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31.08.2015

16:33 Uhr

Analyse zu Spanien

Spaniens Wirtschaft treibt Europa an

VonSandra Louven

Die Wirtschaft brummt, das einstige Krisenland steht gut da. Und doch sind die Investoren skeptisch, denn das aktuell größere Problem ist die Politik. Auf Spanien wartet ein Superwahljahr – mit ungewissem Ausgang.

Pablo Iglesias ist Chef der linken Podemos. Vor ein paar Monaten rollte er das Feld noch von hinten auf, nun macht der Partei vor allem die Lage in Griechenland zu schaffen. ap

Pablo Iglesias

Pablo Iglesias ist Chef der linken Podemos. Vor ein paar Monaten rollte er das Feld noch von hinten auf, nun macht der Partei vor allem die Lage in Griechenland zu schaffen.

MadridSpaniens Wirtschaft wird dieses Jahr zum Motor für Europa: Mit einem erwarteten Plus von 3,1 Prozent bei der Wirtschaftsleistung setzt sich das einstige Krisenland an die Spitze des Wachstums in Europa. Doch Investoren sorgen sich dennoch – in Spanien ist 2015 Superwahljahr: Ende September wählen die Katalanen – offiziell zwar nur ihr Regionalparlament.

Regierungschef Artur Mas hat den Urnengang aber zu einer Volksabstimmung über die Abspaltung der Region von Spanien erklärt. Bei einem Wahlsieg will er innerhalb von 18 Monaten einen eigenen Staat gründen. Die Mehrheit scheint für in ihn Reichweite – in Umfragen erhält er derzeit knapp die Hälfte der Stimmen.

Jugendarbeitslosigkeit in Krisenländern Europas

Frankreich

Die Perspektivlosigkeit von jungen Menschen ohne Job gilt in Frankreich als eine der größten Gefahren für den sozialen Zusammenhalt. Die Arbeitslosenquote der unter 25-Jährigen lag zuletzt (Juni) bei 22,4 Prozent. Die Regierung von Präsident François Hollande finanziert mit Milliardenbeträgen Eingliederungsprogramme sowie sogenannte „Zukunftsarbeitsplätze“ für gering qualifizierte Jugendliche. Zudem wurde das System sogenannter „Generationenverträge“ geschaffen. Es bietet kleinen Unternehmen finanzielle Anreize, die sich gleichzeitig für den Nachwuchs und für alte Arbeitnehmer einsetzen.

Griechenland

Nach Angaben vom Mai sind in Griechenland 53,1 Prozent der unter 25-Jährigen ohne Job. Im Vorjahr waren es 59,6 Prozent. Die leichte Verbesserung liegt nach Angaben der Gewerkschaft des privaten Bereichs am boomenden Tourismus. In Griechenland sollen nach den Worten von Regierungschef Antonis Samaras in den kommenden Monaten 145.000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Sie sollen mit Hilfe von EU-Mitteln und dem für 2014 erwarteten zaghaften Wirtschaftswachstum entstehen. In den nächsten Monaten sollen 600 Millionen Euro EU-Subventionen für neue Jobs – vornehmlich Ausbildungsplätze – nach Griechenland fließen.

Italien

43,7 Prozent der jungen Italiener sind arbeitslos, Schüler und Studierende nicht eingerechnet. Das nationale Statistikamt Italiens (Istat) sieht die Jugendlichen als „am stärksten von der Krise betroffen“. Der sozialdemokratische Regierungschef Matteo Renzi bemüht sich – bisher erfolglos – um eine Entspannung der Lage. Zeitarbeitsverträge sollen leichter verlängert, der Kündigungsschutz in den ersten drei Jahren ausgesetzt werden. So – und mit Steuererleichterungen – möchte er die Arbeitgeber entlasten. Durch EU-Gelder, 1,5 Milliarden in den kommenden zwei Jahren, erhofft sich Renzi eine bessere Grundlage zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit.

Spanien

Die Arbeitslosenquote beträgt in Spanien bei den unter 25-Jährigen 53,5 Prozent. Schon seit Jahren bezeichnen spanische Politiker aller Parteien die hohe Jugendarbeitslosigkeit als eines der größten Probleme. Dennoch geschah relativ wenig, um das Problem zu lösen. Die Regierung beschloss im Juli Hilfen für Unternehmer, die junge Leute einstellen. Politiker aus Deutschland warben in Spanien für eine Übernahme des deutschen Systems der dualen Berufsausbildung. Die Traditionen des spanischen Bildungssystem verhinderten jedoch, dass diese Idee sich in größerem Umfang durchsetzen konnte.

Im Dezember dann sind Parlamentswahlen – das genaue Datum steht noch nicht fest. Bis dahin muss Rajoy bei seinen Landsleuten noch viel Vertrauen zurückgewinnen, sonst sind seine Tage gezählt.

Zumindest dann, wenn man den Urnengang vom Mai dieses Jahres als Basis nimmt. Da haben die Spanier seine Regierungspartei PP heftig abgestraft. In den Wahlen für die meisten Regionen und Kommunen liefen sie in Scharen zu den zwei neuen Protestparteien über und verpassten dem Land einen Linksruck.

Im Rathaus von Barcelona regiert nun ein von der ultralinken Partei Podemos unterstützte Bürgermeisterin, die aus der Hausbesetzerszene stammt. In Madrid hat ebenfalls ein Bündnis um Podemos die Stadtherrin gestellt und in den meisten Regionalparlamenten haben sich Koalitionen gebildet, die von Podemos oder der anderen neuen Partei, den eher liberalen Ciudadanos mitgetragen werden.

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Vor einigen Jahren war Spanien „der kranke Mann Europas“. Mit durchdachten Reformen hat sich das Land vom Sorgenkind des Kontinents zu einem der Wachstumsmotoren entwickelt. Und es gibt weitere Gründe für Optimismus.

Für Spanien markiert das einen historischen Wandel: Seit Ende der Franco-Diktatur haben die beiden Großparteien, Rajoys PP und die sozialistische PSOE, stets regiert – mal die einen, mal die anderen. Doch sieben Jahre Krise und eine Serie von Korruptionsskandalen in beiden Parteien haben den Zorn der Spanier hochkochen und zwei neue Protest-Parteien entstehen lassen.

Die Wirtschaft ist beunruhigt. In einer Umfrage der Unternehmensberatung Deloitte unter den größten spanischen Konzernen geben die Manager an, dass die neue politische Landschaft sowie die anstehenden Wahlen in Katalonien die Wirtschaft negativ beeinflussen. 84 Prozent sagen, die Korruptionsskandale beeinträchtigten die Glaubwürdigkeit spanischer Unternehmen.

Kommentare (9)

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Herr Werner Wilhelm

31.08.2015, 16:54 Uhr

Wenn eine Volkswirtschaft Wirtschaftswachstum verzeichnet, dann sollte man sich als Erstes fragen wer sich dafür verschuldet hat. Ohne Erhöhung der Nettokreditaufnahme geht da nichts.

Verschulden (oder Entsparen) können sich die privaten Haushalte, die Unternehmen, der Staat oder das Ausland (via Leistungsbilanzüberschüsse).

Wie dieser Mix sich für Spanien darstellt kann man im Moment mangels Daten nicht sagen. Erwartet wird aber, dass die Staatsverschuldung auf 100 % zum BIP steigt.

Herr Peter Spiegel

31.08.2015, 17:02 Uhr

Herr Werner Wilhelm@
Genau, vor den Wahlen Wachstum mit Schulden kaufen, seit Helmut Schmidt dem
Weltökonomen bekannt.

Herr San Yukon

31.08.2015, 17:39 Uhr

Spaniens Wirtschaft treibt Europa an.
Diese Überschrift ist lächerlich. Wo uns was soll diese Wirtschaft den antreiben?

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