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06.08.2012

01:31 Uhr

Angriff auf Grenzschützer

Ägyptens Präsident Mursi droht mit Rache

Bei einem Angriff auf einen Grenzposten in Ägypten ist die Anzahl der Toten gestiegen. Der ägyptische Präsident Mursi hat Rache gedroht. „Diejenigen, die das getan haben, werden teuer bezahlen.“

Ein ägyptischer Polizist an einem Grenzposten. ap

Ein ägyptischer Polizist an einem Grenzposten.

Al-Arisch/KairoNach dem Angriff an der ägyptisch-israelischen Grenze hat sich die Zahl der getöteten ägyptischen Soldaten nach Behördenangaben auf 16 erhöht. Für das Blutbad machte das ägyptische Staatsfernsehen islamistische Extremisten verantwortlich. Die maskierten Täter hatten mit erbeuteten gepanzerten Fahrzeugen einen israelischen Kontrollposten bei Rafah angegriffen, wurden von israelischen Soldaten aber zurückgeschlagen.

Der ägyptische Präsident Mohammed Mursi berief nach dem Angriff eine Krisensitzung mit Militär- und Sicherheitsvertretern ein. In einer Mitteilung übermittelte er den Familien der Getöteten sein Beileid und sagte, die „feige“ Tat werde nicht unbeantwortet bleiben. „Diejenigen, die das getan haben, werden teuer bezahlen“, hieß es in der Stellungnahme Mursis. Es war einer der folgenschwersten Angriffe auf der Sinai-Halbinsel seit Jahren.

Die Grenzsoldaten seien nach Einbruch der Dunkelheit beim Fastenbrechen im Ramadan angegriffen worden. Die Angreifer seien anschließend mit entwendeten Patrouillenfahrzeugen zum Grenzübergang Karm Abu Salem gefahren und hätten israelisches Territorium beschossen. In einem Krankenhaus der Provinzhauptstadt Al-Arisch wurde bestätigt, dass vier mit Schusswunden verletzte Soldaten behandelt würden.

Die israelische Armee erklärte kurz darauf, ein gepanzertes Fahrzeug sei bei Karm Abu Salem nach Israel eingedrungen. Es sei von der israelischen Armee daraufhin zerstört worden. Der israelische Rundfunk meldete, ein Kampfhubschrauber habe das Fahrzeug angegriffen und dabei drei "Terroristen" getötet.

Das israelische Büro zur Terrorbekämpfung hatte am Donnerstag alle israelischen Staatsbürger aufgerufen, den Sinai "umgehend" zu verlassen, da es Warnungen vor Angriffen auf Israelis gebe. Die ägyptische Nachrichtenagentur Mena berichtete von einer Attacke "bewaffneter Unbekannter" in der Region al-Massura. Sie bestätigte den Tod von ägyptischen Kräften, ohne jedoch Zahlen zu nennen.

Auf der Sinai-Halbinsel befinden sich die Badeorte, die für die ägyptische Tourismusindustrie von großer Bedeutung sind. Seit dem Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak im Februar 2011 hat sich die Sicherheitslage auf dem Sinai deutlich verschlechtert; die dort lebenden Beduinen waren unter Mubarak benachteiligt worden.

Gemäß dem israelisch-ägyptischen Friedensvertrag von 1979 ist auf der Sinai-Halbinsel nur wenig Militär stationiert. Im vergangenen Jahr hatte Israel der ägyptischen Armee jedoch aufgrund der veränderten Lage erlaubt, Panzer und Soldaten in die Region zu entsenden.

Israel baut einen Sicherheitszaun zum Sinai, der Terroristen, Schmuggler und illegale Einwanderer abhalten soll. Der Zaun, der etwa 230 Kilometer lang werden soll, ist nach Angaben der israelischen Armee von Mitte Juni fast fertig.

Im ägyptisch-israelischen Grenzgebiet ist es seit dem Sturz des ägyptischen Machthabers Husni Mubarak im Februar 2011 immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen mit islamischen Extremisten gekommen. Vor zwei Monaten hatten israelische Soldaten zwei schwer bewaffnete Männer erschossen, die nach Angaben des Militärs von Ägypten aus über die Grenze gekommen waren. Im vergangenen August hatten Terroristen, die vom Sinai gekommen waren, nördlich von Eilat acht Israelis getötet.

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