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19.05.2014

15:43 Uhr

Angebot an von der Leyen

Rüstungskonzerne planen gemeinsame Drohne

Vor einem Jahr wurde das Drohnenprojekt Euro Hawk wegen großer Probleme gestoppt. Nun planen europäische Rüstungskonzerne eine gemeinsame Drohnen-Entwicklung. Ministerin von der Leyen allerdings bremst.

Ein Prototyp der Aufklärungsdrohne Euro Hawk der Bundeswehr. Union und SPD wollen sich für das gemeinsame Projekt einsetzen. dpa

Ein Prototyp der Aufklärungsdrohne Euro Hawk der Bundeswehr. Union und SPD wollen sich für das gemeinsame Projekt einsetzen.

BerlinDie führenden europäischen Luftfahrtkonzerne haben einen gemeinsamen Vorstoß für ein militärisches Drohnenprojekt gestartet. Bei dem geplanten Programm gehe es um unbemannte Maschinen für mittlere Flughöhe und lange Flugdauer (MALE), teilten die Unternehmen Airbus, Dassault Aviation und Alenia Aermacchi am Montag mit.

In einem Angebot an die Verteidigungsministerien in Deutschland, Frankreich und Italien schlugen sie konkrete Gespräche über die Anforderungen an die neue Technik vor. Auf industrieller Ebene habe man bereits eine Kooperationsvereinbarung geschlossen und sich über die Arbeitsteilung verständigt.

Über die Entwicklung einer europäischen Drohne wird seit Jahren diskutiert. Bislang konnte sich die Politik allerdings nicht auf ein gemeinsames Programm einigen. Airbus-Chef Tom Enders hatte dies immer wieder kritisiert.

„Je länger es dauert, desto dominanter werden die Amerikaner auf dem Markt werden. Desto schwieriger wird es werden, aufzuholen“, sagte der deutsche Spitzenmanager bereits vor der Pariser Luftfahrtmesse 2013 und sprach von einem Rückstand von zehn Jahren. Enders kündigte damals an, keine Konzerngelder mehr für die Entwicklung von Drohnen ausgeben zu wollen. Nur mit Regierungsaufträgen werde es weitergehen.

Das jetzt von Airbus und seinen Partnern Dassault Aviation (Frankreich) und Alenia Aermacchi (Italien) vorgeschlagene Projekt sieht vor, dass die drei Länder zunächst zusammen mit Streitkräften und Industrie ihre Anforderungen an ein europäisches Drohnen-Entwicklungsprogramm formulieren. Diese Phase diene auch dazu, „kostspielige Zusatzentwicklungen während der späteren Produktionsphase zu vermeiden und Entwicklungs- und Finanzrisiken auf ein Minimum zu begrenzen“.

Danach erwarten die Unternehmen die endgültige Entscheidung der Politik zur weiteren Entwicklung. Nach Angaben des Industriekonsortiums könnte eine „kostengünstige und zulassungsfähige“ Drohne im Jahr 2020 zur Verfügung stehen.

Unerwartete Probleme hatten dem deutschen Verteidigungsministerium zuletzt ein Debakel mit dem Drohnenprojekt „Euro Hawk“ beschert. Im Mai 2013 stoppte der damalige Ressortchef Thomas de Maizière (CDU) die Entwicklung dieser Aufklärungsdrohne wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den deutschen Luftraum und drohender Mehrkosten von 500 bis 600 Millionen Euro.

Grundsätzlich ist die Bundesregierung aber weiter an Drohnensystemen interessiert. Im Koalitionsvertrag weisen Union und SPD darauf hin, dass die Bundeswehr auf unbemannte Luftfahrzeuge zur Aufklärung angewiesen sei. Weiter heißt es dort: „Die Koalition wird eine europäische Entwicklung für unbemannte Luftfahrzeuge voranbringen.“

Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) ließ die Rüstungsindustrie mit deren Vorstoß am Montag derweil abblitzen. Sie sehe derzeit „keinen Entscheidungsdruck“ bei der Drohnen-Entwicklung, weil das Thema zunächst in einer „breiten gesellschaftlichen Debatte“ und im Bundestag erörtert werden müsse, sagte die Ministerin am Montag in Berlin. Verwundert zeigte sich von der Leyen über Berichte zu einem Angebot eines Konsortiums zur Drohnenentwicklung. „Dieses Angebot hat mir gegenüber in Gesprächsform nicht stattgefunden“, sagte die Ministerin. Am Freitag sei allerdings auf Arbeitsebene in ihrem Ministerium der Brief eines Rüstungsunternehmens mit einem Angebot eingegangen. „Typischerweise“ würden solche Angebote nur unterbreitet, wenn das Ministerium zuvor darum gebeten habe. Dies sei in diesem Fall aber nicht geschehen, sagte von der Leyen. Den genauen Inhalt der Initiative kenne sie nicht.

Kommentare (5)

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19.05.2014, 08:25 Uhr

Drohnen zur Überwachung der Schafe auf der Weide.....
Aber die Schafe kümmert es nicht. Gibt ja nichts zu sehen ....
Die Wölfe freut es .....

Account gelöscht!

19.05.2014, 08:30 Uhr

Prinzipiell begrüßenswert um sich bei dieser Zukunfts-Krieg-Technologie nicht völlig von der Gnade unserer "Freunde", den Amerikanern abhängig zu machen - indem man solche Drohnen ansonsten bei ihnen einkaufen müßte. Übrigens nicht den gleichen Fehler machen wie beim Euro Hawk, in zentralen Punkten US-Technik zu verwenden. Der Euro Hawk wurde schon vor seinem "Start" "abgeschossen", nachdem sich das US-Unternehmen geweigert hatte für die Zulassung im europäischen Luftraum notwendige Informationen bereitzustellen.

Account gelöscht!

19.05.2014, 08:42 Uhr

@UWE99

Die Drohnen an sich sind nicht zu verhindern - wie historisch keine Militärtechnik-Fortschritte (ja überhaupt keine Technik-Fortschritte) zu verhindern waren. Das Einzige, warum man sich noch "kümmern" kann, ist wer die Kontrolle darüber hat und wer nicht, und wo sie herumfliegen dürfen und zu welchen Zwecken. Letztlich aber sind die Drohnen nur die gerinste Sorge, was den im Aufbau befindlichen Orwellschen Überwachungsstaat angeht.

Im übrigen aber teile ich Ihre Meinung, daß die menschliche Schafsherde mittlerweile gegen die Schäfer (nicht die Wölfe, es sind die Schäfer, die die Schafe fürchten sollten)
und deren Überwachungsinstrumentarium AUS EIGENER SCHULD kaum noch eine Chance haben wird. Viele sind zwar mittlerweile aufgewacht, aber die Masse der Leute schläft friedlich weiter und wählt weiterhin brav die Blockparteien und hat auch (wegen des Boykotts der Propaganda-Medien) keine Ahnung, daß man zu Montags-Demos gehen könnte:

http://netzwerkvolksentscheid.de/2014/05/19/86-friedens-montagsdemos-und-montagsmahnwachen-am-19-05-2014-deutschland-oesterreich-schweiz/

Heute ist übrigens MONTAG und die teilnehmenden Städte sind auf der verlinkten Seite gelistet. Wichtig natürlich insbesondere die Hauptstadt.

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