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23.10.2012

07:37 Uhr

Analyse der TV-Debatte

Obama und der Anti-Bush

VonNils Rüdel

In der letzten TV-Debatte zwischen Präsident Obama und Herausforderer Romney ging es gesitteter zu als sonst: Beim Thema Außenpolitik gaben sich beide so staatsmännisch wie möglich. Doch lange hielten sie das nicht aus.

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Obama attackiert Romney

Video: Obama attackiert Romney

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Boca RatonEiner der deutlichsten Unterschiede zwischen einem US-Präsidenten und einem, der es erst werden will, zeigte sich am Montagnachmittag auf dem Rollfeld des Flughafens von West Palm Beach, Florida. Irgendwo auf dem Vorfeld zwischen Privatjets parkte die Wahlkampf-Maschine von Mitt Romney, ein in die Jahre gekommener Mittelstreckenjet. Ein paar hundert Meter weiter dagegen, weiträumig abgesperrt, überragte die Präsidenten-Maschine den halben Flughafen: die Air Force One.

Der Kandidat ohne außenpolitische Erfahrungen gegen den Commander-in-Chief einer Supermacht: Es waren ungleiche Startbedingungen, als sich Mitt Romney und Barack Obama am Abend im Nachbarort Boca Raton zum TV-Duell über Außenpolitik trafen. Die dritte und letzte Debatte war die Chance für die Kandidaten, zwei Wochen vor der Wahl das knappe Rennen noch eimal in ihre Richtung zu lenken.

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Kommentar

Die Entscheidung wird vertagt

Kaum Dramatik, viel Konsens: In der dritten TV-Debatte haben sich Barack Obama und Mitt Romney nur in Details von einander abgegrenzt. Nach dem letzten Duell steht nur eines fest: Die Wahl ist genauso offen wie zuvor.

Und Obama versuchte sie zu nutzen, wo er konnte: Mehrmals während der 90-minütigen Debatte ließ er seinen Gegner spüren, wer sich hier in der Außenpolitik auskennt – und wer nicht. „Ich als Oberster Befehlshaber“ gehörte zu den Lieblings-Einleitungen des Präsidenten.

Als Romney etwa beklagte, die US-Navy habe heute weniger Schiffe als noch vor Jahrzehnten, lächelte Obama nur und antwortete, der Kandidat verstehe nichts von moderner Marine: Es gebe heute natürlich weniger Schiffe, „genauso wie es weniger Bajonette gibt“, sagte der Präsident. „Wir haben dafür heute diese so genannten Flugzeugträger, auf denen Flugzeuge landen“.

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Doch Romney verstand es, sich nicht zu sehr in die Rolle des Außenpolitik-Novizen drängen zu lassen. Der Geschäftsmann und Ex-Gouverneur legte einen Ritt durch die gesammelten Konfliktgebiete dieser Erde hin, von Libyen über den Nahen Osten bis zu Al-Kaida im Norden Malis.

Und immer wieder warf er Obama dasselbe vor: Der Präsident habe die USA geschwächt. „Nirgendwo in die Welt ist der Einfluss Amerikas heute größer als vor vier Jahren“, sagte Romney. Obama verteidigte seine Bilanz. Er beteuerte, das Land sei heute stärker als zu Zeiten von George W. Bush. Der Grund: „Wir haben die Beziehungen zu unseren Verbündeten repariert.“

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Es war eine über die meiste Zeit ebenbürtige Debatte, abseits von ein paar Sticheleien gaben sich die Kandidaten beim Thema Außenpolitik staatstragend. Ruhig und sachlich trugen sie ihre Ansichten vor, und ließen sich, anders als beim letzten Duell, meist gegenseitig ausreden.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

23.10.2012, 08:45 Uhr

Traurig zu sehen dass Menschen sich heute von dieser Muppetshow blenden lassen und tatsächlich glauben, sie würden zwischen etwas eine Wahl haben. Das selbe gilt für Deutschland.

Sally

23.10.2012, 08:54 Uhr

Im Script lassen sich die immer gleichen Phrasen von Romney immer wieder lesen. Er hat in vielen Bereichen nichts ausser warme Luft zu bieten. Das alte starke Amerika das er sucht, das der Cowboys wie John Wayne und R. Schwarzenegger gab es noch nie. Er ist in vielen Sachen naiv und ihm fehlt das Gespür, er wirkt hölzern und ungeschickt in dem, was er dann immer wieder sagen muß. Wenn er Obama nicht als Sündenbock rhetorisch angreifen kann, kommt nicht viel, abgesehen von einem eher ideologischen Unterschied. Er vergisst wie unbeliebt sich G.W. Bush mit seiner Guantanamo Geschichte, den Skandalen in Afghanistan und Foltermethoden gemacht hat. Das hätte er ansprechen müssen und dem was entgegensetzen müssen. Aber Romney wirkt lahm, müde und ideenlos... und immer so abhängig davon den "Guten Retter" zu spielen!

einmillionenmann

23.10.2012, 09:20 Uhr

Romney hat sich im Wahlkampt besser geschlagen, als ich erwartet habe. Ein Grund dürfte sein, dass die fanatische Seite der Republikaner, die Tea-Party, einfach mal den Mund gehalten hat.

Wenn Romney die Wahl nicht gewinnen sollte, wovon ich ausgehe, dann darf er sich bei diesen verblendeten Spinnern bedanken. Die sind einfach nur abstoßend dumm.

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