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13.04.2011

16:13 Uhr

Analyse

Wie Pleite-Staaten ihre Schulden loswerden können

VonAndrea Cünnen

Retten ist keine Lösung: Ländern wie Portugal, Irland und Griechenland Geld zu geben hilft ihnen nicht weiter. Der Schuldenberg muss abgebaut werden – und das ist auch möglich.

Eine Woche ist es her, dass sich Portugals Noch-Premier José Sócrates dazu durchgerungen hat, um internationale Kredithilfen zu bitten. Die schlechte Nachricht ist: An den Märkten genutzt hat seinem Land das bislang nichts. Anleger verlangen für portugiesische Anleihen weiterhin so hohe Zinsen wie noch nie seit der Einführung des Euros. Die gute Nachricht ist: Selbst wenn es trotz Kredithilfen zu einem Schuldenschnitt kommt, geht davon die Welt nicht unter. Denn das Risiko, dass Banken dadurch in Schwierigkeiten geraten oder dass die Krise auf die großen Länder Spanien und Italien übergreift, ist deutlich gesunken.

Es gibt viele Gründe dafür, dass die Märkte von der EU-Rettungsaktion unbeeindruckt bleiben. Zum einen ist nicht klar, ob die Hilfen pünktlich fließen. Denn es ist zweifelhaft, ob die Regierung Sócrates, die nur noch bis zu den Neuwahlen am 5. Juni amtiert, die Haushaltssanierung zusagen kann, die mit den Kredithilfen verbunden ist. Außerdem läuft das Land Gefahr, von den Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s auf Ramschstatus herabgestuft zu werden. In diesem Fall werden noch mehr Großinvestoren Anleihen verkaufen.

Dazu kommt, dass institutionelle Anleger aus der Krise gelernt haben: Die Investoren, die kurz nach den Hilfsgesuchen griechische und irische Bonds kauften, haben damit kein gutes Geschäft gemacht. Die Euphorie, die sich in steigenden Anleihekursen und sinkenden Renditen niederschlug, verflog schnell. Heute verlangen die Märkte wieder ähnlich hohe Risikoaufschläge wie vor den Hilferufen.

Die Renditen von 12,7 Prozent für zehnjährige griechische Anleihen und 8,9 beziehungsweise 8,6 Prozent für irische und portugiesische Bonds zeigen, dass Investoren allen drei Ländern, die auf Kredithilfen angewiesen sind, keinen Vertrauensvorschuss mehr geben. Sie zweifeln daran, dass die überschuldeten Länder ihre Staatsfinanzen rasch in den Griff bekommen werden. Und das zu Recht. Schließlich scheiterte die portugiesische Regierung vor dem Hilfsantrag mit dem  Sparpaket. Irland ist zwar wettbewerbsfähig, aber die Regierung braucht mehr Kapital für die Banken. Und die griechische Regierung kommt mit Strukturreformen nicht voran.

Das Vertrauen der Anleger ist aber nötig, weil Geldspritzen die Länder nicht kurieren, sondern nur für eine begrenzte Zeit vor den Märkten immunisieren. Griechenland muss schon im nächsten Jahr wieder Geld bei Investoren einsammeln, wenn das Land nicht vorher zusätzliche Hilfen aus dem europäischen Rettungsschirm (EFSF) beantragt. Der EFSF läuft indes in gut zwei Jahren aus. Danach gibt es als Nachfolger zwar den europäischen Rettungsfonds (ESM). Aber der wird den Empfängerländern noch strengere Sparvorgaben machen. Vor allem aber wird er im Zweifelsfall private Anleihebesitzer mittels Schuldenschnitt zur Kasse bitten, bevor er selber einspringt.

Kommentare (4)

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franz62

14.04.2011, 00:06 Uhr

Vorletzter Absatz: "Damit rückt eine dauerhafte Lösung der Euro-Schuldenkrise näher."
Ha, ha, ha. Der Crash kommt - so sicher wie das Amen in der Kirche. Wohl dem, der dann vorgesorgt hat.

KHD

14.04.2011, 00:24 Uhr

Weder die Verschuldung der Staaten als solche noch deren Ursache wird von der Autorin überhaupt nicht in Frage gestellt.
Bevor man schlaue Konzepte für eine Umschuldung entwickelt, sollte man erst einmal sich mit dem Thema beschäftigen, warum es überhaupt dazu kommen musste.
Die hohen Defizite aus 2008/2009, die hauptsächlich aus gewaltigen Einnahmeeinbrüchen, aber auch aus überdurchschnittlichen Ausgaben entwickelten sind in fast allen EURO Staaten (in Frankreich ist Defizit und Schuldenstand gleich hoch wie in Portugal, aber Frankreich findet NOCH Geldgeber) bis heute kaum abgebaut worden.
Es ist genau der Punkt erreicht, der die Probleme einer Währungsunion mit ungleichen Volkswirtschaften transparent macht und die bis dato mit Staats- und privaten Verschuldungen überdeckt wurden :

Die relativ seit 10 Jahren überdurchschnittlich hohen Inflationsraten der Peripheriestaaten mit den in diesen Ländern üblichen Lohn-/Preisspiralen haben die Wettbewerbsfähigkeit (gegenüber den anderen EURO Ländern mit niedriger Inflation) völlig zerstört.
Im Gegenzug hat sich genau dieser Effekt die Wettbewerbsfähigkeit der Länder in der Union mit den unterdurchschnittlichen Inflationsraten stark verbessert.
Der Effekt konvergiert dahin, dass in der Währungsunion die wettbewerbsfähigen Länder die Güter herstellen und die anderen diese Güter nur noch konsumieren, wobei die herstellenden Ländern den anderen Ländern das Geld zum Konsumieren leihen oder schenken, das kommt auf das Gleiche hinaus. Diese Geschichte kann Herr Greenspan gut erzählen.

Account gelöscht!

14.04.2011, 01:32 Uhr

Das oberste Gebot der stunde ist endlich wieder Vertrauen in die Politik zurückzugewinnen. Dies gilt für die momentane Schuldenkrise ebenso, wie für die Energiepolitik in Europa und Deutschland. Wer investiert schon gerne hohe Summen, wenn die Unsicherheiten in der Politik so hoch sind wie jetzt. Da in der nächsten Zeit erhebliche Investitionen notwendig sind , um unsere Zukunft und die unserer Kinder zu sichern, ist eine verlässliche Politik unverzichtbar.
Ich kann unserer Bundeskanzlerin und unserer Regierung insgesamt nur raten sich von dem jetzigen Aktionismus zu verabschieden und nicht weiterhin die Zukunft unsereres Volkes und ihre eigene Zukunft für kurzfristige Gewinne von Wenigen zu opfern.

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