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12.03.2004

19:05 Uhr

Angeblich anonymer Anrufer

ETA weist Verantwortung für Anschläge zurück

Die baskische Untergrundorganisation ETA hat Medienberichten zufolge jede Verwicklung in die Bombenanschläge mit rund 200 Toten in Madrid bestritten. Am Tag der Anschläge hatte bereits ein Sprecher der verbotenen Basken-Partei Batasuna die Täterschaft der ETA als unwahrscheinlich bezeichnet.

HB MADRID. „Uns hat eine Nachricht der ETA erreicht, in der sie erklärt, nichts mit den Anschlägen zu tun zu haben“, sagte ein Sprecher des baskischen Fernsehsenders ETB am Abend. Noch wenige Minuten zuvor hatte die spanische Regierung die ETA als Hauptverdächtigen bezeichnet. Innenminister Angel Acebes erklärte dabei allerdings, die Ermittlungen nach der Serie von Anschlägen, bei denen annähernd 200 Menschen in der spanischen Hauptstadt starben und fast 1500 verletzt wurden, gingen weiter in alle Richtungen. Am Vorabend war ein angebliches Bekennerschreiben einer Untergruppe der radikal-islamischen El Kaida aufgetaucht. Die Finanzmärkte reagierten am Freitag kaum auf die ETA-Erklärung, deren Echtheit zunächst nicht offiziell bestätigt werden konnte.

Auch die baskische Zeitung „Gara“ teilte auf ihrer Website mit, ein Anrufer habe sich im Namen der ETA gemeldet und erklärt, die von der EU und den USA als Terrororganisation eingestufte ETA habe mit der Bombenserie am Donnerstag nichts zu tun. Die Zeitung war wie der TV-Sender ETB in der Vergangenheit bereits als Sprachrohr der ETA benutzt worden.

An den Finanzmärkten wurde das ETA-Dementi gelassen aufgenommen. „Die Nachricht kam für den Markt nicht wirklich überraschend“, sagte Björn Fromkorth, Händler beim Broker Lang und Schwarz. „Im Tagesverlauf hatten sich die Hinweise verdichtet, dass es sich möglicherweise nicht um einen ETA-Anschlag gehandelt haben könnte“. Am Vorabend hatten die angeblich zur El Kaida gehörenden Abu Hafs el Masri-Brigaden erklärt, die Bomben seien ein Racheakt für die Unterstützung Spaniens des von den USA geführten Irak-Kriegs. Eine in dem Schreiben zudem enthaltene neue Drohung gegen die USA hatte an den Märkten Terrorängste verstärkt und zu kräftigen Kursverlusten an der Wall Street geführt.

Die Ermittlungen nach der Bombenserie in Madrid liefen derweil weiter auf Hochtouren. Im Rundfunk wurde gemeldet, die von den Attentätern verwendeten Zünder seien nicht typisch für die ETA, die bisher Aluminium-Zünder benutzt habe. Bei den Bomben, die mit Hilfe der Weckeinrichtungen von Mobiltelefonen gezündet wurden, seien Kupfer-Zündkapseln verwendet worden, berichtete der Sender Cadena Ser unter Berufung auf Sicherheitskreise. Eine Bombe, die in einem Rucksack versteckt war, hatte die Polizei entschärfen können. Demgegenüber blieb das Innenministerium dabei, die ETA stehe im Verdacht ganz vorn. Minister Acebes untermauerte dies mit dem Hinweis, der von den Attentätern verwendete Plastiksprengstoff sei dem ähnlich, der von der ETA in der Vergangenheit bei Bombenanschlägen verwendet worden sei.

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