Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.01.2010

16:13 Uhr

Angespannte Lage

Truppenaufmarsch nach Wahl in Sri Lanka

Massive Spannungen nach dem Urnengang lassen Sorge um den fragilen Frieden in Sri Lanka aufkommen: Der unterlegene Kandidat wittert Unregelmäßigkeiten, der Sieger lässt dessen Residenz von Soldaten umstellen.

Wahlsieger Rajapaksa. ap

Wahlsieger Rajapaksa.

HB COLOMBO. Nach der Präsidentenwahl in Sri Lanka haben sich massive Spannungen abgezeichnet. Laut dem amtlichen Endergebnis konnte Amtsinhaber Mahinda Rajapaksa den früheren Heereschef Sarath Fonseka deutlich schlagen. Er kam auf 57,8 Prozent der Stimmen, während Fonseka nur 40 Prozent erzielte. Letzterer lehnte eine Anerkennung dieser Zahlen aber ab. Das Hotel in Colombo, in dem sich Fonseka aufhielt, wurde am Mittwoch von Truppen umstellt.

In einem Brief an die Wahlkommission kündigte der unterlegene Kandidat juristische Schritte zur Annullierung des Wahlergebnisses an. Er warf Rajapaksa vor, die staatlichen Medien zur Denunzierung seines Konkurrenten eingesetzt und Staatsgelder unrechtmäßig für seinen Wahlkampf abgezweigt zu haben. Außerdem habe der Präsident die in Flüchtlingslagern lebenden Tamilen gezielt an einer Wahlbeteiligung gehindert. Die größte tamilische Partei, die auf eine rasche Neuansiedlung der zehntausenden Kriegsflüchtlinge dringt, hatte sich auf die Seite Fonsekas geschlagen.

Der Leiter der Wahlkommission, Dayanada Dissanayake, bestätigte die Vorwürfe zum Teil. Die staatlichen Medien hätten die von ihm erlassenen Richtlinien für die Wahlkampfberichterstattung missachtet, und auch Regierungsämter hätten sich seinen Anweisungen widersetzt. Kurz vor der Verkündung des Endergebnisses bat er deshalb um seine Entlassung. "Ich kann dies nicht länger ertragen", sagte Dissanayake.

In einem separaten Brief an die Wahlkommission beklagte Fonseka, dass Soldaten ihn daran hinderten, das Cinnamon Lake Hotel zu verlassen. Er bat darum, die Polizei und andere relevante Behörden einzuschalten, um seine Sicherheit und Bewegungsfreiheit zu garantieren. Ein Militärsprecher erklärte, eine Festnahme Fonsekas sei nicht geplant. Das Hotel sei umstellt worden, weil sich darin rund 400 Personen, darunter auch Deserteure, mit Fonseka versammelt hätten und man deren Motive ergründen wolle. Ein Oppositionspolitiker wies diese Angaben zurück.

Der Wahlkampf zwischen Rajapaksa und Fonseka wurde von Anfang an mit großer Bitterkeit ausgetragen. Beide gelten in der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit als Architekten des Sieges über die tamilischen Rebellen nach rund 25 Jahren Bürgerkrieg. Später überwarfen sie sich jedoch miteinander und wurden zu scharfen Kontrahenten.

Rajapaksa war nach der Verkündung seines Wahlsiegs um Versöhnung innerhalb der Bevölkerung bemüht. Er wolle der Präsident aller Sri Lanker sein, nicht nur derjenigen, die ihn gewählt hätten, betonte er in einer Ansprache. Rajapaksa wird auch künftig ein Land regieren, das wegen des Bürgerkriegs noch immer tief gespalten ist und vor großen wirtschaftlichen Problemen steht. Konkrete Pläne zur Versöhnung und zum Wiederaufbau hatte allerdings keiner der beiden Kandidaten vor der Wahl vom Dienstag vorgelegt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×