Uhr

Anders herum wird doch ein Schuh daraus....bis jetzt waren es die EU Medien und hier beonders die Deutschen Medien, die den USA Bürger vorschreiben wollten wie dieser zu wählen hat und das Clinton die einzig wahre Präsidentin der USA ist.
Ihr Deutschen Grün-Sozialistischen Medien solltet schon langsam mal von euren hohen bevormundenten Ross herunter kommen....nicht die USA ist unter Trump der Verlier sondern die Grün-Sozialistische Globalisierungsbewegung des Ausbeuten und der Unterdrückung die von einer EU-Deutschen Merkel Führung weiterhin angeführt wird.
England hat dies auch erkannt und hat den Brexit mit May vollzogen. England und die USA genießen ihre zurückgewonne Freiheit und Stärke und wollen diesen Globalen-Weltregierungszirkus der Eliten im alles vereinten kommunistischen Bevormundungssystem einer EU-Obama-Clinton-Demokraten und Merkel Union inkl. Grüner und Roter nicht mehr.

Herr Grutte Pier

20.01.2017, 14:02 Uhr

Europäer (Deutsche) lieben es, den Amerikanern gute politische Ratschläge zu geben. Sie sollten es lieber lassen. Bei ihnen zu Hause gibt es genug Probleme, die gelöst werden müssen.

Nicht wahr, Frau Merkel........

Herr Tom Schmidt

20.01.2017, 14:05 Uhr

Da sollte man nicht so dünnhäutig sein Herr Wiebe. Und ausserdem ist ein Blick von außen so verkehrt auch nicht, ich würde mich nicht darauf verlassen, dass die Europäer schon ihre Probleme kennen und diskutieren. Die Fehlkonstruktionen die wie haben sind doch eher ein Beispiel dafür, dass wir uns manche Gedanken nicht gemacht haben.

Und gerade wir Deutschen sind ja beim Thema Ratschläge auch nicht wirklich zurückhaltend! Aber wissen Sie was? Ich glaub, dass ist gar nicht so schlecht, besser solche Dinge werden diskutiert als totgeschwiegen! Darum: bringen Sie ruhig etwas zur Obdachlosigkeit in New York!

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