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08.09.2011

13:12 Uhr

Andreas Schmitz

„Der Euro wird nicht an Griechenland scheitern“

VonNicole Bastian, Peter Köhler, Robert Landgraf

Für Bankenpräsident Andreas Schmitz ist ein Ausstieg Deutschland aus dem Euro undenkbar. Die Rückkehr zur D-Mark wäre ein "Selbstmord aus Angst vor dem Tod", sagt der Top-Banker im Interview mit dem Handelsblatt.

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB). dpa

Andreas Schmitz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Banken (BdB).

Handelsblatt: Was ist die politische Herausforderung der Zukunft?

Andreas Schmitz: Eine entscheidende Herausforderung ist, wie sich die westlichen Demokratien wirtschaftspolitisch im Vergleich zum Staatskapitalismus mit seinen kurzen Entscheidungswegen aufstellen. Trotz aller politischer Probleme: Bis jetzt ist etwa China mit seinen hohen Wachstumsraten und dem steigenden Wohlstand ein wirtschaftliches Erfolgsmodell.

Übertragen auf Deutschland. Sollten wird die Bankenbranche angesichts der vielfältigen Probleme, die aus der Finanz- und Schuldenkrise herrühren, verstaatlichen?

Das wäre keine Form von Staatskapitalismus. Das wäre ein massiver Eingriff in die Wirtschaft. Eine an die Demokratie angelehnte Mischform wäre der französische Dirigismus. Die Franzosen greifen viel mehr in ihre Wirtschaft ein als wir Deutsche. Deswegen verstehen sie auch nicht das Geheimnis des deutschen Aufschwungs, den vor allem die starken Unternehmen tragen, die Regierung schafft dafür den Rahmen. In Frankreich versucht die Regierung hingegen selbst unternehmerisch zu handeln. Bei uns kann es daher jetzt nicht um eine Verstaatlichung der Banken gehen. Mir geht es in diesem Punkt um die Schnelligkeit von Entscheidungsprozessen. Man könnte höchstens vom Staatskapitalismus lernen, wie setze ich politische Entscheidungen sofort in voller Breite in der Gesellschaft um. Allerdings brauchen wir natürlich die demokratische Legitimation.

Haben wir in 20 bis 30 Jahren überhaupt noch den Euro?

Ja, schon. Aber da der Euro gerade einmal zehn Jahre existiert, ist es schwer, über einen so langen Zeitraum nach vorne zu blicken. Anders herum formuliert: Wir werden ihn nicht mehr haben, wenn es zu einer Transferunion in Europa kommt, in der die Verträge auf dem Papier geändert wurden, in der Realität aber alles beim Alten bleibt. Dann wird der Euro sterben.

Geht es genauer?

Die Politik muss sich zwischen zwei Varianten entscheiden. Einmal wäre das die klassische Form der Transferunion, wie wir sie in Deutschland durch den Länderfinanzausgleich letztlich auch kennen. Die andere Variante wäre eine Währungsunion Kerneuropas oder gar die Rückkehr zur D-Mark.

…Rückkehr zur D-Mark?

Das wäre für mich Selbstmord aus Angst vor dem Tod, angesichts der Aufwertung die zu erwarten wäre. Das würde das Exportland Deutschland empfindlichst treffen. Unsere Waren würden wegen der nötigen Preiserhöhungen unattraktiv.

Können Sie sich vorstellen, dass nur Deutschland aus der Währungsunion aussteigt?

Nein. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass die Währungsunion – wenn sie denn scheitert – nicht am schwächsten Mitglied, an Griechenland scheitern wird. Da schon eher an Ländern wie Deutschland und Frankreich. Gerade die Starken müssen daher Solidarität mit den Schwachen zeigen und diese zum Teil auffangen, sie unterstützen. Aber angeschlagene Länder wie Griechenland besitzen auch ein gerüttelt Maß an Selbstverantwortung, ihre Lage zu verbessern.

Das ist doch unrealistisch. Schauen Sie doch nur Richtung Italien, wo Sparmaßnahmen angekündigt, wieder aufgeweicht und dann wieder angekündigt werden. Was sollen wir den Politikern noch glauben?

Was in Italien passiert empfinde ich als Farce. Da hilft die Europäische Zentralbank (EZB) bei der Emission von italienischen Staatsanleihen durch Aufkäufe, entlastet die italienische Regierung und schon erinnert sich dort niemand mehr an die vorher gemachten Zusagen. Berlusconi musste erst wieder durch den Druck der Märkte auf den Pfad der Haushaltskonsolidierung zurück gebracht werden.

Kommentare (12)

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VIELSPASSmitEUROBONDS

08.09.2011, 14:52 Uhr

Die Aussage > Das gilt auch für Deutschland, das die Defizitkriterien als Erster gerissen hat. Deshalb Vorsicht, mit Euro-Bonds geben wir die Zukunft Deutschlands aus der Hand.>
ist falsch!!!
Griechenland hat die Defiitkriterien nie erfüllt, nur falsche Zahlen an die EU bzw. EZB geliefert, also betrogen.
Italien ist die Blaubause für Griechenland
usw.
Aber man sieht, dass man an Deutschland ein anderes Maß anlegt. Was wäre wenn Deutschland gelogen und betrogen hätte?

stephan

08.09.2011, 15:23 Uhr

Herr Schmitz übersieht wie viele andere hinsichtlich der Eurokrise mit Blick auf die DM zweierlei:

>In der Finanzgeschichte gibt es zahlreiche Beispiele dafür, dass dass "Undenkbare" plötzlich zum "Unvermeidbaren" wird, wie etwa die Aufgabe der festen Koppelung des Argent. Peso an den Dollar ("Konvertibilitätsgesetz, von 1991") Ende 2001,

vor allem aber

>mit einer stark aufgewerteten DM ist die dt. Wirtschaft auch früher gut umgegangen; sie war übrigens Antriebsmotiviation, ständig Produltivitäts- und Qualitätsvorteile herzustellen.
Ein nicht nur theoretisch denkbare "neue DM" (ggf. im Verbund mit NL, Fin, Ö & Lux) hätte den Vorteil, dass die Einfuhr von Rohstoffen und Halbfertigwaren durch die Stärke billiger würde, nicht nur zum Vorteil der Autofahrer; und Urlauber etwa in Asien hätten endlich wieder was richtiges in der Hand
St. Heinrich
Bonn

Pendler

08.09.2011, 15:33 Uhr

Was wäre wenn????

Tatsache ist, die Griechen sind Foulspieler und Schmarotzer. Sie lügen und betrügen (wir geben ihnen ungedeckte Kredite, sie kaufen massenhaft Gold).

## Rettet den Euro, schmeisst die Foulspieler endlich aus dem €-Spiel ###

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