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10.11.2015

14:51 Uhr

André Glucksmann

Vom Maoisten zum Verteidiger der Menschen

Kommunist, Maoist und Gegner von totalitären Staaten: André Glucksmann gehört zu den wichtigsten und umstrittensten Intellektuellen Frankreichs. Regelmäßig schockierte er die öffentliche Moral. Nun ist er gestorben.

Der Philosoph stammt aus einer jüdischen Familie osteuropäischen Ursprungs. Geboren wurde er am 19. Juni 1937 bei Paris, kurz nach der Flucht seiner Eltern aus Deutschland. dpa

Andre Glucksmann 1998

Der Philosoph stammt aus einer jüdischen Familie osteuropäischen Ursprungs. Geboren wurde er am 19. Juni 1937 bei Paris, kurz nach der Flucht seiner Eltern aus Deutschland.

ParisAndré Glucksmann hat sich für den Kommunismus eingesetzt und ihn später als barbarisch angeprangert. Als linker Intellektueller unterstützte er 2007 im Präsidentschaftswahlkampf den konservativen Politiker Nicolas Sarkozy.

Er sei kein bedingungsloser Linker, erklärte er sein Engagement, das er später jedoch bereute. Glucksmann, der in der Nacht zu Dienstag im Alter von 78 Jahren gestorben ist, gehörte zu Frankreichs bedeutendsten, aber auch umstrittensten Intellektuellen der Gegenwart.

Im Mai 1968 demonstrierte er gegen den autoritären Geist der konservativen Gesellschaft und ging neben Jean-Paul Sartre auf die Straße. Wie er, war auch Sartre ein überzeugter Kommunist. Mitte der 70er Jahre vollzog er jedoch eine Kehrtwende und schloss sich den „Neuen Philosophen“ an, die eine radikale Abkehr vom Kommunismus forderten.

Auslöser seines Gesinnungswandels seien der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn und sein Buch „Archipel Gulag“ gewesen, das ihm die Augen geöffnet habe, wie er damals gestand. In seinem 1976 erschienenen Buch „Köchin und Menschenfresser“ rechnet er mit stalinistischen und marxistischen Systemen ab.

Riskantes Comeback: Sarkozys Affären

Bestechungsvorwürfe

Seit Juli läuft gegen Sarkozy ein formelles Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Korruption und der unerlaubten Einflussnahme. Der Ex-Präsident und sein Anwalt sollen versucht haben, sich von einem hohen Staatsanwalt illegal Informationen über ein laufendes Verfahren zu besorgen. Im Gegenzug soll Sarkozy dem Staatsanwalt zugesagt haben, ihm einen Posten in Monaco zu besorgen. Die Affäre kam durch abgehörte Telefongespräche von Sarkozy ans Licht; er bestreitet die Vorwürfe.

Gaddafi-Gelder

Die französische Justiz geht dem Verdacht nach, dass Sarkozys Präsidentschaftswahlkampf 2007 von Libyens damaligem Machthaber Muammar al-Gaddafi mitfinanziert wurde. Die Rede ist von mindestens 50 Millionen Euro. Noch als Präsident nannte Sarkozy den Verdacht „grotesk“. Die mit dem Fall befassten Untersuchungsrichter ließen aber Sarkozys Telefone anzapfen - und stießen dabei zufällig auf den Bestechungsfall.

Bettencourt-Affäre

Die Informationen, die Sarkozy offenbar von dem Staatsanwalt bekommen wollte, betrafen ein Verfahren am Kassationsgerichtshof zur Beschlagnahmung seiner Terminkalender in der Bettencourt-Affäre. Dem Ex-Präsidenten war in der Affäre vorgeworfen worden, die Schwäche der greisen und demenzkranken L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt ausgenutzt zu haben, um an Geld für seinen Wahlkampf 2007 zu kommen. Ein Verfahren dazu wurde aus Mangel an Beweisen eingestellt. Seine Terminkalender erhielt Sarkozy dennoch nicht zurück.

Tapie-Affäre

Diese Terminkalender könnten dem Ex-Staatschef in der sogenannten Tapie-Affäre noch gefährlich werden. Der Unternehmer Bernard Tapie hatte nach einem Schiedsverfahren 2008 insgesamt 403 Millionen Euro staatliche Schadenersatz-Zahlung zugesprochen bekommen. Das umstrittene Schiedsverfahren hatte Sarkozys damalige Finanzministerin und heutige IWF-Chefin Christine Lagarde angeordnet.

Gegen Lagarde wurde Ende August ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Die Justiz prüft aber auch die Rolle des Elysée-Palasts in dem Fall. Es besteht der Verdacht, dass Tapie eine Vorzugsbehandlung erhielt, weil er Sarkozy im Präsidentschaftswahlkampf 2007 unterstützte.

Bygmalion-Affäre

Über diese Affäre stürzte Ende Mai Sarkozys Nachfolger als Chef der konservativen Partei UMP, Jean-François Copé. Sarkozy soll sein per Gesetz vorgegebenes Wahlkampfbudget für eine Wiederwahl 2012 um mindestens elf Millionen Euro überzogen haben. Verschleiert wurde dies offenbar, indem die UMP Rechnungen der PR-Firma Bygmalion beglich, die eigentlich aus Sarkozys Wahlkampfkasse hätten bestritten werden müssen. In dem Fall laufen richterliche Voruntersuchungen.

Karachi-Affäre

In dem Fall geht es um Geld, das für ein U-Boot-Geschäft nach Pakistan und dann teils wieder zurück nach Frankreich geflossen sein soll, um den Präsidentschaftswahlkampf 1995 des damaligen Premierministers Edouard Balladur mitzufinanzieren. Sarkozy, zu der Zeit Haushaltsminister und Wahlkampfsprecher von Balladur, wird in der Affäre bisher nicht direkt beschuldigt. Zeugen geben aber an, er habe die Gründung einer Firma in Luxemburg gebilligt, über die die Gelder geflossen sein sollen.

Umfragen-Affäre

Die Justiz ermittelt zu dem Vorwurf, der Elysée-Palast habe unter Sarkozy in den Jahren 2007 bis 2012 ohne ordnungsgemäße öffentliche Ausschreibung eine Reihe von Umfragen in Auftrag gegeben. Profitiert haben soll davon insbesondere sein einstiger Berater Patrick Buisson vom äußersten rechten Lager.

Columbia-Affäre

Die Justiz interessiert sich seit kurzem für drei Privatjet-Flüge, die Sarkozy nach seiner Abwahl Ende 2012 und Anfang 2013 tätigte, darunter nach Katar. Der Ex-Staatschef soll seine Kontakte genutzt haben, um zusammen mit Freunden den Investmentfonds Columbia auf die Beine zu stellen. Das Projekt wurde später aufgegeben. Der Fall, der eher Sarkozys politische Glaubwürdigkeit und weniger strafrechtliche Fragen betrifft, war bei Nachforschungen zu einem Kokain-Schmuggel aufgeflogen.

Quelle: afp

Von nun an bekämpfte Glucksmann in seinen Streitschriften jegliche Form von Totalitarismus. In „Die Meisterdenker“ rechnete er mit den deutschen Philosophen Fichte, Hegel und Nietzsche ab. Ihnen warf er vor, mit ihren romantisch-mythischen Überhöhungen der totalen und endgültigen Revolution zur Gründung eines totalitären Staates beigetragen zu haben.

„Um sich empören zu können, muss man sich gegen sich selbst empören“, erklärte Glucksmann. Eine Grundhaltung, mit der der Philosoph, mit den längeren grauen Haaren, regelmäßig für Aufsehen sorgte. Im Jahr 1999 befürwortete er die Intervention der Nato gegen Slobodan Milosevic in Jugoslawien und 2003 unterstützte er den Krieg der USA im Irak. Nach den Attentaten vom 11. September 2001 forderte er einen Krieg gegen die internationalen Mörder.

Glucksmann hat sich in seinem Kampf gegen Despoten und totalitäre Regime auch dem Glauben an Humanität und Brüderlichkeit verschrieben. „Wie wir helfen können? Indem wir beginnen, laut und unmissverständlich Klartext zu reden, indem wir falsche Ausflüchte und Vorwände in entscheidenden Kernfragen aufdecken.“

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