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18.03.2013

14:43 Uhr

Amtseinführung

Franziskus wird auch offiziell Papst

Am Dienstag beginnt offiziell die Amtszeit von Papst Franziskus. Zu der feierlichen Messe werden prominente Gäste aus aller Welt in Rom erwartet, neben Kanzlerin Merkel auch ein Diktator mit Einreiseverbot in die EU.

Franziskus I. bei seinem ersten Angelusgebet am Sonntag: 150.000 Gläubige hörten dem Papst auf dem Petersplatz zu. dpa

Franziskus I. bei seinem ersten Angelusgebet am Sonntag: 150.000 Gläubige hörten dem Papst auf dem Petersplatz zu.

RomSechs Tage nach seiner Wahl wird Papst Franziskus am Dienstag mit einer Messe auf dem Petersplatz feierlich in sein neues Amt eingeführt. In Rom werden mehr als 100 ausländische Delegationen mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt erwartet. Darunter sind auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und aus dem Heimatland des neuen Papstes die argentinische Staatschefin Cristina Kirchner. Rom bereitete sich auf einen riesigen Andrang von Hunderttausenden von Touristen und Pilgern zu dem kirchlichen Großereignis vor.

In einer feierlichen Zeremonie erhält das 266. Oberhaupt der katholischen Kirche die päpstlichen Insignien, den Fischerring und das Pallium, eine Art Stola. Zuvor steigt der neue Papst mit kirchlichen Würdenträgern zum Grab des Apostels Petrus unter dem Petersdom hinab und betet dort. Danach feiert er mit den Gläubigen auf dem Petersplatz eine Messe. Vor dem offiziellen Beginn der Amtseinführung soll Jorge Mario Bergoglio über den Petersplatz fahren und die Menge der Pilger begrüßen.

Stimmen zum neuen Papst

US-Präsident Barack Obama

Der neue Papst sei „ein Vorkämpfer für die Armen und die Verletzlichsten unter uns“, erklärte Obama. „Als erster Papst aus Lateinamerika belegt seine Wahl zudem die Stärke und Vitalität einer Region, die die Welt zunehmend formt.“ Es würden sich daher nicht nur Millionen Latinos in den USA über diesen „historischen Tag“ freuen.

Bundespräsident Joachim Gauck

„Mit Ihnen wird erstmals ein Lateinamerikaner Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche – ein sichtbares Zeichen ihrer weltumspannenden Dimension“, erklärte das deutsche Staatsoberhaupt. „Sie haben den Namen Franziskus gewählt, eines Heiligen, dessen Zuneigung zu den Menschen und zur Schöpfung die Gläubigen aller Konfessionen bis heute bewegt und anrührt. Franziskus ist insbesondere für seine Hinwendung zu den Armen und Schwachen Vorbild für Viele.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat Papst Franziskus I. zu seiner Wahl gratuliert. „Ich freue mich insbesondere mit den Christen in Lateinamerika, dass nun zum ersten Mal einer der Ihren an die Spitze der Katholischen Kirche berufen worden ist“, sagte Merkel in Berlin. „Weit über die katholische Christenheit hinaus erwarten viele von ihm Orientierung, nicht nur in Glaubensfragen, sondern auch, wenn es um Frieden, Gerechtigkeit, die Bewahrung der Schöpfung geht.“ Sie wünsche Papst Franziskus I. Gesundheit und Kraft für seinen Dienst am Glauben und zum Wohl der Menschen.

Benedikts Bruder Georg Ratzinger

Für den Bruder des emeritierten Papstes Benedikt XVI. kommt die Wahl des neuen katholischen Kirchenoberhauptes Jorge Mario Bergoglio (76) überraschend. „Ich bin völlig überrascht“, sagte Georg Ratzinger in Regensburg. „Ich habe keinen Eindruck von ihm.“ Der 89-Jährige bekannte, dass er Bergoglio nicht „auf meiner Liste hatte“. Er habe mit seinem Bruder nie über ihn gesprochen. „Der Name ist nie gefallen.“

Erzbischof Robert Zollitsch

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, sieht in der Wahl des neuen Papstes ein wichtiges Signal für Deutschland. „Er hat ein offenes Herz und einen klaren Blick, auch für die Situation in Deutschland“, sagte der Freiburger Erzbischof in Freiburg. „Er ist ein Mann, der die deutsche Sprache kennt. Und er kennt Deutschland aus eigener Erfahrung, weil er zeitweise hier gelebt hat.“ Zudem sei das neue Kirchenoberhaupt sehr volksnah. „Er wird ein Papst sein, der nah bei den Menschen ist.“

Theologe Magnus Striet

Die Wahl des Jesuiten Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst ist nach Expertenansicht eine Kehrtwende. „Der Jesuitenordnen steht für eine Hinwendung zur Welt und wurde in den vergangenen Jahrzehnten vom Vatikan zurückgedrängt“, sagte der katholische Theologe Prof. Magnus Striet von der Universität Freiburg. „Viele Jesuiten stehen heute für eine Hinwendung zu den Armen und für eine Lösung politischer Probleme. Ich hoffe, dass der neue Papst dem gerecht wird.“

Bischof Friedhelm Hofmann

Der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann hat die Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien zum Papst begrüßt. „Die Entscheidung verspricht etwas Neues“, sagte Hofmann. Im Bistum Würzburg läuteten unmittelbar nach dem ersten Segen des neuen Papstes zehn Minuten lang die über 3000 Glocken in den rund 1000 katholischen Gotteshäusern.

Grünen-Vorsitzende Roth und Özdemir

Die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir wünschten dem neuen Papst Kraft, Glück und Gesundheit. „Mit seinem Amt trägt der neue Papst aus Argentinien große Verantwortung für soziale Gerechtigkeit, für den Erhalt der Schöpfung und für Frieden und Dialog zwischen den Religionen, Kulturen und Staaten.“ Gleichzeitig hofften viele Katholiken auf mehr Ökumene und Reformen.

Erzbischof Werner Thissen

Hamburgs Erzbischof Werner Thissen hat die Wahl des neuen Papstes begrüßt und sie als ein gutes Signal für die Weltkirche und den Kampf gegen die Armut gewürdigt. „Die Kirche muss mit den Armen stehen, und mit diesem Papst gelingt das wunderbar“, sagte Thissen. „Er gilt als prophetisch, bescheiden und volksnah“. Es sei ein gutes Signal, dass er ein Papst der ganzen Weltkirche ist.

Ratsvorsitzender Nikolaus Schneider

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, hat den katholischen Christen zur Wahl von Kardinal Jorge Mario Bergoglio zum Papst gratuliert. Er wünschte dem neuen Papst Gottes Segen, „viel Kraft für anstehende Entscheidungen und einen weltoffenen Blick“. Bergoglio bringe als erster Papst aus Lateinamerika besondere Erfahrungen mit, die der römisch-katholischen Weltkirche neue Perspektiven eröffnen könnten.

Wirtschaftsminister Philipp Rösler

„Glückwunsch an Papst Franziskus. Ich hoffe sehr, dass die katholische Kirche die Stärke findet, um Missstände konsequent aufzubereiten“, erklärte der FDP-Chef über Twitter.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier

„Ich gratuliere den Katholiken in aller Welt und insbesondere in Südamerika zur Wahl von Franziskus I. Es ist ein gutes Signal, dass erstmals ein Papst aus Lateinamerika kommt. Dies ist auch Ausdruck einer sich verändernden Welt, die sich nicht nur wirtschaftlich und politisch neu ordnet, sondern in der sich auch die Gewichte in der katholischen Kirche verschoben haben.“

Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch

„Ich freue mich über die Wahl und auch das gute Verhältnis des neuen Heiligen Vaters zu Deutschland. Sein bescheidenes Auftreten und seine kraftvollen Predigten zeichnen ihn aus. Engagiert ist Kardinal Bergoglio die Aussöhnung zwischen allen gesellschaftlichen Gruppierungen Argentiniens nach den Verbrechen der Diktatur angegangen.“

Grünen-Politiker Volker Beck

Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, hat zurückhaltend auf die Wahl Bergoglios reagiert. „Als Kardinal hat er gegen die Ehe von Homosexuellen gewettert und sie als ,Zerstörung von Gottes Plan' beschimpft“, sagte Beck Handelsblatt Online. Es wäre daher zu wünschen, dass der neue Papst Franziskus I. zu den Grundlagen des II. Vaticanums zurückkehrt.

Bischof Gebhard Fürst

Der neue Papst Franziskus I. sollte nach Einschätzung des Rottenburger Bischofs Gebhard Fürst die Einheit der Kirche wahren und gleichzeitig die Vielfalt in ihr fördern. Das sei eine enorme Aufgabe für den neuen Papst. Er wünsche Kardinal Jorge Mario Bergoglio einen souveränen Blick auf die Lage der Weltkirche, sagte Fürst.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat die Wahl des argentinischen Kardinals Jorge Mario Bergoglio zum neuen Papst als wegweisend gewürdigt. „Das ist ein starkes Signal, dass die katholische Kirche Weltkirche ist und die südliche Halbkugel stärker in den Blick rückt“, sagte der gläubige Katholik in Berlin. „Lateinamerika ist der katholische Kontinent schlechthin.“ Er nehme an, dass in der Wahl auch ein starker sozialer Impuls liege.

Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer

Die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat dem neuen Papst Franziskus I. Kraft zur Erneuerung der Kirche gewünscht. „Gerade in einer für die katholische Kirche schwierigen Zeit kommt es darauf an, den Menschen wieder Orientierung zu geben und Mut zu machen für den Glauben. Ich hoffe, dass Papst Franziskus I. die Kraft findet, auch gegen innere Widerstände im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils die Kirche zu führen und zu erneuern“, sagte sie.

Argentinische Abgeordnete

Im argentinischen Kongress unterbrach der Vorsitzende der Abgeordnetenkammer, Julián Domínguez, die Sitzung. Er rief aus: „Es gibt einen Papst und der ist Argentinier!“. Der Oppositionsführer und Abgeordnete Ricardo Alfonsín zeigte sich „ergriffen und glücklich“ über die Wahl Bergoglios. „Als Argentinier fühle ich mich stolz, dass Kardinal Bergoglio der neue Papst ist“, sagte der Sohn des ehemaligen Präsidenten Raúl Alfonsín.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon gratulierte dem neuen Papst und allen Katholiken weltweit. „Ich freue mich auf die Fortführung der Zusammenarbeit zwischen den Vereinten Nationen und dem Vatikan unter der weisen Führung von seiner Heiligkeit, Papst Franziskus“, sagte Ban laut Mitteilung in New York. „Wir teilen gemeinsame Ziele - vom Einsatz für Frieden, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte, bis zum Kampf gegen Armut und Hunger, alles wichtige Elemente der nachhaltigen Entwicklung.“ Er sei überzeugt, sagte Ban weiter, dass der neue Papst sich wie sein Vorgänger für den Dialog zwischen den Religionen einsetzen werde.

Die prominente Gästeliste ist lang, die Sicherheitsvorkehrungen sind dementsprechend hoch. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und US-Vizepräsident Joe Biden sind unter den internationalen Gästen. Auch Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy und Frankreichs Premier Jean Marc Ayrault sollten bis zum Dienstag in der italienischen Hauptstadt eintreffen. Mit Bartholomäus I. kommt erstmals seit der großen Kirchenspaltung vor fast 1.000 Jahren auch ein orthodoxer Patriarch von Konstantinopel nach Rom. Nach der Messe nimmt Franziskus im Petersdom die Grüße der Staatschefs und Delegationen entgegen.

Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe (89), kam trotz eines Einreiseverbots der Europäischen Union wegen Verletzung der Menschenrechte und Wahlmanipulationen bereits am Sonntag nach Rom. Da der Vatikan ein eigenständiger Staat auf dem Boden der EU sei, habe in dem Fall das EU-Einreiseverbot keine Gültigkeit, sagte der EU-Botschafter in Simbabwe, Aldo Dell'Ariccia, der Nachrichtenagentur dpa.

Franziskus im Porträt: Der stille Jesuit aus Buenos Aires

Franziskus im Porträt

Der stille Jesuit aus Buenos Aires

Jorge Mario Bergoglio ist der neuer Papst – und der erste aus Lateinamerika.

Am Sonntag kamen zum ersten Angelusgebet des neuen Papstes rund 150.000 Gläubige auf den Petersplatz, für Dienstag werden noch einmal mehr Menschen in Rom erwartet. Die Eingänge zum Petersplatz werden um 6.30 Uhr geöffnet, drei Stunden bevor die eigentliche Messe beginnt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Wolfsfreund

18.03.2013, 18:15 Uhr

"Der Präsident von Simbabwe, Robert Mugabe (89), kam trotz eines Einreiseverbots der Europäischen Union wegen Verletzung der Menschenrechte und Wahlmanipulationen bereits am Sonntag nach Rom. "
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Für den Vatikan mag das nicht gelten, aber Mugabe muß italienischen Boden betreten, um dorthin zu gelangen. Ergo hätten die Handschellen klicken, alternativ die Landung der Maschine aus Simbabwe verboten werden müssen. Dieser Schlächter hat in zivilisierten Ländern nichts verloren!
http://www.spiegel.de/politik/ausland/wahlkampf-in-simbabwe-mugabe-setzt-auf-mord-a-561085.html
Unfaßlich, daß der Papst den Besuch dieses Mannes duldet. Damit hat er sich bei mir schon einen fetten Minuspunkt und Unglaubwürdigkeit eingehandelt, wobei ich denke, daß das Franziscus wenig interessiert, da ich nicht seinem Verein angehöre.

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