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23.06.2011

14:52 Uhr

Angriff auf Dorf

Syrische Armee löst neue Massenflucht aus

Truppen des Regimes von Präsident Assad sind mit Panzern in ein weiteres Dorf eingerückt, zahlreiche Bewohner flohen daraufhin über die Grenze in die Türkei.

Verletzte syrische Flüchtlinge in der Türkei. Quelle: dapd

Verletzte syrische Flüchtlinge in der Türkei.

Istanbul/AmmanNach einem Vorstoß syrischer Regierungstruppen in das Grenzdorf Chirbet al-Dschoos sind Hunderte Syrer in die Türkei geflüchtet. Ein syrischer Aktivist an der Grenze sagte der Nachrichtenagentur dpa, er habe 30 Panzer und 15 Busse der Armee gesehen, die am Donnerstag in das Dorf eingedrungen seien. Anschließend seien Schüsse zu hören gewesen.

Dutzende Familien aus Chirbet al-Dschoos, die sich in Erwartung eines Angriffs außerhalb des Dorfes versteckt hätten, seien daraufhin in Panik in Richtung Grenze geflohen. Dort seien sie von der türkischen Armee mit 20 Bussen abgeholt und in eine Kaserne gebracht worden. Er habe von Flüchtlingen gehört, dass Soldaten und Angehörige der Schabiha-Miliz mit Namenslisten durch das Dorf gezogen seien und dort Häuser von Regimegegnern zerstört hätten. Kurz darauf sah ein Augenzeuge, wie zwölf der Busse das Dorf wieder verließen und in Richtung der Stadt Dschisr al-Schughur fuhren.

Ein Korrespondent der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu berichtete, der Einsatz der syrischen Soldaten könne von türkischer Seite aus beobachtet werden. Besorgte Einwohner des türkischen Grenzdorfes Güvecci hätten ihre Behörden über den Vorstoß informiert.

Allein am Donnerstagmorgen kamen nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond 600 Syrer in die Türkei. Mehr als 10.000 Menschen flüchteten bereits vor dem Militäreinsatz. Es gibt vier Flüchtlingslager in der Türkei. Nach Darstellung von Menschenrechtlern töteten syrische Sicherheitskräfte in der in der Region Dschisr al-Schughur bislang mehr als 130 Zivilisten und nahmen etwa 2000 fest. In ganz Syrien sollen seit März etwa 1300 Zivilisten getötet worden sein.

Assad versucht mit Gewalt, die Proteste gegen seine Herrschaft niederzuschlagen. Am Donnerstag errichteten Soldaten und Geheimpolizisten auch Sperren auf der Straße zwischen Aleppo und der Türkei. Die Stadt solle von der Türkei abgeschnitten werden, um Protesten vorzubeugen, sagte ein Einwohner der Nachrichtenagentur Reuters am Telefon. Weil die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen wurden, ist es schwierig, Berichte aus Syrien zu überprüfen.

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