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21.10.2014

12:07 Uhr

Angebliche Vergewaltigung im Iran

Fall Dschabbari: Opfer oder Täterin?

Rejhaneh Dschabbari sagt, sie habe sich gegen einen Vergewaltiger gewehrt und ihn dabei erstochen. Das Gericht aber verurteilte sie wegen Mordes zum Tode. Ihre Hinrichtung kann nur noch die Familie des Opfers verhindern.

Die Iranerin Rejhaneh Dschabbari bei einem Gerichtsprozess in Teheran: Dschabbari hatte im Juli 2007 nach eigenen Angaben ihren Vergewaltiger in Notwehr mit dem Messer getötet. dpa

Die Iranerin Rejhaneh Dschabbari bei einem Gerichtsprozess in Teheran: Dschabbari hatte im Juli 2007 nach eigenen Angaben ihren Vergewaltiger in Notwehr mit dem Messer getötet.

TeheranAn einem heißen Juli-Tag im Jahr 2007 wollte Rejhaneh Dschabbari für zwei männliche Kunden eine Wohnung in Nordteheran neu dekorieren. Als die Dekorateurin dort ankam, wollte einer der Männer sie vergewaltigen. Sie wehrte sich und tötete den Mann mit einem Messer. Das ist ihre Version des Tathergangs.

Die Ermittlungen der Polizei haben den von der jungen Iranerin geschilderten Ablauf allerdings nicht bestätigt. „Wir konnten keinerlei Spuren einer Vergewaltigung feststellen“, sagt Chefermittler Mohammed Hussein Schamlu. Gegen die Version von einer Vergewaltigung spreche, dass der Mann, Mortesa Sarbandi, – angeblich beim Beten – von hinten erstochen wurde. Die Ermittlungen ergaben weiterhin, dass Dschabbari das Messer zwei Tage vorher gekauft hatte. Dafür soll es auch Zeugen geben.

Vor Gericht soll die sich heute 26-Jährige außerdem bei den Details immer wieder in Widersprüche verstrickt haben. Dafür hat ihr ehemaliger Anwalt Abdolsamed Choramschahi jedoch Verständnis. Es sei schwierig, sachlich eine Tat zu schildern, die sie traumatisiert habe. Außerdem habe sie damals in einer Stresssituation nicht mehr logisch denken können und daher auch in Notwehr einfach zugestochen.

Diese Länder verhängten 2012 die Todesstrafe

Platz 1

China richtet mehr Menschen hin als alle anderen Länder zusammen. In China werden Angaben zur Todesstrafe als Staatsgeheimnis behandelt, deswegen kann nur vermutet werden, wie viele Menschen dort exekutiert werden. Es wird angenommen, dass im vergangenen Jahr tausende Menschen hinrichtet worden sind. Alle anderen Länder zusammen kamen auf 682.

Platz 2

Im Iran wurden 2012 mindestens 314 Menschen hingerichtet.

Platz 3

Im Irak wurden 2012 mindestens 129 Menschen hingerichtet.

Platz 4

In Saudi-Arabien wurden 2012 mindestens 79 Menschen hingerichtet.

Platz 5

In den USA wurden 2012 genau 43 Menschen hingerichtet.

Platz 6

Im Jemen wurden 2012 mindestens 28 Menschen hingerichtet.

Platz 7

Im Sudan wurden 2012 mindestens 19 Menschen hingerichtet.

Platz 8

Im Afghanistan wurden 2012 genau 14 Menschen hingerichtet.

Platz 9

In Gambia wurden 2012 neun Menschen hingerichtet.

Platz 10

In Japan wurden 2012 sieben Menschen hingerichtet.

Platz 11 bis 14

In Nordkorea und Somalia wurden 2012 mindestens sechs Menschen hingerichtet, in den Palästinensischen Gebieten und in Taiwan genau sechs.

Platz 15

Im Südsudan wurden 2012 mindestens fünf Menschen hingerichtet.

Eine Anwältin in Teheran sagt: „Das kann ich als Frau nachvollziehen, aber das Gericht muss einen Totschlag nun mal sachlich aufklären, und ihre Aussagen weisen in der Tat viele Ungereimtheiten auf.“. Wieso geht eine 19-Jährige alleine – ohne Kollegen – in die Wohnung von zwei wildfremden Männern? Im Iran zumindest völlig ungewöhnlich.

Und dann solle der Mann, der sie vergewaltigen wollte, auf einmal mit dem Rücken zu ihr gebetet haben? Diese Widersprüche sprächen nicht gerade für Dschabbari. „Die Frage ist daher berechtigt, ob die Frau nun Opfer oder Täterin ist“, so die Anwältin.

Im Gericht war auch von einer „unmoralischen Beziehung“ mit dem Opfer die Rede. Laut Richter Hussein Tardast wäre dies nicht ihre erste Beziehung zu einem älteren Mann. Dschabbari habe vor der Tat ein Wochenende mit ihrem Chef in dessen Villa am Kaspischen Meer verbracht.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

21.10.2014, 13:10 Uhr

Wo bleiben unsere Gutmenschen? De Täter soll also die Chance zur Wiederholung der Tat erhalten. Dies ist Kulturbereicherung?

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