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03.05.2012

15:12 Uhr

Angespannte Stimmung

Zorn der Griechen hält deutsche Urlauber fern

Berichte über Streiks gegen deutsche Touristen und Titelseiten, die Merkel mit Hakenkreuz zeigen: Deutsche Urlauber meiden in der Krise Griechenland. Der Umsatz beim Tourismus droht um fünf Prozent zu sinken.

Ein einzelner Fotograf vor der Akropolis in Athen. Griechenlands Wirtschaft leidet unter dem Fernbleiben der deutschen Touristen. dpa

Ein einzelner Fotograf vor der Akropolis in Athen. Griechenlands Wirtschaft leidet unter dem Fernbleiben der deutschen Touristen.

KorinthAngela Merkel in Nazi-Uniform, die schwarz-rot-goldene Flagge in Flammen, Berichte über eine offenbar weit verbreitete anti-deutsche Stimmung: Den Bundesbürgern ist die Lust darauf vergangen, im sonnenreichen Griechenland Urlaub zu machen. Wer mag sich schon an seinen kostbarsten Tagen dem Risiko aussetzen, wie ein Nazi angeschaut zu werden?

Auf der griechischen Seite hat die Abstinenz aber drastische Folgen. Mit dem Ausbleiben der Deutschen fällt mitten in der Schuldenkrise das wichtigste Geschäft der Griechen aus, die einen hohen Anteil von 15 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts im Tourismus erwirtschaften. Normalerweise sind Städte wie Korinth im April mit Menschen gefüllt, die fröhlich ihr Urlaubsgeld ausgeben. Nicht so in diesem Jahr. Der charmante Ort 80 Kilometer westlich von Athen ist so gut wie verwaist. Restaurants sind kaum besetzt, Hotels fast leer, wenig tut sich in Souvenirshops und Cafés. Die Deutschen, sonst die größte Gruppe unter den Besuchern in der Region, fehlen.

Nicki Nastouli arbeitet in einem Souvenirgeschäft und in einem Restaurant, das nur wenige Schritte von dem sehenswerten Kanal entfernt liegt, den die Korinther im 19. Jahrhundert tief in den Felsen des Peloponnes geschlagen haben. Sie möchte am liebsten jedem einzelnen Deutschen versichern, dass trotz der Abneigung gegenüber der Schulden-Zuchtmeisterin Merkel jeder Wähler der Kanzlerin willkommen ist. „Wir haben keine Probleme mit den Deutschen, nur mit ihrer Regierung“, stellt die 32-Jährige fest.

Und was für welche: Weil Deutschland in der Schuldenkrise auf Sparsamkeit und Reformen zur Förderung der Wettbewerbsfähigkeit pocht, setzen Demonstranten in Athen gerne deutsche Fahnen in Brand und schwenken Plakate, auf denen Merkel mit verkniffenem Gesichtsausdruck wie eine Nationalsozialistin gezeigt wird. Karikaturen führen die Kanzlerin gemeinsam mit Finanzminister Wolfgang Schäuble als KZ-Wächter vor. Die Insassen des Lagers: Griechen.

„Niemand in Griechenland mag Merkel“, sagt der 51-jährige Yannis Kalyerakos, der mit seiner Familie den historischen Kanal von Korinth besichtigt. „Die Griechen haben aber kein Problem mit den Deutschen - auch wenn ihre Regierung die Griechen für alles, was falsch läuft, verantwortlich macht.“

Kommentare (4)

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horst_tabak

03.05.2012, 15:59 Uhr

"...die Merkel mit Hackenkreuz zeigen...."
Was ist ein Hackenkreuz?

Petra

03.05.2012, 16:08 Uhr

Warum soll man in seinem wohlverdienten Urlaub, auf den man sich das ganze Jahr über freut, in ein Land gehen, in dem man als Nazi und Verursacher der Krise beschimpft wird? NEIN DANKE, DAFÜR IST MIR MEIN URLAUB ZU WICHTIG!

hellipirelli

03.05.2012, 17:52 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. 

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