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02.10.2014

16:10 Uhr

Amtsinhaberin Dilma Rousseff

Nicht die „Mutter der Nation“

Dilma Rousseff versucht derzeit alles, um als Präsidentin Brasiliens wiedergewählt zu werden. Ihr Problem: Sie ist wohl die bekannteste, aber nicht beliebteste Politikerin des Landes. Ein Porträt.

Dilma Vana Rousseff war Guerilla-Mitglied, wurde 1970 festgenommen und auch gefoltert. Reuters

Dilma Vana Rousseff war Guerilla-Mitglied, wurde 1970 festgenommen und auch gefoltert.

Rio de JaneiroDilma Rousseff ist sicher die bekannteste, aber wohl nicht die beliebteste Politikerin Brasiliens. Das bekam die Staatschefin des Öfteren bei der Fußball-WM zu spüren, als sie im Stadion ausgepfiffen wurde. Doch die 66-jährige Politikerin der gemäßigt linken Arbeiterpartei (PT) ist es seit ihrem Amtsantritt vor rund vier Jahren gelungen, aus dem Schatten ihres übermächtigen Mentors Luiz Inácio Lula da Silva rauszutreten, obwohl sie bei weitem nicht über dessen Charisma verfügt.

Die Tochter bulgarischer Einwanderer ist eine effiziente Politikerin, die ihre Gegner und mitunter auch Mitstreiter auch kühl und schneidend zurecht stutzen kann. Die Ökonomin liebt Zahlen und ist eigentlich ganz unbrasilianisch eine durch und durch sachorientierte und nüchterne Politikerin, die mit großer Begeisterung auch über die allerletzten Feinheiten energiepolitischer Fragen referieren kann.

Brasiliens Wirtschaft auf einen Blick

Wirtschaftskraft

Brasilien ist mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,24 Billionen (Angaben für 2013) US-Dollar die siebgrößte Volkswirtschaft der Welt.

Bevölkerung

203 Millionen

Export

Wichtigste Exportgüter Brasiliens sind Rohstoffe (Eisenerz, Kupfer, Öl) und landwirtschaftliche Erzeugnisse (Sojabohnen,  Kaffee, Zucker).

Import

Aus dem Ausland führt das Land vor allem Autos und Autoteile sowie Maschinen ein.

Finanzpolitik

2013 lag das Defizit im brasilianischen Staatshaushalt bei 3,3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Gesamtverschuldung liegt bei 66  Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland liegt sie bei etwa 80 Prozent.

„Dilma“, wie die Präsidentin kurz genannt wird, ist eine Pragmatikerin, die sich die Massenproteste gegen Korruption und Misswirtschaft im Jahr 2013 sehr zu Herzen nahm. Doch ihre Versuche für eine politische Reform scheiterten im Ansatz und vor allem im Parlament. Sie selbst ging zu Diktaturzeiten auf die Straße. Die Brasilianer wissen um ihren aktiven Widerstand zu Zeiten der Militärherrschaft (1964-1985).

Dilma Vana Rousseff war Guerilla-Mitglied, wurde 1970 festgenommen und auch gefoltert. Zu Studentenzeiten lehrte sie ihre Kommilitonen die Marxismus-Theorie. Die Mutter einer Tochter und Großmutter hat sich bislang zwar nicht als „Mutter der Nation“ etabliert. Doch in den Umfragen steht Rousseff im ersten Wahlgang unangefochten auf Platz eins, auch wenn es bisher danach aussieht, dass ihr wie schon 2010 eine Stichwahl nicht erspart bleibt.


Von

dpa

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