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18.05.2016

13:51 Uhr

Angeblich für Brexit ausgesprochen

Medienaufsicht rügt „The Sun“ wegen Queen-Bericht

Queen Elizabeth hat sich für einen EU-Austritt der Briten ausgesprochen. Das hatte zumindest die „Sun“ im März behauptet. Das Königshaus wehrte sich gegen die Darstellung – nun zieht die Medienaufsicht Konsequenzen.

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LondonMit ihrem Bericht über die angebliche Unterstützung der Queen für einen Austritt Großbritanniens aus der EU hat sich die britische Boulevardzeitung „The Sun“ eine Rüge der Medienaufsicht eingehandelt. Für die Behauptung der Schlagzeile, wonach die Monarchin für einen Brexit sei, finde sich im Text kein einziger Beleg, sie sei somit „in erheblichem Maße irreführend“, urteilte die Independent Press Standards Organisation (Ipso) am Mittwoch.

Großbritanniens auflagenstärkste Zeitung hatte mit ihrer Seite-1-Geschichte am 8. März für einigen Wirbel gesorgt. Unter der Schlagzeile: „Queen unterstützt Brexit“ berichtete die Zeitung unter Berufung auf anonyme Quellen über zwei EU-kritische Bemerkungen der Queen.

So soll sie im Jahr 2011 bei einem Mittagessen mit dem damaligen Vize-Premier Nick Clegg gesagt haben, die EU steuere „in die falsche Richtung“. Bei einer anderen Gelegenheit soll sie einer Gruppe von Abgeordneten bei einem Empfang im Buckingham Palast „mit einiger Giftigkeit“ gesagt haben, sie „verstehe Europa nicht“.

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In einem äußerst ungewöhnlichen Schritt hatte der Buckingham Palast gegen den Bericht Protest bei der Ipso eingelegt. Er erinnerte daran, dass die Queen der politischen Neutralität verpflichtet sei und sprach von „falschen und auf anonymen Quellen gestützten Behauptungen“. Die Königin stellt am Mittwoch in ihrer traditionellen Thronrede das Regierungsprogramm vor dem Parlament vor. Wegen des bevorstehenden EU-Referendums wird dem Auftritt in diesem Jahr besondere Aufmerksamkeit zuteil.

Auch Clegg bezeichnete den Bericht der „Sun“ als „Unsinn“. Der Liberaldemokrat und bekennende EU-Anhänger versicherte, er habe keine „Erinnerung an ein solches Ereignis“. Die Medienaufsicht sprach von einem Verstoß gegen die Pressestatuten.

Wie von Ipso gefordert, veröffentlichte die „Sun“ in einer kleinen Meldung am Ende ihrer Titelseite die Rüge der Medienaufsicht. Gleichzeitig aber hielt Chefredakteur Tony Gallagher an der damaligen Geschichte fest.

Er würde sich jederzeit erneut für deren Veröffentlichung entscheiden, sagte Gallagher dem Rundfunksender BBC. Zwar dürfe er die Quellen nicht nennen, doch seien diese „derart zuverlässig“ und die Details der Gespräche derart überzeugend, dass es einer Bankrotterklärung des Journalismus gleichgekommen wäre, die Geschichte nicht zu bringen.

Die Briten sollen am 23. Juni in einem Referendum über die weitere EU-Mitgliedschaft ihres Landes abstimmen. Premierminister David Cameron kämpft für einen Verbleib, doch ist das Land in der Frage gespalten.

Von

afp

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