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14.05.2017

12:28 Uhr

Amtseinführung von Macron

„Ich will den Franzosen ihre Hoffnung wiedergeben“

VonTanja Kuchenbecker

Emmanuel Macron hat offiziell sein Amt als französischer Präsident angetreten. Und er gab Hinweise darauf, dass er nach dem großen Zauderer Hollande unnachgiebig bleiben will.

Macron übernimmt

Der neue französische Staatspräsident ist nun offiziell im Amt

Macron übernimmt: Der neue französische Staatspräsident ist nun offiziell im Amt

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ParisEine neue Ära beginnt. François Hollande ist abgetreten, Emmanuel Macron (39), der 25. französische Präsident, hat übernommen. Ein 60 Meter langer roter Teppich führte durch den Hof des Elysée zu den berühmten Treppen, auf denen immer die Staatschefs auftreten – Glamour wie beim Filmfestival von Cannes.

Brigitte Macron (64) kam allein im Elyséepalast an, in hellblauem Kostüm von Louis Vuitton mit hohen beigen Stilettos und Hochsteckfrisur, sie schien sehr nervös, lächelte zaghaft. Emmanuel Macron folgte später zu seiner neuer Heimat in der 55 rue du Faubourg Saint Honoré, in dem schon Napoleon Bonaparte residiert hat.

François Bayrou, Chef der Mitte-Partei MoDem, Laurent Fabius, Präsident des Verfassungsrates und Premierminister Bernard Cazeneuve warteten schon im großen Festsaal des Elyséepalastes. Besonders bejubelt wurde der ehemalige sozialistische Premierminister Lionel Jospin als er über den Hof zum Elysée ging. Auch die drei Kinder und Enkelkinder von Brigitte Macron waren dabei.

1500 Polizisten sorgten für die Sicherheit des neuen Präsidenten, Hubschrauber waren über Paris zu hören. Als Macron seine Wohnung in der Nähe des Invalidendoms verließ, begann es zu regnen. Kein gutes Zeichen, glaubten die französischen Medien. Denn auch als Hollande 2012 antrat, hat es geregnet. Es folgten harte Jahre mit Wirtschaftsproblemen und Terrorismus. Für Macron hellte sich der Pariser Himmel aber schnell wieder auf und die Sonne strahlte.

„En Marche“ – Eine junge Bewegung auf dem Weg zur Partei

Steiler Aufstieg

An der Spitze der „En Marche“-Bewegung wurde der Mitte-Links-Kandidat Emmanuel Macron zum Präsidenten gewählt. Er hatte die Bewegung im April 2016 ins Leben gerufen. Heute zählt sie nach eigenen Angaben mehr als 200.000 Unterstützer.

Frauenquote

Am 11. Mai präsentierte die EM-Führung eine noch unvollständige Liste mit 428 Kandidaten für die Parlamentswahlen Mitte Juni. Dem Ziel von „En Marche!“ entsprechend sind die Hälfte Frauen.

Umbenennung

Über die Hälfte aller bislang bestimmten Kandidaten waren politisch bislang nicht aktiv. Vor den Wahlen will sich die Gruppe in „La République en Marche“ umbenennen, wie der Generalsekretär Richard Ferrand Anfang der Woche ankündigte. Am 15. Juli soll es einen Gründungskongress geben.

Rechtlicher Status

„En Marche!“ nennt sich selbst inzwischen Partei. Bislang war meist von einer Bewegung die Rede. Die Gruppierung hat als Verein denselben rechtlichen Status wie andere Parteien. Mit lokalen Komitees und Referenten in den Départements verfügt sie zudem über eine ähnliche Organisationsstruktur.

Keine Mitgliedsbeiträge

Ungewöhnlich für eine Partei bleibt die Mitgliederpolitik: Unterstützer müssen keine Beiträge zahlen, eine Online-Registrierung reicht aus. Kritiker bemängeln, so werde die Anhängerzahl aufgebläht.

Neue politische Impulse

Die Partei des ehemaligen Wirtschaftsministers Macron sieht sich als weder links noch rechts und will die starre Aufteilung in zwei politische Lager aufbrechen. Ideen für das Programm sammelten Freiwillige unter anderem, indem sie Tausende Franzosen interviewten.

Zukunftsaussichten

Emmanuel Macron will Frankreich mit Arbeitsmarkreformen und einem Stellenabbau im öffentlichen Dienst wettbewerbsfähiger machen. Daneben plant er auch eine Vertiefung der Eurozone. Macron gab nach seiner Wahl zum Präsidenten den EM-Vorsitz übergangsweise an die 68-jährige Catherine Barbaroux ab, die zuvor in mehreren Ministerien gearbeitet hatte.

Hollande stand oben an der Treppe des Elyséepalastes mit ernstem Gesicht, als Emmanuel Macron im Louvre-Hof aus seinem Renault stieg. Macron lächelte und schritt langsam über den roten Teppich auf Hollande zu. Ein kurzes Händeschütteln, dann gingen beide die Treppe ins erste Stockwerk hoch, ungewöhnlich schweigsam, beide schienen ergriffen. Die beiden hatten sich offenbar noch viel zu sagen, das Treffen dauerte über eine Stunde.

Der scheidende und der neue Präsident unterhielten sich unter vier Augen über Amtsgeschäfte, außerdem wird traditionell bei diesem Übergabetreffen der geheimnisvolle „Nuklearcode“ übergeben, von dem nicht bekannt ist, in welcher Form er aufgezeichnet ist. Als beide aus dem ersten Stock wieder herunterkamen, begrüßte Hollande Brigitte Macron mit Wangenküssen.

Nach ihrem Gespräch begleitete Macron Hollande die Stufen des Palastes hinunter zu seinem Wagen, Hollande klopfte Macron aufmunternd auf die Schultern auf seinen Lippen war ein „Bon courage“ zu lesen. Einsam wirkte der Ex-Präsident ohne sein Amt. Hollande hatte vor fünf Jahren seinen Vorgänger Nicolas Sarkozy nicht bis zum Auto gebracht, es wurde ihm als Geringschätzung ausgelegt. Die Atmosphäre zwischen den beiden war eisig. Was Hollande nun nach seiner Amtszeit vorhat, ist noch ein großes Geheimnis, viele glauben, dass er ein Buch schreiben wird.

Nach dem Abschied von Hollande zeigte sich der neue Präsident mit seiner First Lady endlich zusammen auf den Treppen des Elyséepalastes, sie schien mit den Tränen der Rührung zu kämpfen. Laurent Fabius, in seiner Funktion als Präsident des Verfassungsrates, empfing ihn ihm Palast, zitierte das Wahlergebnis und ernannte ihn offiziell zum Präsidenten. Macron müsse „die Hoffnung“ des Landes verkörpern, betonte Fabius.

„Die Franzosen haben gewählt - die Hoffnung und den Esprit der Wiedereroberung“, begann Macron seine Rede und dankte ihnen. Es sei eine „Ehre“. „Die Welt und Europa brauchen ein starkes Frankreich“, betonte er. Ein Frankreich, dass die Zukunft verkörpere und nicht zweifele wie seit Jahrzehnten. „Ich will den Franzosen ihre Hoffnung wiedergeben. Das wird ein langer Weg.“ Frankreich habe alle Trümpfe für eine Renaissance in der Hand. Unternehmen sollen unterstützt werden, die Arbeitswelt befreit. Innovation und Kreation seien im Herzen seiner Aktion. Europa solle gestärkt werden. „Frankreich kann nur ein Modell für die Welt sein, wenn es exemplarisch ist.“ Die Werte der Republik und der Demokratie sollen hochgehalten werden, er wolle die Franzosen einigen.

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